Köln. Der Fall von rund 100 Professoren aus ganz Deutschland, die unter Korruptionsverdacht stehen, hat eine Diskussion über die Promotionsregeln in Gang gesetzt. Der Deutsche Hochschulverband forderte eine Verschärfung. Sinnvoll sei eine eidesstattliche Versicherung, dass die Promotion ohne unerlaubte Hilfe entstanden sei, sagte Geschäftsführer Michael Hartner dem Sender MDR Sputnik.
Die Professoren sollen vom Institut für Wissenschaftsberatung aus Bergisch Gladbach Geld dafür bekommen haben, dass sie möglicherweise ungeeignete Kandidaten als Doktoranden angenommen haben. Der Wissenschaft entstünde großer Schaden, wenn sich das bestätige, sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU).
Der Wirtschaftswissenschaftler Manuel Theisen glaubt, dass es viel mehr Fälle gibt als die jetzt bekannt gewordenen. Er schätzt, dass pro Jahr rund 600 Promotionen unrechtmäßig erworben werden. Das wären zwei Prozent aller Doktorarbeiten. "Und das ist eine vorsichtige Schätzung", sagte er dem Kölner Stadtanzeiger.
Die Zahl der Plagiate habe "deutlich zugenommen", sagte Ulrike Beisiegel, Vorsitzende der wissenschaftlichen Kommission beim Wissenschaftsrat und Sprecherin des Ombudsmanngremiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft,der FR. Zunehmend würden wissenschaftliche Arbeiten "auf die schnelle Tour" eingereicht. Für die Doktorarbeit werde dann etwa die Diplomarbeit umgeschrieben. (FR/dpa)
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