Kindergärten, Schulen und Hochschulen in Deutschland scheinen besser zu sein als ihr Ruf. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls der "Bildungsmonitor 2008" des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), das jedes Jahr die Bildungssysteme der Länder vergleicht. Danach lernen mehr Schüler als bisher Fremdsprachen, die Hochschulen sind internationaler geworden und die Studenten kommen schneller zum Abschluss als bisher.
Doch es gibt auch schlechte Nachrichten: Es fehlt der Nachwuchs in den Ingenieurberufen. Und der positive Bundestrend beim Ausbau der Ganztagsangebote als auch bei der Akademisierung von Erzieherinnen sei "fast zum Erliegen gekommen", monieren die Bildungsökonomen.
Mit Blick auf die Rangliste der einzelnen Bundesländer hält die von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft in Auftrag gegebene Studie kaum Überraschungen bereit. Insgesamt bescheinigen die Wissenschaftler den meisten Ländern Verbesserungen. Wie schon 2007 bietet Sachsen wieder die besten Bildungsvoraussetzungen - gefolgt von Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern. Mecklenburg-Vorpommern hält die rote Laterne.
Nordrhein-Westfalen (NRW) hat zwar den vorletzten Platz belegt, die Forscher sehen dennoch einen Aufstieg, weil NRW "mittlerweile aber fast den Punktwert erreicht, den Bayern als bestes Bundesland im Bildungsmonitor 2004 erzielte".
Hessen liegt zusammen mit Schleswig-Holstein nur im unteren Mittelfeld. Zwar konnte Hessen bei der Akademisierung und der Integration von ausländischen Jugendlichen punkten, dafür verschlechterte sich das Betreuungsverhältnis an den Grundschulen.
Methodisch vergleicht die Studie die Bildungssysteme der Länder anhand von mehr als 100 Indikatoren - etwa Klassengröße, Studiendauer und Bildungsinvestitionen. Unter Wissenschaftlern ist die jährliche Erhebung jedoch nicht unumstritten. So hegt etwa der renommierte Essener Bildungsforscher Klaus Klemm Zweifel an der Aussagekraft des Bildungsmonitors.
"Grundsätzlich ist die Idee eines Ländervergleiches gut, aber die Indikatoren, die dieser Untersuchung zu Grunde liegen, lassen doch erhebliche Zweifel an ihrer Aussagekraft aufkommen, sagte Klemm der Frankfurter Rundschau. Er sieht methodische Probleme und erinnert an die ersten Bildungsmonitore.
Da sei beispielsweise die Tatsache, dass in neuen Bundesländern in kleineren Klassen unterrichtet werde, als Erfolg der Politik eingestuft worden. Tatsache sei aber einfach nur, dass dort weniger Kinder vorhanden gewesen seien.
Klemm erinnert zudem daran, dass das Institut der Deutschen Wirtschaft erst vor wenigen Monaten zu ganz anderen Ergebnissen gekommen sei. Damals hatte es die Reformfreudigkeit der Länder unter die Lupe genommen. Da durfte sich NRW über Platz eins freuen, in der gestrigen Untersuchung landete es auf dem vorletzten Rang.
Kritik kommt auch aus Hessen, das sich laut Bildungsmonitor nur unterdurchschnittlich verbesserte: Noch im Mai hätten die Wissenschaftler des IW dem Land die Note "gut" wegen seiner hohen Reformbereitschaft bei der Bildung gegeben, sagte die Landesregierung.
So wiederholt sich beim Bildungsmonitor jenes Prozedere, das man bereits von den Pisa-Studien kennt: Zahlen und Methoden sind das eine, Interpretationen das andere. Einig sind sich Wissenschaft und Politik lediglich darin, dass Bund und Länder mehr in Bildung investieren müssen.
Beim "wie viel" fängt der Streit jedoch schon wieder an. Eine erste Maximalforderung kam am Dienstag von den Gewerkschaften DGB und GEW mit Blick auf den Bildungsgipfel: 30 Milliarden Euro jährlich müssten demnach zusätzlich ins Bildungssystem gepumpt werden - finanziert über Steuern. Wie das gehen soll, will der DGB der Regierung im Herbst vorrechnen, wenn er sein "steuerpolitisches Gesamtkonzept" vorlegt.
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