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Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung

15. Januar 2013

Diagnose: Abzocke

 Von Dr. med.Bernd Hontschik
Dr. med.Bernd Hontschik.

Die Praxisgebühr ist abgeschafft - doch der Ärger um Geld in den Arztpraxen geht weiter. Immer wieder langen Ärzte für Behandlungen ohne eingehende Untersuchung ordentlich zu, wenn Patienten die Rechnungen privat zahlen.

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Was für ein wunderbarer Anfang mit diesem neuen Jahr! Eine Atmosphäre herrscht in meiner Praxis, die kannte ich gar nicht mehr, so ruhig, so friedlich. Seit acht Jahren war täglicher Ärger, manchmal auch lautstark, die Regel: Streitereien mit Patienten, die „zufällig kein Geld dabei“ oder samstags zehn Euro im Notdienst bezahlt hatten und nun nochmal zur Kasse gebeten werden mussten.

Vorbei. Die Praxisgebühr ist endlich abgeschafft!

Ein anderer Ärger um Geld geht aber weiter. Gestern war Frau Atasoy da, 51 Jahre alt, Reinigungskraft, seit einigen Monaten Schmerzen im linken Fuß. Sie habe viel Geld ausgegeben, um diese loszuwerden. Na ja, denke ich, bei was für Scharlatanen wird sie wohl gewesen sein, schließlich ist sie doch Versicherte bei einer gesetzlichen Krankenkasse.

„Wofür haben Sie viel Geld gebraucht?“, frage ich sie.

Sie holt die Rechnung eines Orthopäden über 64,41 Euro aus der Tasche, datiert vom 25. September 2012: Untersuchung und Beratung bei einer lebensverändernden Krankheit, Röntgen des Fußes und des Sprunggelenkes in zwei Ebenen. Immerhin hat er nur den einfachen Satz genommen, der Menschenfreund!

Dann die Rechnung eines anderen Orthopäden vom 26. Oktober 2012, der sich erlaubt, für eine „Schmerzbehandlung in Form von Infusionen“ 100 Euro zu berechnen. Und noch eine Rechnung und noch eine und noch eine.

Warum sie sich denn nicht als gesetzlich Versicherte ausgewiesen habe? Dann hätte sie einen Termin erst in drei Monaten bekommen. Wenn sie privat bezahle, könne sie gleich hierbleiben.

Es kommt aber noch schlimmer: Die Behandlung habe nichts geholfen, und wegen einer schweren Arthrose im Fuß müsse man sie noch am Knie operieren; was ich dazu meine, will sie wissen. Sie zeigt mir die Röntgenbilder: Weit und breit keine Arthrose. Und wieso eine OP am Knie?

Als ich die Patientin untersuche, wundert sie sich, das habe bislang keiner gemacht, sie sei gleich ins Röntgen, dann zum Kernspintomogramm geschickt worden. Wegen Zeichen einer peripheren Polyneuropathie, einer Nervenerkrankung, schicke ich sie zum Neurologen.

Wenn diese Geschichte ein Einzelfall wäre, wäre sie keine Kolumne wert. So etwas geschieht aber täglich, immer wieder. Es handelt sich schlicht um widerliche Abzocke mit miserabler Medizin.

Leute, Patientinnen und Patienten, nehmt solche Rechnungen, geht zu Eurer Krankenkasse und zur Kassenärztlichen Vereinigung und zeigt diese Ärzte an!

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