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Daten zu Uni-Zugang: Sozial Schwache bleiben vor der Tür

An Hochschulen und Universitäten bleiben Akademikerkinder weitgehend unter sich. Der Zusammenhang zwischen Herkunft und Chance auf akademische Karriere ist laut Studentenwerk erschreckend. Von Jeannette Goddar

Es bleibt dabei: An Hochschulen und Universitäten bleiben Akademikerkinder weitgehend unter sich. 59 Prozent der Studierenden stammen aus Elternhäusern mit "hohem" oder "gehobenem" Sozialstatus. Nur jeder vierte (26 Prozent) Studierende ist "mittlerer" Herkunft; weniger als jeder sechste (15 Prozent) aus einer sozial schlecht gestellten Familie. So steht es in der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Der Zusammenhang zwischen Herkunft und der Chance auf eine akademische Karriere bleibe "erschreckend stabil," kommentierte Studentenwerks-Präsident Rolf Dobischat die im Sommer 2009 erhobenen Erkenntnisse.

Wie jedes statistische Werk kann man aber auch die vom Hannoveraner Hochschul-Informations-System (HIS) erstellte Erhebung sehr unterschiedlich lesen. Ganz anders als das Studentenwerk wollte das Bildungsministerium den Bericht interpretieren: nämlich als Beleg für eine "bemerkenswerte Öffnung der Hochschulen für Bildungsaufsteiger", wie Staatssekretär Thomas Rachel erklärte.

Tatsächlich sind sich die zur Verdeutlichung von sozialer Selektion gern benutzten "Bildungstrichter" - die darstellen, wie viele von hundert Kindern welcher Herkunftsgruppe an die Universitäten kommen - ähnlicher geworden. Allerdings liegt das bei genauem Besehen nicht daran, dass es Arbeiterkinder massenhaft an die Uni drängt - sondern daran, dass Akademikerkinder ihr immer häufiger fernbleiben.

"Soziale Öffnung nötig"

Nahmen 2005 noch 83 Prozent des Nachwuchses aus studierten Familien eine akademische Laufbahn in Angriff, waren es 2007 nur noch 71. Der Anteil der studierenden Nicht-Akademiker-Kinder stieg in derselben Zeit lediglich von 23 auf 24 Prozent.

Die Bundesregierung müsse "alle Hebel in Bewegung setzen, um die Hochschulen sozial zu öffnen", forderte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Dazu gehöre eine Bafög-Erhöhung um mindestens zehn Prozent - finanziert durch den Verzicht auf das eben beschlossene nationale Stipendienprogramm.

Statistisch hat jeder Studierende 812 Euro im Monat zur Verfügung. 87 Prozent werden finanziell von ihren Eltern unterstützt. 65 Prozent arbeiten nebenher - das sind, trotz der arbeitsintensiven Bachelor- und Master-Studiengänge fünf Prozent mehr als drei Jahre vorher.

Außerdem jobben Studierende an Fachhochschulen, die häufiger aus weniger gut gestellten Familien kommen, 15 Stunden pro Woche; die übrigen 13,5. Bachelor-Studium und Job führen zusammen zu einer durchschnittlichen 43-Stunden-Woche; der Aufwand ist groß, aber längst nicht allen zu groß. Mit 19 Prozent sagt weniger als jeder fünfte angehende Bachelor, die Arbeitsbelastung im Semester sei zu hoch.

Keine Gebührenflucht

Die wohl überraschendste Erkenntnis der ersten Sozialerhebung seit der Einführung von Studiengebühren lautet: Das Bezahl-Studium in sechs unionsregierten Ländern hat kaum Einfluss auf die Wahl der Hochschule. Nicht einmal jeder sechste (14 Prozent) verlässt ein Bundesland, in dem Gebühren erhoben werden. Das sind auch nicht mehr als vorher.

Studentenwerks-Präsident Dobischat plädierte für eine differenziertere Betrachtung: Gerade sozial schwächere Studierende minimierten Kosten dadurch, dass sie bei ihren Eltern wohnen blieben. "Die, die von den Gebühren am meisten betroffen sind," so Dobischat, "können gar nicht fliehen." 59 Prozent der Studierenden sagen, dass ihre Eltern ihre Gebühren zahlen; 30 Prozent müssen sie ganz oder teilweise verdienen. Nur elf Prozent nehmen zu ihrer Finanzierung die von den Gebühren-Ländern eigens dafür geschaffenen Kredite in Anspruch.

Die Sozialerhebung findet alle drei Jahre statt. Sie ist die umfassendste Analyse der sozialen Lage von Studierenden in Deutschland. Für die aktuelle befragte das HIS im Sommer 2009 mehr als 16000 Studierende.

Autor:  Jeannette Goddar
Datum:  24 | 4 | 2010
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