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30. Oktober 2012

Diät und Ernährung: Eiweiß für die schlanke Linie

 Von Anne Brüning
Vieeeeeel Energie drin, viel zu viel. Kohlenhydratreiche Ernährung macht dick.  Foto: dapd

Es mehren sich die Hinweise darauf, dass die vielgepredigte kohlenhydratreiche Kost doch nicht das Gelbe vom Ei ist. Wer nicht zunehmen will, muss offenbar eher reichlich Protein zu sich nehmen. Welche Mechanismen dahinter stecken, zeigt jetzt ein Studie mit Mäusen

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Wer Angst davor hat, zu dick zu werden, sollte es vielleicht mal mit eiweißreicher Ernährung versuchen, statt sich mit Knäckebrot zu kasteien. Einige Experten propagieren schon seit einiger Zeit die Abkehr von der kohlenhydratbetonten Kost. Diätstudien mit Übergewichtigen haben zumindest gezeigt, dass ein hoher Eiweißanteil das Abnehmen und anschließende Gewichthalten erleichtert. Wie dieser Effekt zustande kommt, war bislang unklar. Eine Studie mit Mäusen zeigt nun, dass eiweißreiche Kost die Wasseraufnahme erhöht und der Fettneubildung in der Leber entgegenwirkt.

Susanne Klaus vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke haben Mäusen eine Woche lang vier verschiedene Futtermischungen gegeben. Alle vier waren fettreich mit einem Anteil von 43 Prozent. Eine Nagergruppe hatte dazu einen normalen Eiweißanteil von knapp 9 Prozent, eine zweite einen hohen Eiweißanteil von knapp 45 Prozent. Zwei weitere Gruppen erhielten 13 bis 14 Prozent Eiweiß mit einer besonderen Zusammensetzung: Sie waren reich an den Eiweißbausteinen Leucin oder Alanin.

Die Ernährungsforscher untersuchten den Körperfettgehalt und den Fettstoffwechsel der Tiere. Wie sie im Fachmagazin Amino Acids berichten, trat bereits fünf Stunden nach der Futterumstellung ein Effekt ein: Je mehr Eiweiß die Nager mit dem Futter aufnahmen, desto mehr tranken sie und desto weniger fraßen sie. Insgesamt nahmen die Tiere, die eiweißreiches Futter bekamen, trotz der sehr fettreichen Ernährung nicht zu und wiesen niedrigere Cholesterin- und Leberfettwerte auf als die Tiere, die Futter mit normalem Eiweißgehalt bekamen.

Langzeitstudien zum Eiweiß fehlen noch

Die Forscher vermuten, dass die erhöhte Wasseraufnahme der Grund für die sättigende Wirkung eiweißreichen Futters ist und durch die hohe Stickstoffaufnahme ausgelöst wird. Denn Eiweiß enthält besonders viel von dem Element Stickstoff. Er ist in den Eiweißbausteinen (Aminosäuren) enthalten und wird auch als Aminostickstoff bezeichnet. Das viele Trinken ist bei einer solchen Diät aber auch wichtig: Stickstoff muss mit dem Urin ausgeschieden werden, um eine Vergiftung des Körpers mit Ammoniak zu vermeiden.

Die Studie zeigte darüber hinaus, dass sich die Wirkung von Leucin-reicher Kost nicht von der Alanin-reicher Kost unterscheidet. In beiden Gruppen waren die günstigen Effekte weniger stark ausgeprägt als in der Gruppe mit noch eiweißreicherer Kost. Der Effekt von Leucin hatte das Team um Susanne Klaus interessiert, weil Leucin oft von Sportlern als Nahrungsergänzungsmittel zum Muskelaufbau eingenommen wird. Verschiedene Studien hatten vermuten lassen, dass es auch günstige Effekte auf das Körpergewicht hat. Offenbar ist die Aminosäure aber keine Wunderwaffe zur Vermeidung von Übergewicht.

„Unsere Ergebnisse tragen dazu bei, die Wirkung von Eiweißen und Eiweißbausteinen auf den lebenden Organismus besser zu verstehen. Eine wichtige Voraussetzung, um neue Methoden zu entwickeln, die Übergewicht und ernährungsbedingten Stoffwechselerkrankungen vorbeugen“, resümiert  Susanne Klaus. Weitere Langzeitstudien seien aber nötig, um die Ergebnisse zu ergänzen und zu bestätigen.

Zu klären ist vor allem, ob ein hoher Eiweißanteil auf Dauer gut für den Menschen ist. Die Diätstudie Profimet hat zum Beispiel gezeigt, dass bereits ein Eiweißanteil von 30 Prozent der schadet. Die Probanden reagierten schlechter auf das Blutzucker senkende Hormon Insulin, wie es auch bei Diabetikern der Fall ist, und es sammelte sich mehr Fett in der Leber.

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