In der Kreuzberger Wartenburgstraße versucht der Berliner Caritasverband eine niederschwelligere Anlaufstelle für Computerspielsüchtige zu bieten. Im Café Beispiellos sammelten sich "Heerscharen junger Männer, die es kaum noch ohne Computerspiele aushalten", sagt Bilke. Üblicherweise seien die Gilden in der "World of Warcraft" klar definierte Männer-Gemeinschaften, ein archaisches Modell brüderlichen Kampfes. Werte wie Zuverlässigkeit und Loyalität spielen eine große Rolle in den Gilden, zumindest wenn es darum geht, abends pünktlich vor dem Rechner zu sein.
Für die Münchener Familie Hirte ist das alles längst passé. Das Ehepaar hat das Internetforum rollenspielsucht.de gegründet, nachdem der Sohn sich erst nicht mehr daheim gemeldet und dann das Studium geschmissen hatte, weil die "World of Warcraft" wichtiger war.
Auf den Seiten der Familie finden sich unzählige Erfahrungsberichte von Spielern wie Angehörigen, vor allem Eltern machen dabei oftmals die Spieleindustrie verantwortlich für die Sucht ihrer Söhne. Herstellern wie "Blizzard" taugen in ihrer mystifizierenden Zurückhaltung zum Feindbild, auch weil Branchenumsätze von jährlich 40 Milliarden Euro inzwischen die Erlöse sämtlicher Hollywood-Studios übertreffen. Und die Industrie strebt nicht weniger an als eine Verdopplung dieser Zahl. Die nächste Erweiterung der "World of Warcraft" hat "Blizzard" gerade angekündigt.
Zumindest auf eine Kennzeichnung und Altersbeschränkung der suchtgefährdenden Spiele setzt Psychologe Wölfling. Gegen Persönlichkeitsstörungen, die von der Spielsucht nur überdeckt würden, subklinische Prädispositionen, wie Wölfling sagt, sei damit zwar nichts auszurichten. "Aber es kann helfen, dass nicht schon Zwölfjährige damit anfangen."
Im ersten Stock der Computerspielsucht-Ambulanz, den hellen und hohen Räumen im Mainzer Universitätsklinikum, sind es vor allem die ganz jungen Spieler, die sich ernsthaft für kommende Computerspiel-Profis halten. Die von großen Kämpfen gegen asiatische Spielestars träumen, von Weltmeisterschaften, die meinen, dafür eben viel trainieren zu müssen, wie Fußballspieler auch.
Und die es dann nicht weiter bedenklich fänden, sagt Wölfling, "wenn sie am Computer eben mal in eine Flasche pinkeln".
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