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Klima: Die Gewinner des Klimawandels

Kommt mit dem Klimawandel die Katastrophe? Überschwemmte Städte, ausgetrocknete Felder, verwüstete Ernten davor fürchten sich viele. Manche werden aber auch davon profitieren, vermuten Fachleute.

Dürre in Bolivien.
Dürre in Bolivien.
Foto: dpa

München/Mainz. Überschwemmte Städte, ausgetrocknete Felder, verwüstete Ernten. Das sind für viele Menschen die Gesichter des Klimawandels. Auch der weltgrößte Rückversicherer Munich Re, der sich aus geschäftlichen Gründen mit dem Thema befasst, hält das Phänomen für nahezu erwiesen. „Es gibt den Klimawandel, und er ist größtenteils menschgemacht“, sagt der Leiter des Corporate Climate Centre von Munich Re, Ernst Rauch. Außerdem gebe es Hinweise, dass durch ihn „ein Teil des Anstiegs der Schäden“ bei wetterbedingten Katastrophen zu erklären ist. Der Klimawandel hinterlässt nach Rauchs Einschätzung aber nicht nur Verlierer. Manch einer könne auch davon profitieren.


Rauch, dessen Einheit alle Themen rund um den Klimawandel untersucht, muss da nicht lange nachdenken. „Profitieren werden mit Sicherheit Anbieter von Technologien, die zum Klimaschutz beitragen“, sagt er. „Die erneuerbaren Energien werden mit ganz großer Wahrscheinlichkeit auf der Gewinnerseite stehen.“ Das gelte auch für „Nebenmärkte“ wie den Finanz- und Versicherungssektor, wenn sie entsprechende Anlagen finanzierten oder versicherten, etwa die Leistungskraft von Solarzellenmodulen. Die Bauwirtschaft wird nach Einschätzung des Geophysikers voraussichtlich ebenfalls zu den Gewinnern gehören. Denn wenn sich die Umweltbedingungen verschlechterten, müssten bestehende Bauten angepasst werden.

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Die Frage nach den Profiteuren sei aber „untrennbar“ mit der nach den Verlierern verbunden. Dabei betrachten die Experten zwei Größen - eine dingliche oder physische Sphäre, in der es beispielsweise darum geht, ob es zu viel oder zu wenig Regen oder Sonne für etwas gibt. Und den Bereich der Regeln, der „regulatorischen Bedingungen“, die direkt nichts mit dem Wetter zu tun haben müssen. Auch hier kann es Verlierer geben. „Wenn Sie eine massive Kohlendioxidreduktion gesetzlich vorschreiben, sind die Unternehmen betroffen, die hohe Emissionen haben“, erklärt Rauch. Firmen könnten aber Gewinner werden, etwa wenn sie sich vorausschauend auf denkbare Änderungen vorbereiten.

Anpassung ist wichtig

Flexibilität wird nach Rauchs Einschätzung auch in der Land- und Forstwirtschaft entscheidend sein. „Die Betriebe, die sich schnell genug durch eine Änderung der Fruchtsorten an Umweltveränderungen anpassen können, werden auf der Gewinnerseite sein.“ Die Finanzwirtschaft muss sich ebenfalls anpassen und neue Geschäftsfelder entwickeln. Die fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle werden sich dagegen nach Erwartung des 49-Jährigen „nicht auf der Gewinner-, sondern im Laufe der Zeit auf der Negativseite wiederfinden“. Auch für den Verkehr sieht es weniger gut aus. Auf ihn kämen einer Studie zufolge zunehmend regulatorische Eingriffe wie eine Maut oder eine Begrenzung der Emissionen zu.


Und in welchem Zeitraum wird sich das abspielen? „Es ist ein laufender Prozess, ich spreche nicht von Veränderungen in ferner Zukunft“, sagt Rauch. Manche Themen spielten schon „in der Jetztzeit“ eine Rolle. Besondere Relevanz hätten aber die nächsten fünf bis zehn Jahre. Klimawandel werde „ein Riesenzukunftsthema“ sein, „eines der größten Themen für die Menschheit“. Auch deshalb habe Munich Re das Projekt DII (vormals Desertec) mitinitiiert, mit dem in der Wüste Solarstrom gewonnen werden soll. „Es ist langfristig besser, etwas gegen den Klimawandel zu tun, als Schäden aus Naturkatastrophen zu bezahlen“, sagt Rauch.
Der auf erneuerbare Energien spezialisierte Projektentwickler juwi im rheinhessischen Wörrstadt verbucht seit Jahren deutliche Zuwächse, doch Chef Matthias Willenbacher will ihn nicht als Gewinner des Klimawandels sehen. „Der Klimawandel kennt keine Gewinner“, sagt er und mahnt zur Eile. „Steigen die Temperaturen so dramatisch wie prognostiziert, gibt es nur Verlierer.“ Um das zu vermeiden, müsse die Energieversorgung so schnell wie möglich ganz auf erneuerbare Energien umgestellt werden.


Auf einem guten Weg sieht sich auch der Frankenthaler Pumpen- und Armaturenhersteller KSB. Nach Angaben von KSB-Manager Sönke Brodersen sind bereits 60 Prozent der KSB-Pumpen den „grünen Produkten“ zuzurechnen, weil sie wegen des Kriteriums Energieverbrauch und damit ihrer Umweltfreundlichkeit gekauft werden. KSB habe die Produkte stets verbessert, weil die Kunden wegen der Kosten und ihrer CO2- Bilanzen darauf drängten. „Die ökonomischen Anforderungen und die ökologischen werden langsam deckungsgleich“, sagt Brodersen. In deutschen Pumpensystemen könnten aber noch 1,1 Milliarden Euro an Energiekosten gespart werden, wenn man alle Technologien ausschöpfe. KSB testet außerdem im Rhein eine Turbine, die Strom produzieren soll.(dpa)

Datum:  27 | 7 | 2010
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