kalaydo.de Anzeigen

Diagnose: Philipp Röslers Schweizer Käse

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler will das Solidarsystem durch ein privatwirtschaftliches ersetzen. Ein Blick über die Grenze in die Schweiz klärt über Risiken und Nebenwirkungen auf. Von Dr. med. B. Hontschik

Philipp Rösler will die privaten Krankenkassen stärken.
Philipp Rösler will die privaten Krankenkassen stärken.
Foto: dpa

Keiner kann behaupten, er hätte nichts gewusst: "Wir setzen auf Eigenverantwortung", und "Wettbewerb in der Krankenversicherung, im Bereich der Gesundheit heißt Wahlfreiheit für Patienten und Versicherte". Der da in zwei Sätzen im Deutschen Bundestag die Karten auf den Tisch gelegt hat, ist unser neuer Gesundheitsminister, den jeder so sympathisch findet.

Das bewährte, 126 Jahre alte Solidarsystem soll abgeschafft und durch ein privatwirtschaftliches ersetzt werden. Die Kopfpauschale ist das Ziel. Wenn der Minister jetzt im Badetuch vor seiner Sauna am See sitzen würde, käme sofort ein kleiner Mann angerannt, zupfte an seinem Handtuch und fragte ihn: "Wer hat das erfunden?", und dann müsste er antworten: "Die Schweizer!" Ein Blick über die Grenze informiert über die Risiken und Nebenwirkungen der Pläne unseres neuen Gesundheitsministers.

In der Schweiz besteht Versicherungspflicht. Seit 1996 stehen 94 private Versicherungen für die "Grundsicherung" zur Wahl. Jede Person, ob mit oder ohne Einkommen, ob alt oder jung, ob Mann, Frau oder Kind, zahlt eine Kopfpauschale ein. Diese beinhaltet eine obligatorische Selbstbeteiligung von 300 Franken, die man bei sinkendem Beitrag auf bis zu 2500 Franken bei Erwachsenen, bis zu 600 Franken bei Kindern erhöhen kann.

"Wahlfreiheit für Patienten und Versicherte

Einen zusätzlichen Bonus gewinnt, wer länger keine Arztrechnung einreicht. Das ist "Wahlfreiheit für Patienten und Versicherte"! Zuzahlungen zu Medikamenten und bei Krankenhausaufenthalten sind selbstverständlich.

Zahnärztliche Behandlung ist natürlich nicht mitversichert. Der Staat muss die sozialen Löcher im System inzwischen mit über 3,3 Milliarden Franken jährlich stopfen - auf Deutschland umgerechnet wären das über 23 Milliarden Euro! Seit 1996 stiegen die Versicherungsprämien jährlich um ca. sechs Prozent. 2010 werden es wohl 8,7 Prozent sein, bei Kindern sogar eher zehn Prozent.

Das soll ein Vorbild für uns sein? Man zerstört eine soziale, solidarische Krankenversicherung, ersetzt sie durch ein unsoziales, gewinnorientiertes System und "federt" die unsozialen Folgen dann mit enormen Summen aus Steuergeldern ab. Gnade uns Gott!

In einem privatwirtschaftlichen Versicherungssystem kommt es teuer, dass nicht nur die eigentlichen Krankheitskosten zu bezahlen sind, sondern auch noch die Rendite der Investoren.

Mit Prämien, Boni und Selbstbehalt kann man Sachen versichern - Autos, Hausrat, Juwelen. Zur Anschaffung dieser Sachen kann man sich schließlich frei entscheiden. Zur Krankheit entscheidet sich niemand. Krankheit ist keine Sache. Krankheit ist ein Lebensrisiko.

Autor:  Dr. med. Bernd Hontschik
Datum:  27 | 11 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Quiz

Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.

Aurora Borealis

Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Anzeige

Videos
Ressort

Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung


Spezial
www.museocereanatomiche.it

Neue Forschungsergebnisse in der Medizin, der Blick in das Innere des Menschen - mehr zu lesen im FR-Spezial Medizin.

Rückblick auf 50 Jahre
Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin in seinem Raumanzug bei Übungen zum ersten bemannten Weltraumflug. Gagarin umkreiste am 12. April 1961 in der Raumkapsel Wostok als erster Mensch die Erde.

Zum fünfzigsten Jahrestag des ersten Starts der Menschheit ins Weltall hat die russische Raumfahrtagentur ein Video veröffentlicht.

Anzeige

Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.

Spezial
Blick in die Magellanwolke

Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.

Spezial

Vor vierzig Jahren brachen mutige Männer auf, um einen Menschheitstraum zu erfüllen - die Landung auf dem Mond.

Umfrage: Sind Feedback-Fahrten für Fahranfänger sinnvoll?

Die Koalition plant offenbar, nach österreichischem Vorbild sogenannte Feedback-Fahrten für Führerscheinneulinge einzuführen. Die müssen drei Monate nach ihrer Prüfung erneut Fahrstunden nehmen. Gute Idee - oder Unsinn?

Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Harry Nutt
Leitartikel zum Eurovision Song Contest 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande 
Spezial

Sie sollte das Studium vereinfachen, das Hochschulwesen europaweit vereinheitlichen. Die Kritik an der Bologna-Reform lässt nicht nach.

Ein Jahr Fukushima
Test auf Strahlenspuren.

Ein Jahr nach dem 11. März 2011 zeigen wir, wie das Unglück Japan und die Welt verändert hat.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!