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22. Februar 2012

Diät in der Fastenzeit: Abnehmen wie Gott in Frankreich

 Von Anne Brüning
Die ewige Qual mit den Kilos.  Foto: dpa

Überflüssige Pfunde loswerden kann jeder, sagen Ernährungsexperten. Die Kunst besteht eher darin, das niedrige Gewicht zu halten. Wir haben den Wegweiser durch den Diätendschungel für Sie.

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Die 23-jährige Brianna war fett. 150 Kilogramm. Da gibt es nichts zu beschönigen. Mit der Diät des französischen Mediziners Pierre Dukan hat sie gut 60 Kilogramm abgenommen, berichtet sie stolz auf der Internetseite von Dukan.

Erfolgsgeschichten mit der Diät gibt es en masse. Der Mediziner gibt an, fünf Millionen Franzosen seien mit seiner Diät ihre unerwünschten Pfunde losgeworden. Promis wie die Schauspielerin Jennifer Lopez haben dank Dukan ihre Kurven in Form gebracht. Eine Fangemeinde hat sich etabliert. Die Bücher des Franzosen verkaufen sich bestens.

In der jetzt beginnenden Fastenzeit ist der richtige Diätweg vermutlich besonders gefragt. Gut so: Schließlich ist jeder zweite Deutsche übergewichtig, jeder Fünfte so sehr, dass er als fettleibig gilt. Ist Doktor Dukan der Retter, der die Welt von der Übergewichtsepidemie befreit?

Mitnichten. Mit leisem Seufzen, aber geduldig, erläutern Ernährungswissenschaftler, dass einseitige Diäten immer kritisch zu sehen sind, dass es auf abwechslungsreiches Essen ankommt. Und dass nur abnimmt, wer auch Kalorien einspart.

Viel Eiweiß macht satt, aber womöglich krank

Die Dukan-Kost ist radikal, denn sie setzt auf extrem eiweißreiche Kost wie mageres Fleisch, Fisch und Eier. Am Anfang bestehen 60 bis 70 Prozent der Nahrung aus Eiweiß, später sinkt der Anteil etwas, weil mehr Gemüse, Salat und Obst erlaubt sind. Er liegt aber immer noch weit über den wissenschaftlich empfohlenen 10 bis 20 Prozent. „Die Diät mag schnell zu Abspeckerfolgen führen. Sie ist aber sehr einseitig und langfristig nicht zu empfehlen“, urteilt die Ernährungswissenschaftlerin Ursel Wahrburg von der Fachhochschule Münster. Sie vermisst Studien, die das Dukan-Konzept untermauern.

Die Idee Dukans sowie anderer Eiweiß-Diäten: Eiweiß sättigt besser als Kohlenhydrate, und es verbraucht mehr Energie, wenn der Körper es verarbeitet. Grundsätzlich stimmt das. Anders als Kohlenhydrate und Fett ist Eiweiß für den Körper nicht primär Energielieferant, sondern Baustoff. Und beim Aufbau von Körpergewebe oder Enzymen verbraucht der Körper zusätzliche Energie, Thermogenese genannt. Die Theorie geht aber trotzdem nicht ganz auf, sagt Ursel Wahrburg. „Sobald der Bedarf des Körpers an Eiweißbaustoffen gedeckt ist, wird überschüssiges Eiweiß zum normalen Brennstoff.“

Die Expertin ist darüber hinaus überzeugt, dass Extrem-Diäten à la Dukan nicht lange durchzuhalten sind. Der Eiweißschock könnte zu Verstopfung führen und ist für Menschen mit Vorerkrankungen, Diabetiker etwa, kritisch: „So viel Eiweiß belastet die Nieren. Körperlich Gesunde können das für ein paar Wochen oder Monate wegstecken, Menschen mit Vorerkrankungen womöglich nicht.“

Fett in der Leber

Der Ernährungsmediziner Andreas Pfeiffer von der Charité Berlin und dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke sieht das ähnlich. In der europaweiten Diogenes-Studie, an der sein Team beteiligt war, hat sich zwar herausgestellt, dass eiweißbetonte Kost zu größeren Abnehmerfolgen führt als kohlenhydratreiche. „Der Unterschied hält sich aber in Grenzen und macht im Endeffekt nur ein bis zwei Kilogramm aus“, sagt Pfeiffer.

In der 2011 veröffentlichten Nachfolgestudie Profimet hat er zudem festgestellt, dass bereits ein Eiweißanteil von 30 Prozent der Gesundheit schadet. Pfeiffer: „Die Probanden reagierten schlechter auf das Blutzucker senkende Hormon Insulin, wie es auch bei Diabetikern der Fall ist, und es sammelte sich mehr Fett in der Leber.

Ob Eiweißdiäten der richtige Weg zum Wunschgewicht sind, ist also sehr fraglich. Dennoch macht in der Diätsaison 2012 auch die eher besonnene Frauenzeitschrift Brigitte beim Eiweiß-Hype mit. Anfang des Jahres rief sie die Brigitte-Diätwende aus. Anstatt kalorienreduzierter Mischkost, verteilt auf drei Hauptmahlzeiten und zwei Snacks, wird nun alles strenger und anders.

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