Über die Frage nach der besten Früherkennung für Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko ist unter Deutschlands Medizinern ein öffentlicher Streit ausgebrochen. In der Diskussion geht es insbesondere darum, ob Frauen unter vierzig, die sich einer jährlichen Magnetresonanztomographie (MRT) unterziehen, von einer zusätzlichen Mammographie profitieren - oder ob ihnen letztere im Gegenteil sogar schaden könnte.
Zu den Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko gehören all jene, in deren Familie es bereits Brustkrebserkrankungen gegeben hat. Als besonders gefährdet gelten Frauen, bei denen bestimmte Erbanlagen, das BCRA1- und das BCRA2-Gen, verändert sind. Derzeit sind für diese Frauen spätestens ab dem 30. Lebensjahr jährlich eine MRT, eine Mammographie und zwei Ultraschalluntersuchungen vorgesehen.
Die MRT, Magnetresonanztomographie oder auch Kernspintomographie genannt, ist ein modernes Verfahren, um innere Organe und Gewebe mithilfe von Magnetfeldern und Radiowellen abzubilden. Während einer MRT der Brust, die etwa eine halbe Stunde dauert und mitunter auch MR-Mammographie genannt wird, muss die betroffene Frau ruhig in einer relativ engen Röhre, dem Tomographen, liegen. Das Verfahren ist deswegen für Menschen mit Platzangst unangenehm, wird aber auch als ungefährlich angesehen.
Eine gewöhnliche Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung. Die Brust wird dabei vertikal zwischen zwei Plexiglasscheiben möglichst flach zusammengedrückt, was manche Frauen als schmerzhaft empfinden. Von jeder Brust werden in der Regel zwei Aufnahmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln erstellt. Die Untersuchung erfolgt meist im Stehen und dauert etwa zehn Minuten.
Kritiker der Mammographie befürchten unter anderem, dass die Untersuchung das Brutkrebsrisiko insbesondere junger Frauen wegen der verwendeten Röntgenstrahlen weiter erhöht. Denn erstens ist das Brustgewebe junger Frauen strahlungsempfindlicher, zweitens kommt bei ihnen im Laufe des Lebens eine höhere Strahlendosis zusammen. bro
Wie viele Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko leben, ist unklar. Man weiß nur, dass insgesamt in Deutschland jedes Jahr etwa 57.000 Frauen an dem Krebsleiden erkranken. Experten schätzen, dass fünf bis zehn Prozent der Tumore eine erbliche Ursache haben.
Um Frauen mit erblichem Brustkrebs ging es auch in der EVA-Studie, deren Ergebnisse Wissenschaftler der Universitätskliniken Bonn, Münster, Ulm und München vor zwei Wochen in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology vorgestellt haben (FR vom 2. März). Die Studie bescheinigte der MRT beim Aufspüren von Tumoren und Krebsvorstufen gegenüber der Mammographie eine deutlich höhere Trefferquote.
Die Erstautorin der Studie, Christiane Kuhl von der Radiologischen Klinik des Universitätsklinikums Bonn, forderte daraufhin, die Leitlinien zur Brustkrebs-Früherkennung bei Frauen mit einem erhöhten Krankheitsrisiko zu überdenken. Insbesondere junge Frauen hätten von der Mammographie keinen zusätzlichen Nutzen und setzten sich der Strahlenbelastung, die ihr Krebsrisiko weiter erhöhe, sehr wahrscheinlich völlig unnötig aus, argumentierte die Forscherin.
Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.
Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.
Neue Forschungsergebnisse in der Medizin, der Blick in das Innere des Menschen - mehr zu lesen im FR-Spezial Medizin.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.
Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.