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Deutschland in der OECD-Bildungsstudie: Unter allem Durchschnitt

Das Geld ist knapp, Studenten und Akademiker rar - erneut bescheinigt die OECD Deutschland großen Nachholbedarf in Sachen Bildung. Schließlich sei ein Staat der Ungebildeten einfach nicht krisenfest.

Studenten sitzen in einem Hörsaal der Universität Kassel. Deutschland liegt mit seinem Bildungssystem trotz leichter Verbesserungen international weiter zurück.
Studenten sitzen in einem Hörsaal der Universität Kassel. Deutschland liegt mit seinem Bildungssystem trotz leichter Verbesserungen international weiter zurück.
Foto: dpa

Berlin. Deutschland hinkt in der Bildung international hinterher. Nach einer Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, gibt die Bundesrepublik noch immer deutlich weniger für Bildung aus als die meisten anderen Industriestaaten. Auch die Zahlen der Studienanfänger und der Hochschulabsolventen liegen klar unter dem OECD-Schnitt.

Lehrerverbände, Gewerkschaften und die Opposition reagierten mit heftiger Kritik auf die Ergebnisse. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) räumte ein, die Studie zeige, "welche Hausaufgaben noch zu leisten sind".

Während Spitzenreiter wie die USA, Korea und Dänemark einen Anteil von über sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in die Ausbildung investierten, erreichte Deutschland nach der Studie im Jahr 2006 lediglich einen Anteil von 4,8 Prozent. Unter den OECD-Ländern hätten lediglich Irland, Spanien, die Slowakei und die Türkei weniger für Bildung ausgegeben. Bei den Berechnungen wurden alle öffentlichen und privaten Bildungsausgaben zusammengefasst.

Auch die Zahlen der Studienanfänger und der Hochschulabsolventen sind in Deutschland unterdurchschnittlich. 2007 betrug der Anteil der Absolventen von Hochschulen und Fachhochschulen in Deutschland 23 Prozent eines Jahrgangs - im OECD-Mittel dagegen 39 Prozent. Die Quote der deutschen Studienbeginner lag im gleichen Jahr bei 34 Prozent, während die OECD-Staaten durchschnittlich einen Wert von 56 Prozent erreichten. 2008 legte die Studienanfängerquote in Deutschland allerdings auf 36 Prozent zu.

Die OECD-Direktorin für Bildung, Barbara Ischinger, betonte, eine bessere Ausbildung liefere viele Vorteile. Menschen mit Studienabschluss seien besser vor Arbeitslosigkeit geschützt, hätten klare Einkommensvorteile und seien im Schnitt politisch interessierter und gesünder. Von ihren Einkünften profitierten auch die öffentlichen Kassen. "Wenn Deutschland gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen will, dann ist jetzt der Zeitpunkt, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren", appellierte sie.

Schavan verwies auf die von Bund und Ländern vereinbarte "Zielmarke", die Bildungsausgaben bis 2015 auf sieben Prozent des BIP zu steigern. Dies sei eine "gute Antwort" auf die anstehenden Herausforderungen. Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Mecklenburg-Vorpommerns Ressortchef Henry Tesch (CDU), mahnte: "Die Anstrengungen in den nächsten Jahren sind gewaltig." Die jüngsten Bemühungen wie etwa die Verlängerung des Hochschulpaktes trügen aber bereits Früchte.

Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) sprach dagegen von "erheblichem Nachholbedarf". "Im Schneckentempo wird Deutschland mit den anderen Industrienationen nicht mithalten können", warnte sie.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund und das Deutsche Studentenwerk forderten Bund und Länder auf, die Zusagen zu den Bildungsausgaben einzulösen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) verlangte einen absoluten Mindestsockel für die deutschen Bildungsausgaben. Angesichts des schrumpfenden BIPs in der Krise könne man sich nicht auf prozentuale Ziele verlassen.

Die Opposition warf der großen Koalition Versagen in der Bildungspolitik vor. Der FDP-Bildungsexperte Patrick Meinhardt wertete die Ergebnisse als "Armutszeugnis" für die Bundesregierung.

Grünen-Chef Cem Özdemir hielt Union und SPD vor, die Bildungspolitik zu vernachlässigen. Die Linke-Politikerin Nele Hirsch kritisierte, die "halbherzigen Ziele" bei den Bildungsausgaben rückten "in weite Ferne". (dpa)

Datum:  8 | 9 | 2009
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