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Diagnose: Herzbruch

Auch wenn es ungewöhnlich klingen mag: Herz und Knochen haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint. Von Dr. med. Johannes Weiß

Auch wenn es ungewöhnlich klingen mag: Herz und Knochen haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint. Wenn man schwedischen Wissenschaftlern glauben darf, gibt es eine genetische Verbindung zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem Knochenschwund, also der Osteoporose.

Was zunächst seltsam anmutet, ist allerdings gar nicht mehr so merkwürdig, wenn man sich einmal ein paar Fakten ansieht: So können beispielsweise Cholesterinsenker nicht nur Herzinfarkten, sondern auch der Osteoporose vorbeugen. Und bestimmte Medikamente, die gegen Osteoporose eingesetzt werden, scheinen umgekehrt auch vor Herzinfarkten zu schützen. Also wäre durchaus eine Verbindung denkbar.

Bereits vor drei Jahren hatten die selben Wissenschaftler herausgefunden, dass sich bei älteren Frauen das Risiko für Schenkelhalsbrüche verdoppelt, wenn sie an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Nun versuchten sie zu ermitteln, welchen Anteil daran die Gene haben, und welche Rolle der Lebensstil spielt.

Um solche Fragen zu beantworten, gibt es in der Wissenschaft ein bewährtes Mittel: Zwillinge. Die haben, je nachdem ob sie eineiig oder zweieiig sind, identische oder aber zumindest sehr ähnliche Erbanlagen. Den Lebensstil hinzugenommen, gibt das eine Reihe von Kombinationsmöglichkeiten. So lässt sich relativ gut herausfinden, welcher Faktor welchen Beitrag leistet.

Höheres Risiko für Knochenbrüche bei Herzmuskelschwäche

Im Falle der Knochenbrüche werteten die Forscher Daten von 31936 schwedischen Zwillingen aus, die zwischen 1914 und 1944 geboren worden waren. Ab deren 50. Geburtstag verfolgten sie den weiteren Lebensweg und ermittelten zum einen diejenigen, die sich im Laufe ihres Lebens eine Schenkelhalsfraktur zugezogen hatten, zum anderen diejenigen, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen litten.

In der Auswertung zeigte sich, dass das Risiko für die Knochenbrüche bei einer Herzmuskelschwäche 4,4-fach erhöht war und nach einem Schlaganfall sogar mehr als fünffach. Bestanden Gefäßverkalkungen der Beinarterien, im Volksmund auch Raucherbein genannt, war das Risiko mehr als dreimal, nach einem Herzinfarkt mehr als doppelt so hoch.

Interessanterweise hatten auch gesunde Zwillinge mit erkrankten Geschwisterzwillingen eine höhere Wahrscheinlichkeit, sich den Schenkelhals zu brechen: Litt ein Zwilling an einer Herzmuskelschwäche, war das Risiko für den gesunden Zwilling 3,7-mal so hoch, hatte er einen Schlaganfall gehabt, war es 2,3-mal so hoch. Die Erklärung, dass man nach einem Schlaganfall nicht mehr so sicher auf den Beinen ist und deshalb leichter stürzt, greift hier also nicht ganz.

Autor:  Dr. med. Johannes Weiß
Datum:  7 | 11 | 2009
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