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Deutsche Schule in Helsinki: Am Malminkatu soll keiner zurück bleiben

Mitten im Zentrum der finnischen Hauptstadt steht die "Deutsche Schule" - und das seit 127 Jahren. 513 Schüler besuchen die Schule derzeit. Weitere 34 Kinder werden im angeschlossenen Kindergarten und in der Vorschule betreut.

Äußerlich ist sie unscheinbar. Über dem Eingang am Malminkatu 14 weist nur der schnörkellose Schriftzug "Deutsche Schule" auf eine Einrichtung hin, die hier seit 127 Jahren existiert - mitten im Zentrum der finnischen Hauptstadt. In der Eingangshalle hängt ein großer Flachbildschirm. Er zeigt die Vertretungsstunden und -lehrer an. Ausfälle im Stundenplan sind selten.

513 Schüler besuchen die DSH, die Deutsche Schule Helsinki derzeit. Weitere 34 Kinder werden im angeschlossenen Kindergarten und in der Vorschule betreut. Das Abitur oder die Reifeprüfung, wie es hier heißt, absolvieren die Schüler nach zwölf Schuljahren, was dem deutschen G-8-System entspricht.

"Wir sind eine deutsche Schule und man würde vielleicht erwarten, dass die meisten Schüler deutsche Schülerinnen und Schüler sind", sagt Schulleiter Wolfgang Weber, "aber das ist nicht so". Nur etwa zehn Prozent der Schüler haben einen ausschließlich deutschen Hintergrund. Zwei Drittel sind Finnen, der Rest stammt aus binationalen Beziehungen oder hat Eltern anderer Herkunft. 14 verschiedene Nationalitäten sind hier versammelt.

Während es an anderen finnischen Schulen mit dem Interesse an der deutschen Sprache in den vergangenen Jahren rapide bergab ging, hat die DSH regen Zulauf. Sie ist eine Privatschule mit deutschen und finnischen Lehrern, wird aber weitgehend vom finnischen Staat finanziert und hat auch größtenteils dessen Bildungssystem übernommen. Rund 340 Euro pro Halbjahr zahlen die Eltern hier, ein Mini-Beitrag, gemessen an ähnlichen Einrichtungen in anderen Ländern.

In Finnland und somit auch an der DSH gibt es kein dreigeteiltes Schulsystem. Von der ersten Klasse bis zur neunten bleiben die Schüler zusammen. Außerdem ist die Schule - wie alle anderen im Land - ein Ganztagsbetrieb. Unterricht findet bis nachmittags um halb vier statt. Betreuung, vor allem für die Kleinen, ist bis 17 Uhr gesichert. Das ist vor allem für Familien wichtig, in denen beide Eltern berufstätig sind. Und das sind die meisten in Finnland.

Um halb zwölf drängen sich die Schüler in der hauseigenen Mensa. Das Essen ist einfach und gut, abwechslungsreich und vor allem gratis - nicht nur an der DSH, sondern in allen Schulen Finnlands.

"Keiner soll zurückbleiben", so lautet das über allem stehende Prinzip, das zwar nirgendwo aufgeschrieben wurde, aber durch das weitreichende Vorsorgenetz schnell augenfällig wird. Dazu gehört zum Beispiel eine obligatorische Gesundheitsberaterin in jeder Schule. An der DSH ist es die 58-jährige Hanna Paasikari, Krankenschwester mit Zusatzausbildung und großer mütterlicher Ausstrahlung. Sie führt mit jedem Kind regelmäßig Gespräche: Was die Kinder essen, wie sie schlafen, welche Hobbys sie haben und wie es zu Hause steht, all das ist Thema. Und weil Hanna Paasikari schon im frühen Kindesalter mit den Gesprächen beginnt, erzählen ihr die Schüler auch später, wo sie der Schuh drückt. Jede Woche trifft sich ein Team aus Schulleitung, Gesundheitsfürsorgerin, zwei Sonderpädagoginnen und einer Sozialarbeiterin um über eventuelle Probleme bei einzelnen Schülern zu sprechen.

Kreativität und Gemeinschaftssinn spielen im Alltag der DSH eine große Rolle. Morgens vor Unterrichtsbeginn wird schon mal eine kleine Wilhelm-Busch-Geschichte erzählt oder ein kurzes Theaterstück aufgeführt. Es gibt einen Raum für Schüler-Bands. Wer mag, kann nachmittags in den Musikunterricht gehen oder sich im Schulchor engagieren.

Nach Pisa kamen viele: Politiker, Lehrer und Journalisten. Sie wollten in der DSH erfahren, worin das Erfolgsgeheimnis der Finnen liegt. "Die Lehrer und Methoden sind es auf jeden Fall nicht", meint Deutschlehrer Frank Bloch. Nach dem, was er in anderen Schulen Finnlands kennen gelernt hat, sind die Unterschiede im Unterricht minimal. Aber natürlich könne man sich als Lehrer in Finnland viel besser auf den Unterricht konzentrieren. Gibt es Schwierigkeiten, stehen Zusatzkräfte bereit.

Und warum wollen viele Finnen ihr Kind auf die Schule der Deutschen schicken, deren Ruf durch Pisa doch gelitten haben muss? Frank Bloch glaubt: "Weil dies ein ausgesprochen lebendiges Haus ist. Hier gibt es wirklich so etwas wie eine Corporate Identity."

Das Gemeinschaftsgefühl heben alle Gesprächspartner hervor. Der 18-jährige Robert Wöllke hat gerade sein Abitur gemacht. "So richtig Stress mit den Lehrern hatte ich eigentlich nie", sagt er: "Hier herrscht einfach eine prima Atmosphäre."

Autor:  GÜNTHER BIRKENSTOCK
Datum:  5 | 9 | 2008
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