Widersprüchliche Angaben zu Mitgliederzahlen, zwei Vorstandsmitglieder, die ihren Rücktritt erklärt haben und eine Finanzkrise im eigenen Haus: Der studentische Dachverband FZS (Freier Zusammenschluss von StudentInnenschaften) steht vor einem Scherbenhaufen.
Der Zusammenschluss vertritt nicht eine Million, wie er auf seiner Internetseite immer noch behauptet, sondern nur rund 800 000 Studenten und damit weniger als die Hälfte aller Studierenden in Deutschland. Die schwindende Mitgliederzahl sei aber nur einer von vielen Gründen, warum der Verband jetzt in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist, so Vorstandsmitglied Thomas Honesz zur FR. Er spricht von einer "Fehlkalkulation im Haushalt". Bianka Hilfrich, seine Mitstreiterin im Vorstand und dort zuständig für Finanzen, drückt es etwas wolkiger aus: "Die erhofften Prognosen sind nicht eingetreten."
Als erste Maßnahme wurden gerade fünf, vor nicht allzu langer Zeit geschaffene Referentenstellen (alle auf 400-Euro-Basis) vorläufig gestrichen. Ferner kam jüngst der Ausschuss für Finanzen zusammen, um den Haushaltsplan zu korrigieren. Um wie viel, dazu wollen sich weder Hilfrich noch Honesz konkret äußern. Nur so viel: Es muss sich mindestens um einen fünfstelligen Betrag handeln. Allein das Bundesbildungsministerium (BMBF) verlangt laut Hilfrich 40 000 Euro vom Verband zurück. Das sei Fördergeld, das zwischen 1998 und 2008 für Veranstaltungen ausgegeben wurde, für die das BMBF aber die Belege nicht akzeptiert. Für den FZS kommt die Rückzahlungsforderung aus Berlin zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Der klamme Studentenverband muss die Summe nun in Raten begleichen.
Dabei hatte der FZS, um Geld in die Kassen zu spülen, erst vor knapp einem Dreivierteljahr eine Erhöhung seines Beitrages beschlossen. Mitgliedshochschulen sollten statt bis dato 50 Cent pro Student bis zu einem Euro einzahlen - Geld, dass nur in Strukturen fließe, lautete die Kritik.
Die beiden großen Universitäten Jena und Münster traten sogar aus dem Verband aus. Dennoch behauptete man damals am FZS-Sitz in Berlin, die Interessenvertretung weiterhin für eine Million Studierende in Deutschland zu sein. Tatsächlich müssen es schon zu diesem Zeitpunkt deutlich weniger gewesen sein. Denn bereits 2007 hatten mehrere hessische Hochschulen und die TU Chemnitz den Dachverband verlassen.
Falsche Mitgliederzahlen
Statt einzulenken, installierte der FZS fünf Referentenstellen zu den Themen Bologna-Prozess, Lehrerbildung, Sozialpolitik, Hochschulfinanzierung und -struktur, Antifaschismus und Antirassismus sowie für Frauen- und Geschlechterpolitik. Bei den Mitgliedsbeitrag entschied sich der Verband für das Haushaltsjahr 2008/2009 für einen Kompromiss. Das Motto: Jeder so viel, wie er kann - allerdings mindestens 60 Cent.
"Viele haben sich für den geringeren Beitrag entschieden. Damit haben wir nicht gerechnet", so Honesz. Hinzukommt, dass die Hochschulen aus Bayern und Baden-Württemberg keinen einzigen Cent zahlen, weil es dort von Gesetz wegen keine Verfasste Studierendenschaft gibt und sie daher auch keine Mittel zur Verfügung haben. Unter den Mitgliedern im FZS sind aber gerade sie stark vertreten.
Thomas Honesz beispielsweise studiert in München. Aber auch er hat sich vom FZS abgewendet. Er hat den Vorstand des Zusammenschlusses verlassen - sieben Monate bevor seine Amtszeit endete. Bianka Hilfrich tut es ihm in diesem Monat nach. Beide geben an, es habe nichts mit der angespannten Lage zu tun.
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