Am Mittwoch ist in Berlin der Arzneiverordnungs-Report vorgestellt worden, erstellt vom Wissenschaftlichen Institut der AOK. Es gibt ihn seit 1985. Jedes Jahr wird darin über eine Steigerung der Ausgaben für Medikamente berichtet. Daran hat man sich schon gewöhnt. Atemberaubend ist allerdings, dass die Krankenversicherungen in Deutschland nach wie vor gezwungen sind, für Arzneimittel Mondpreise bezahlen zu müssen.
Die gesetzlichen Krankenkassen haben im Jahr 2010 einhundertundachtzig Milliarden Euro für die medizinische Versorgung ihrer Versicherten ausgegeben; etwa ein Drittel davon für Krankenhauskosten (knapp sechzig Milliarden Euro), etwa ein Sechstel für die ambulante ärztliche Versorgung (dreiunddreißig Milliarden Euro), und ein weiteres Sechstel für Arzneimittel: zweiunddreißig Milliarden Euro.
Der Arzneiverordnungs-Report 2011 vergleicht die Preise der am häufigsten verordneten Arzneimittel mit denen in Großbritannien. Auf Platz eins findet man Adalimumab, das in der Rheumatologie eingesetzt wird. Der Apothekenverkaufspreis von sechs Fertigspritzen beträgt in Deutschland 4 393,24 Euro, in Großbritannien 2 408,02 Euro; Unterschied: 82,4 Prozent. Oder: Auf Platz neun steht das Psychopharmakon Olanzapin, Apothekenverkaufspreis für 70 Tabletten in Deutschland 507,87 Euro, in Großbritannien 247,20 Euro; Unterschied 105 Prozent.
Und so geht es munter weiter, Medikament für Medikament. Insgesamt kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass man in Deutschland mit den in Europa ansonsten üblichen Medikamentenpreisen mindestens acht Milliarden Euro einsparen könnte, das ist ein Viertel der Ausgaben für Medikamente. Nicht erklärt haben die Experten, wie man diesen Skandal beenden könnte. Wie wäre es damit: Als erste Maßnahme könnte man alle bezahlten Lobbyisten aus dem Gesundheitsministerium jagen.
Dann könnte man damit beginnen, Medikamente woanders einzukaufen, etwa in Großbritannien oder in Schweden. Mit einer Positivliste würde man außerdem unwirtschaftliche und unwirksame Medikamente von der Verordnung auf Kassenkosten ausschließen.
Und wenn das immer noch nicht genügt, würde ich ein nationales Gewinnspiel ausschreiben. Alle machen mit: Eine Million von den acht Milliarden für die beste Idee, um den Sumpf von Lobbyismus, Bestechung und Täuschung endlich trockenzulegen. Das Spiel heißt „Rette die Milliarden“.
Buchtipp: Markus Grill: Kranke Geschäfte – Wie die Pharmaindustrie uns manipuliert. Rowohlt, 16,90 Euro.
Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.
Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.
Neue Forschungsergebnisse in der Medizin, der Blick in das Innere des Menschen - mehr zu lesen im FR-Spezial Medizin.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.
Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.