"Einen Selbstmord kann man nur durch Gespräche mit Angehörigen ausschließen", sagt Professor Stefan Seidl, Rechtsmediziner an der Universität Erlangen-Nürnberg. Allein Spermaflecken auf dem Teppich seien kein Grund, von einem Selbstmord abzurücken. Beim Erhängen könne es durch einen körperlichen Reflex zu einem Samenerguss kommen. Zwei weitere Kriterien müssten gegeben sein, um von einem autoerotischen Unfall zu sprechen. Zum einen müssen die Toten an einem Ort gefunden werden, wo ihre Privatsphäre nicht gestört wurde. Das muss nicht immer ein verschlossenes Zimmer sein, es reicht auch, wenn jemand den ganzen Tag alleine in einem Haus verbracht hat. Zum anderen muss es Anzeichen für frühere autoerotische Betätigung geben.
"Freunde oder Verwandte zu befragen, ergibt da keinen Sinn - es kursieren höchstens Gerüchte", berichtet Seidl. Wenn man wissen wolle, ob die Person schon öfter solche Spielereien gemacht habe, dann müsse sich der Mediziner sich an sichtbare Dinge halten. "Manchmal entdeckt man in den Wohnungen zum Beispiel Haken in der Decke oder Fesselungswerkzeug", sagt Seidl. Oft finde man bei den Toten auch andere Utensilien, die auf sexuelle Betätigung schließen lassen, wie Pornohefte, Videos oder Kondome - so fern sie nicht entfernt wurden. "Gerade in ländlichen Gebieten kommt es vor, dass Angehörige aus Scham Dinge verschwinden lassen und die Leiche ankleiden", so Seidl.
Es könnte aber auch der umgekehrte Fall eintreten: Jemand erhängt einen Menschen, zieht ihn aus, verteilt Pornoheftchen im Raum und lässt es nach einem autoerotische Unfall aussehen. Ob dies der Fall war, hofft Familie Carradine mit Hilfe des FBI lösen zu können, denn an einen Selbstmord glaube sie nicht und einen Unfall will sie vielleicht nicht wahrhaben.
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