Manchmal ist es Glückssache, ob sich die Erkenntnisse wirklich auf die Technik übertragen lassen. Und manchmal kommt es anders als geplant: Als Kesels Studenten eine bessere Schiffsschraube entwickeln sollten, erfanden sie einen leiseren Lüfter. "Top-down" oder "Techno-pull" nennt sich dieser Forschungsansatz, der mit einem konkreten Auftrag beginnt. Die andere Variante heißt "Bottom-up" oder "Bio-push": Zufällig entdecken die Wissenschaftler ein Phänomen wie etwa die saubere Haihaut. Sie ermitteln die dahinter steckende Wirkungsweise und fragen sich, was die Menschheit damit anfangen könnte. Schließlich, so Kesel, wird ein Partner in der Industrie gesucht, "und wenn der Prototyp erstellt ist, ziehen wir uns allmählich zurück".
Jakob Jung durfte sein Auslandssemester auf Hawaii verbringen und dort mit Delphinen arbeiten. Jetzt sitzt der 23-Jährige im Bremer EDV-Labor und tüftelt an einer Computergrafik: Jung hat die Geometrie des Pinguins vermessen und will sie für ein windschlüpfriges Niedrig-Energie-Auto nutzen. Das Modell auf dem Bildschirm sieht aus wie ein Pinguin mit Rädern.
Jung kommt von einem technischen Gymnasium. Im Studium wollte er "nicht nur mit Formeln, sondern auch mit der Natur zu tun haben". Da war Bionik für ihn genau das Richtige: "sehr vielfältig , mit einem breiten Spektrum". Sein Urteil: "Wir bekommen hier wirklich ein Rundumpaket." Nach dem Examen möchte er sich selbstständig machen - vielleicht mit dem Pinguinauto.
"Die Jobaussichten sind sehr gut", betont Kesel. 85 Prozent der Bachelor-Absolventen hängen zwar erst noch ein Masterstudium dran, doch der Rest fand bisher sofort Arbeit in der Wissenschaft, in Ingenieurbüros oder bei Fahr- und Flugzeugbauern.
Studiengangsleiterin Kesel setzt darauf, dass noch viel mehr Hochschulen Bionik anbieten: "Es führt unterschiedliche Horizonte zusammen. Davon brauchen wir noch mehr."
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