"Was da im Augenblick passiert, ist ein Paradebeispiel für den Einfluss der Kooperationsgemeinschaft Mammographie", ärgert sich Christiane Kuhl. "Offenbar ist die Sorge groß, dass Medienberichte, die auch nur implizit den Stellenwert der Screening-Mammographie in Frage stellen, zu reduzierten Teilnahmeraten am Mammographie-Screening-Programm führen könnten." Dass die Münsteraner Forscher die Pressemitteilung auf Druck der Kooperationsgemeinschaft erstellt haben, bestreiten beide Seiten allerdings mit Nachdruck.
Wie auch immer der tatsächliche Ablauf gewesen sein mag: Festzuhalten bleibt, dass sich die zuweilen hitzige Diskussion allein auf Frauen mit einem erhöhten Krebsrisiko bezieht, bei denen die bildgebende Diagnostik mit dem 25. Lebensjahr beginnt. Darauf weisen auch die Münsteraner Forscher in ihrer Pressemitteilung noch einmal explizit hin. Für Frauen ab fünfzig hingegen sei die Röntgen-Mammographie erwiesenermaßen effektiv, von hohem diagnostischem Wert und leiste so einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Brustkrebssterblichkeit.
Da der Nutzen des Screening-Programms auch von Christiane Kuhl und ihren Mitstreitern nicht in Frage gestellt wird, sollten sich Frauen über fünfzig und ohne besonderes Brustkrebsrisiko von dem jetzigen Streit folglich nicht abhalten lassen, alle zwei Jahre zur Mammographie zu gehen.
Die Leidtragenden der Diskussion sind allerdings die Frauen mit einem erhöhten Risiko. Ob überhaupt und ab wann sie sich zusätzlich zur MRT einer jährlichen Mammographie unterziehen sollten, scheint aus wissenschaftlicher Sicht derzeit völlig unklar zu sein.
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