kalaydo.de Anzeigen

Brustkrebs-Vorsorge: Studie stellt Mammographie in Frage

Über die Frage nach der besten Früherkennung für Frauen ist unter Deutschlands Medizinern ein öffentlicher Streit ausgebrochen. Profitieren Frauen mit erhöhtem Risiko von einer zusätzlichen Röntgenuntersuchung? Von Anke Brodmerkel

Hilft das Mammographie-Screening oder schadet es den Frauen?
Hilft das Mammographie-Screening oder schadet es den Frauen?
Foto: dpa

Über die Frage nach der besten Früherkennung für Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko ist unter Deutschlands Medizinern ein öffentlicher Streit ausgebrochen. In der Diskussion geht es insbesondere darum, ob Frauen unter vierzig, die sich einer jährlichen Magnetresonanztomographie (MRT) unterziehen, von einer zusätzlichen Mammographie profitieren - oder ob ihnen letztere im Gegenteil sogar schaden könnte.

Zu den Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko gehören all jene, in deren Familie es bereits Brustkrebserkrankungen gegeben hat. Als besonders gefährdet gelten Frauen, bei denen bestimmte Erbanlagen, das BCRA1- und das BCRA2-Gen, verändert sind. Derzeit sind für diese Frauen spätestens ab dem 30. Lebensjahr jährlich eine MRT, eine Mammographie und zwei Ultraschalluntersuchungen vorgesehen.

Der doppelte Blick in die Brust

Die MRT, Magnetresonanztomographie oder auch Kernspintomographie genannt, ist ein modernes Verfahren, um innere Organe und Gewebe mithilfe von Magnetfeldern und Radiowellen abzubilden. Während einer MRT der Brust, die etwa eine halbe Stunde dauert und mitunter auch MR-Mammographie genannt wird, muss die betroffene Frau ruhig in einer relativ engen Röhre, dem Tomographen, liegen. Das Verfahren ist deswegen für Menschen mit Platzangst unangenehm, wird aber auch als ungefährlich angesehen.

Eine gewöhnliche Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung. Die Brust wird dabei vertikal zwischen zwei Plexiglasscheiben möglichst flach zusammengedrückt, was manche Frauen als schmerzhaft empfinden. Von jeder Brust werden in der Regel zwei Aufnahmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln erstellt. Die Untersuchung erfolgt meist im Stehen und dauert etwa zehn Minuten.

Kritiker der Mammographie befürchten unter anderem, dass die Untersuchung das Brutkrebsrisiko insbesondere junger Frauen wegen der verwendeten Röntgenstrahlen weiter erhöht. Denn erstens ist das Brustgewebe junger Frauen strahlungsempfindlicher, zweitens kommt bei ihnen im Laufe des Lebens eine höhere Strahlendosis zusammen. bro

Für Frauen ab fünfzig ist das Mammographie-Programm  effektiv, sagen die Mediziner.
Für Frauen ab fünfzig ist das Mammographie-Programm effektiv, sagen die Mediziner.
Foto: ps-media

Wie viele Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko leben, ist unklar. Man weiß nur, dass insgesamt in Deutschland jedes Jahr etwa 57.000 Frauen an dem Krebsleiden erkranken. Experten schätzen, dass fünf bis zehn Prozent der Tumore eine erbliche Ursache haben.

Um Frauen mit erblichem Brustkrebs ging es auch in der EVA-Studie, deren Ergebnisse Wissenschaftler der Universitätskliniken Bonn, Münster, Ulm und München vor zwei Wochen in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology vorgestellt haben (FR vom 2. März). Die Studie bescheinigte der MRT beim Aufspüren von Tumoren und Krebsvorstufen gegenüber der Mammographie eine deutlich höhere Trefferquote.

Die Erstautorin der Studie, Christiane Kuhl von der Radiologischen Klinik des Universitätsklinikums Bonn, forderte daraufhin, die Leitlinien zur Brustkrebs-Früherkennung bei Frauen mit einem erhöhten Krankheitsrisiko zu überdenken. Insbesondere junge Frauen hätten von der Mammographie keinen zusätzlichen Nutzen und setzten sich der Strahlenbelastung, die ihr Krebsrisiko weiter erhöhe, sehr wahrscheinlich völlig unnötig aus, argumentierte die Forscherin.

1 von 3
Nächste Seite »
Autor:  Anke Brodmerkel
Datum:  11 | 3 | 2010
Seiten:  1 2 3
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung


Quiz

Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.

Aurora Borealis

Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Anzeige

Videos
Spezial
www.museocereanatomiche.it

Neue Forschungsergebnisse in der Medizin, der Blick in das Innere des Menschen - mehr zu lesen im FR-Spezial Medizin.

Rückblick auf 50 Jahre
Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin in seinem Raumanzug bei Übungen zum ersten bemannten Weltraumflug. Gagarin umkreiste am 12. April 1961 in der Raumkapsel Wostok als erster Mensch die Erde.

Zum fünfzigsten Jahrestag des ersten Starts der Menschheit ins Weltall hat die russische Raumfahrtagentur ein Video veröffentlicht.

Anzeige

Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.

Spezial
Blick in die Magellanwolke

Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.

Spezial

Vor vierzig Jahren brachen mutige Männer auf, um einen Menschheitstraum zu erfüllen - die Landung auf dem Mond.

Umfrage: Sind Feedback-Fahrten für Fahranfänger sinnvoll?

Die Koalition plant offenbar, nach österreichischem Vorbild sogenannte Feedback-Fahrten für Führerscheinneulinge einzuführen. Die müssen drei Monate nach ihrer Prüfung erneut Fahrstunden nehmen. Gute Idee - oder Unsinn?

Meistgeklickt
Auch Bettina Wulff wirkt müder als sonst - hier besichtigt sie Leonardo da Vincis
Bundespräsident Wulff in Italien 
Wütend nach dem Eintracht-Spiel in Düsseldorf: Heribert Bruchhagen.
Eintracht-Boss hadert mit Schiedsrichter und Schauspieler 
Bayer Leverkusen Boss Holzhäuser 
Diskussionen: Bamba Anderson redet auf Schiedsrichter-Assistent Jan Hendrik Salver ein.
Fußball-Kolumne Ballhorn (IV) 
Spezial

Sie sollte das Studium vereinfachen, das Hochschulwesen europaweit vereinheitlichen. Die Kritik an der Bologna-Reform lässt nicht nach.

Spezial
Test auf Strahlenspuren.

Live-Ticker, Bilder, Videos und Grafiken, Hintergründe, Spendenadressen und vieles mehr im Spezial zur Katastrophe in Japan.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!