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Schwule Kekse: Bremer Schülerumfrage belegt Homophobie

Das häufigste Schimpfwort an deutschen Schulen ist "schwul". Das behauptet jedenfalls Hans-Wolfram Stein. "Wenn ein Keks nicht schmeckt, ist er ‚schwul, ey!'".

Das häufigste Schimpfwort an deutschen Schulen ist schwul. Das behauptet jedenfalls Hans-Wolfram Stein.  Wenn ein Keks nicht schmeckt, ist er schwul, ey!'.
Das häufigste Schimpfwort an deutschen Schulen ist "schwul". Das behauptet jedenfalls Hans-Wolfram Stein. "Wenn ein Keks nicht schmeckt, ist er schwul, ey!'".
Foto: dpa

Das häufigste Schimpfwort an deutschen Schulen ist "schwul". Das behauptet jedenfalls Hans-Wolfram Stein. Der 58-Jährige unterrichtet Wirtschaft und Politik am berufsbildenden "Schulzentrum Walliser Straße" in Bremen. "Wenn ein Keks nicht schmeckt, ist er ‚schwul, ey!'", erzählt Stein der FR. "Die Homophoben haben die Meinungsführerschaft" - und das wollte der bekennende Heterosexuelle nicht länger hinnehmen.

Deshalb überzeugte er seine Höhere Handelsschulklasse davon, sich ein halbes Jahr lang mit "Homophobie", also mit Menschenfeindlichkeit gegenüber Homosexuellen, zu befassen.

"Unmoralisch"

Ein Mittel zum Erkenntnisgewinn war eine Meinungsumfrage unter 968 Schülern des Schulzentrums und der benachbarten Gesamtschule Ost. Dabei zeigte sich, dass 40 Prozent der muslimischen, 23 Prozent der katholischen und zwölf Prozent der evangelischen Jugendlichen Homosexualität immer noch für eine Krankheit halten. Bei den Nichtgläubigen waren es knapp elf Prozent.

Zumindest unmoralisch ist Homosexualität für 62 Prozent der befragten Muslime, 39 Prozent der Katholiken, 26 Prozent der Protestanten und immerhin 20 Prozent der Nichtgläubigen.

Noch höher stieg der Wert bei der Frage, ob Homo-Küsse in der Öffentlichkeit "ekelhaft" seien. "Ja", fanden 85 Prozent der Muslime und immer noch 46 Prozent der Nichtgläubigen.

Aber es gab auch Lichtblicke: 79 bis 84 Prozent der (Nicht-)Glaubensgruppen stimmten der Aussage zu, dass Homosexualität Privatsache sei. "Ein guter Ansatzpunkt", findet Lehrer Stein.

Jungen homofeindlicher

Auffällig ist, dass Jungen und Migranten etwa doppelt so homofeindlich sind wie Mädchen beziehungsweise "Ur-Deutsche".

Auch 91 Lehrerinnen und Lehrer wurden befragt. Knapp fünf Prozent der Pädagogen fanden Homosexualität unmoralisch, aber doppelt so viele nannten öffentliches Küssen ekelhaft.

Zu dem Projekt gehörten auch Erkundungen über Menschenrechte, religiöse Schwulendiskriminierung, Nazi-Schwulenverfolgung und homosexuelle Tiere. "Ausgelebt wird Homosexualität bei 1500 Tierarten", erfuhren die Jugendlichen.

Bei dem Bremer Projekt erfanden sie sogar ein Interview mit schwulen Pinguinen im Zoo von Bremerhaven. Eine der Pinguin-Antworten: "Diskriminierung kennen wir überhaupt nicht (...). Bei Euch Menschen gibt es so was? Ist das nicht eklig? Das ist doch völlig widernatürlich!"

Und - hat das Projekt etwas verändert? Ja, findet Berufsschullehrer Hans-Wolfram Stein. Homo-Küsse seien für viele Schüler zwar immer noch ekelhaft. Aber zumindest würden Schwule und Lesben nicht mehr angefeindet.

Und auch eklige Kekse seien nicht länger "schwul".

Autor:  ECKHARD STENGEL
Datum:  20 | 11 | 2008
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