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17. März 2012

Dgnoseia: Traumhafte Anfrage

 Von Dr. med. Bernd Hontschik
Bernd Hontschik, Chirurg. 

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Das Telefon klingelt, ich hebe ab. Der Herr Gesundheitsminister ist dran, persönlich. „Herr Kolumnist“, sagt der Herr Gesundheitsminister, „jetzt lese ich schon lange Ihre Kolumnen. Da wollte ich Sie heute, in dieser besonderen Situation mal etwas fragen.“ Ich bin verblüfft: „Was ist so besonders an der Situation, Herr Gesundheitsminister?“ entgegne ich. „Ja, haben Sie denn nicht gehört, wir haben fast zwanzig Milliarden Euro zu viel, und jetzt streiten wir uns, was wir damit machen sollen. Sie sind doch Arzt, Sie kennen sich aus. Herr Kolumnist, was würden Sie raten?“ Sofort lege ich los: „Schaffen Sie endlich die unsägliche Praxisgebühr ab. Sie hält arme Menschen davon ab, rechtzeitig zum Arzt zu gehen. Das ist doch keine Praxisgebühr, das ist eine Krankheitsgebühr. Und wenn Sie schon dabei sind, Herr Gesundheitsminister, bitte schaffen Sie doch gleich alle Zuzahlungen ab. Zuzahlungen haben in einem solidarischen Gesundheitswesen nichts zu suchen. Nutzen Sie die günstige Lage, schwenken Sie endlich um!“

„Was heißt hier umschwenken?“

„Ja, umschwenken, total umschwenken, das heißt, dass Sie jetzt doch endlich aufhören könnten, die Kranken zu schröpfen, mit der Rezeptgebühr, mit der Zuzahlung für Hilfsmittel, für Physiotherapie, für jeden Tag Krankenhausaufenthalt. Umschwenken, das heißt, nicht mehr die Kranken zusätzlich zur Kasse zu bitten.“

Am anderen Ende ist es still: „Und wenn ich Sie schon mal am Apparat habe, Herr Gesundheitsminister, darf ich gleich noch zwei große Bitten hinterherschicken: Das Einfrieren der Arbeitgeberbeiträge war ein großer Fehler, machen Sie das bitte wieder rückgängig. Und dann wären da noch die Privatversicherungen, die der Solidargemeinschaft viel Geld vorenthalten, schaffen Sie die doch auch gleich ab!“

Plötzlich klingelt es wieder. Es ist aber gar kein Telefon, es ist mein Wecker. Ich reibe mir die Augen: alles war nur ein Traum. Ein schöner Traum. Schade! Beim Frühstück lese ich dann in der Zeitung: „Bahr will die Praxisgebühr abschaffen.“ Ich bin begeistert, es war also doch kein Traum? Aber dann weiter: Stattdessen überlege man, die Patienten an den Krankheitskosten prozentual zu beteiligen. Doch kein Umschwung. Ein Albtraum.

Der Autor gibt die Buchreihe medizinHuman bei Suhrkamp heraus.

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