Um 10.28 Uhr brach Jubel im Kontrollzentrum bei Genf aus. "Das ist ein historischer Moment", strahlte der designierte Cern-Generaldirektor, der Deutsche Rolf-Dieter Heuer. "Ich bin schlichtweg begeistert."
Nach Jahren intensiver Vorbereitung starteten die Physiker am europäischen Labor für Teilchenphysik (Cern) die größte Forschungsmaschine der Welt: Ein Strahl aus Protonen (Wasserstoffkernen) machte am Mittwoch eine erste Runde in dem 27 Kilometer langen Teilchenbeschleuniger, dem Large Hadron Collider (LHC). Rund 100 Meter unter dem schweizerisch-französischen Grenzgebiet zeigte der Wundertunnel erstmals sein Können.
Reportage: Die Physiker wollen in Genf das Geheimnis des Urknalls ergründen. Manche Forscher befürchten, dass dabei winzig kleine Schwarze Löcher entstehen. Kleine Schwerkraftmonster, die die Erde verschlingen. Die Alarmrufe der Skeptiker haben weltweit Beachtung gefunden. Das Cern-Experiment - eine Reportage von Karl-Heinz Karisch.
Interaktive Grafik: Der Teilchenbeschleuniger
Über der Erde warteten Hunderte Journalisten aus aller Welt. Robert Aymar, der sichtlich ergriffene amtierende Generaldirektor des Cern, sagte: "Uns bewegen heute zweierlei Gefühle, die Freude, dass wir ein großes Ziel erreicht haben und die Hoffnung auf große Entdeckungen, die vor uns liegen."
Dirigiert wird die Jagd nach neuen Erkenntnissen von Lyn Evans. Der LHC-Projektleiter trug auch am ersten großen Tag wie üblich Turnschuhe und Jeans. Einem freundlichen Physiklehrer gleich kommentierte Evans im Kontrollzentrum die einzelnen Schritte des Experiments. Doch innerlich fieberte wohl niemand so stark wie er. "Wow", brach es aus Evans heraus, als sich der erste Impuls auf dem Bildschirm zeigte. "Wir haben einen Strahl im Beschleuniger. Danke, Danke an alle."
Den nächsten Freudentaumel wollen die Physiker in einigen Wochen auslösen. Am 21. Oktober sollen die ersten Protonenpakete mit Lichtgeschwindigkeit zusammenprallen.
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