kalaydo.de Anzeigen

Diabetes: Dicke Väter zeugen kranke Töchter

Diabetes Typ 2 kann offenbar direkt vererbt werden. Auch normalgewichtiger Nachwuchs entwickelt Insulinresistenz, eine Vorstufe zur Zuckerkrankheit.

Eine fettreiche Ernährung der Väter erhöht offenbar das Risiko, dass deren Töchter später im Leben an Typ-2-Diabetes erkranken – selbst wenn die Frauen bis dahin normalgewichtig waren. Über diesen erstaunlichen Zusammenhang berichtet ein Team um Margaret Morris von der University of New South Wales in Sydney am heutigen Donnerstag in der Zeitschrift Nature. Die Studie der australischen Forscher ist ein erster Beleg dafür, dass fettes Essen der Väter nicht nur deren eigene Gesundheit, sondern auch die ihrer künftigen Kinder negativ beeinflusst. Übergewicht gilt als der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes.

Morris und ihre Kollegen experimentierten für ihre Untersuchung mit männlichen Ratten, denen sie ausschließlich fettreiches Futter zu fressen gaben. Das Ergebnis der Fütterungsversuche war zunächst nicht weiter verwunderlich: Die Ratten wurden übergewichtig, sie entwickelten eine Glukoseintoleranz und eine Insulinresistenz. Beide Phänomene gelten als Vorstufe eines Typ-2-Diabetes. Eine Glukoseintoleranz bewirkt, dass Zucker (Glukose) im Körper nur schlecht verwertet wird und sich daher im Blut ansammelt. Bei einer Insulinresistenz sprechen die Körperzellen nur noch schwach auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin an.

Gene neu geschaltet

Womit die Forscher nicht gerechnet hatten: Obwohl die männlichen Versuchsratten Nachwuchs zur Welt brachten, der normalgewichtig war, entwickelten die meisten weiblichen Ratten später ebenfalls Diabetessymptome wie eine beeinträchtigte Glukosetoleranz und eine verminderte Insulinproduktion.

Als die Wissenschaftler die Insulin erzeugenden Zellen in den Bauchspeicheldrüsen untersuchten, stellten sie zudem fest, dass in den Zellen der erkrankten Tiere andere Gene aktiv waren als in den Zellen von Ratten ohne Anzeichen eines Typ-2-Diabetes. Bei den männlichen Nachkommen waren die Befunde allerdings weniger deutlich.

Diese Beobachtungen lassen nur eine schlüssige Erklärung zu: Das Ernährungsverhalten der Rattenväter muss in ihrem Sperma genetische Spuren hinterlassen haben, die sie an ihre Töchter weitervererbt haben. Ähnliches war bisher nur von weiblichen Säugetieren bekannt. Auch bei ihnen können Umwelteinflüsse das Erbmaterial so verändern, dass die Abweichungen an nachfolgende Generationen weitergereicht werden. Morris und ihre Kollegen gehen davon aus, dass sich die Ergebnisse i auch auf den Menschen übertragen lassen.

Ob die Rattentöchter das vom Vater erworbene Diabetesrisiko ihrem eigenen Nachwuchs ebenfalls vererbten, müsse nun noch untersucht werden, schreibt der Reproduktionsbiologe Michael Skinner von der Washington State University in Pullman in einem Begleitkommentar in Nature. Darüber hinaus sollten die Veränderungen im Erbgut genauer erforscht werden: Derartige Biomarker seien hilfreich, um solche bislang unbekannten Fälle eines geerbten Typ-2-Diabetes“ zu erkennen und zu behandeln.

Allein in Deutschland gibt es rund acht Millionen Diabetiker. Der überwiegende Teil – rund 90 Prozent – leidet an der erworbenen Typ-2-Diabetes. Die Behandlungskosten werden für dieses Jahr auf 40 Milliarden Euro geschätzt. (Nature, Bd. 467)

Autor:  Anke Brodmerkel
Datum:  20 | 10 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Quiz

Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.

Aurora Borealis

Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Anzeige

Videos
Ressort

Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung


Spezial
www.museocereanatomiche.it

Neue Forschungsergebnisse in der Medizin, der Blick in das Innere des Menschen - mehr zu lesen im FR-Spezial Medizin.

Rückblick auf 50 Jahre
Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin in seinem Raumanzug bei Übungen zum ersten bemannten Weltraumflug. Gagarin umkreiste am 12. April 1961 in der Raumkapsel Wostok als erster Mensch die Erde.

Zum fünfzigsten Jahrestag des ersten Starts der Menschheit ins Weltall hat die russische Raumfahrtagentur ein Video veröffentlicht.

Anzeige

Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.

Spezial
Blick in die Magellanwolke

Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.

Spezial

Vor vierzig Jahren brachen mutige Männer auf, um einen Menschheitstraum zu erfüllen - die Landung auf dem Mond.

Umfrage: Sind Feedback-Fahrten für Fahranfänger sinnvoll?

Die Koalition plant offenbar, nach österreichischem Vorbild sogenannte Feedback-Fahrten für Führerscheinneulinge einzuführen. Die müssen drei Monate nach ihrer Prüfung erneut Fahrstunden nehmen. Gute Idee - oder Unsinn?

Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Harry Nutt
Leitartikel zum Eurovision Song Contest 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande 
Spezial

Sie sollte das Studium vereinfachen, das Hochschulwesen europaweit vereinheitlichen. Die Kritik an der Bologna-Reform lässt nicht nach.

Ein Jahr Fukushima
Test auf Strahlenspuren.

Ein Jahr nach dem 11. März 2011 zeigen wir, wie das Unglück Japan und die Welt verändert hat.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!