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Tempelschatz gefunden: Das Erbe der Maharadschas

Richter als Schatzsucher: Goldene Schleier, goldene Kette, unermesslicher Reichtum - im indischen Bundesstaat Kerala hinterließen die Maharadschas von Tavancore vermutlich den größtes Schatz der Welt. Schon jetzt wurde Erstaunliches gefunden.

Sri Padmanabhaswamy Tempel in Trivandrum.
Sri Padmanabhaswamy Tempel in Trivandrum.
Foto: dapd
Bangkok –  

Zehn Tage dauert die Schatzsuche in den Gewölben des reich verschnörkelten Sri Padmanabhaswamy Tempel nun schon. Dort, mitten in Trivandrum, der Hauptstadt des südindischen Bundesstaats Kerala wurde bislang ein lang schlummernder Schatz, der auf 22 Milliarden US-Dollar geschätzt wird gefunden. Doch nun sind die Schatzsucher, sieben vom Obersten Gerichtshof bestallte Richter im Ruhestand auf ein unüberwindliches Hindernis gestoßen. Am Montag scheiterten sie bei der weiteren Suche an einer profanen alten Eisentür, die vor laut den Analen vor genau 136 Jahren zum letzten geöffnet wurde.

"Wir brauchen etwas Sachverstand", begründete einer der Richter die vorläufige Unterbrechung der Schatzsuche im Tempel. Wahrscheinlich wären unzählige Tresorknacker des Landes sofort bereit, helfend einzuspringen. Aber erst einmal haben die Behörden des Bundesstaats in aller Eile ein paar Dutzend Polizisten zu dem Tempel geschickt. Denn die Reichtümer, die völlig unerwartet hinter verschlossenen Türen gefunden wurden, übertreffen alle Schätze in anderen Tempel Indiens. Wenn sich die Vermutung bestätigt, dass die Maharadschas von Travancore hinter der Eisentür weitere Edelsteine und Säcke voller gestapelt haben, wird es bald wahrscheinlich der größte Schatz werden, der jemals gefunden wurde.

Was die richterlichen Schatzsucher bislang entdeckten, sprengt ohnehin schon die Vorstellungskraft. Ein goldener Schleier (36 Kilo reines Gold), eine drei Meter lange Goldkette (10,5 Kilogramm) und ein sage und schreibe 500 Kilogramm schwerer Goldschaft gehören zu den bemerkenswertesten Gegenständen, die in bislang den Tempelkammern entdeckt wurden.

Sie wurden von einstigen Herrschern von Travancore im Tempel aufbewahrt, weil sie sich als Diener Vishnus fühlten, dem der Bau aus dem 16. Jahrhundert gewidmet ist. Nach der Unabhängigkeit wurde das Fürstentum der Maharadschas aufgelöst und ging in den Bundesstaat Kerala über. Der Tempel gehört seither zu einer Stiftung, die von Nachkommen der Maharadschas mehr schlecht als recht verwaltet wird.

Impressionen aus Kerala

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Jedenfalls war die Unzufriedenheit in Kerala über die Manager des Tempels so groß, dass ein lokaler Rechtsanwalt die Verwalter wegen schlechter Amtsführung verklagte. Denn die Manager hatten behauptet, es stehe so schlecht um den Tempel, dass Finanzspritzen des Staats nötig seien. Der Oberste Gerichtshof beschloss schließlich, ein Komitee mit ein paar ehemalige Richtern zu ernennen, das dem Streit auf den Grund gehen sollten.

Die Schlichtung solcher Auseinandersetzungen ist in Indien häufig ein schier aussichtsloses Unterfangen. Aber die Mitglieder des Ausschusses hätten sich nicht träumen lassen, tatsächlich auf die Reichtümer zu stoßen, über die sich die Bewohner von Trivandrum seit Jahrzehnten ziemlich unwahrscheinlich klingende Märchen erzählten.

Nun erweist sich dank der sprichwörtlichen Säcke voller Gold, darunter Goldmünzen aus der Zeit Napoleons, wie schlecht der Tempel tatsächlich verwaltet wurde. Doch die Geldmisere ist dank des Goldschatzes alles andere als beendet. Denn noch während die Richter im Ruhestand sich mühten, ein Inventar der Reichtümer aufzusetzen, brach vor den Toren des Tempels schon ein neuer Streit aus.

Diesmal geht es um die Frage, was mit dem Schatz geschehen soll. Die Kommunisten des Bundesstaats verlangen, die Kammern zu räumen und die gefunden Preziosen in einem Museum zur Schau zu stellen. Die Regierung von Kerala beharrt erst einmal darauf, dass der Schatz zum Tempel gehört und dort bleibt. Die Nachkommen des Maharadschas könnten den Schatz gut gebrauchen, um wie ihre Vorfahren in Saus und Braus zu leben.

Doch gleich wie die Diskussionen, darf man gespannt sein, was aus dem im Tempel wird. Denn wenn die kostbaren Überbleibsel aus vergangenen Jahrhundert und verschwenderischer Schwelgerei nicht mit hochmodernen Sicherheitsvorkehrungen geschützt werden, kommen vielleicht nicht nur Tresorknacker auf die Idee, einen Teil des Reichtums zu stibitzen.

Autor:  Willi Germund
Datum:  5 | 7 | 2011
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