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23. Dezember 2009

Doping am Arbeitsplatz: Mit Pillen schneller arbeiten

 Von Jörg Zittlau
Immer mehr Deutsche machen sich laut einer Studie mit Drogen fit. Foto: ddp

Konzentrationsmangel, Erschöpfungszustände, Stress. Immer mehr Deutsche machen sich mit Drogen fit. Fünf Prozent der Arbeitnehmer greifen zu Hirndoping. Experten warnen vor erheblichen Risiken. Von Jörg Zittlau

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Der Trend zum Hirndoping, Brain-Boosting oder Neuro-Enhancement stammt aus den USA. Dort ergab im Jahr 2005 eine Umfrage, dass etwa sieben Prozent der College-Studenten mindestens einmal Methylphenidat eingenommen hatten, um sich für eine Prüfung fit zu machen.

Der als Ritalin bekannte Wirkstoff wird eigentlich zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern eingesetzt. Ob er auch bei gesunden Menschen die kognitiven Leistungen bessere, sei, wie Psychiater Professor Mathias Berger vom Universitätsklinikum Freiburg betont, "keinesfalls sicher".

Besser dokumentiert ist da schon der stimulierende Effekt von Modafinil, das gegen die Schlafkrankheit Narkolepsie verschrieben wird. "Doch ein jährlicher Umsatz von mehr als 200 Millionen Dollar weist auf einen erheblichen Gebrauch außerhalb der zugelassenen Indikation hin", betont Berger.

So gab der international bekannte Poker-Spieler Paul Phillips kürzlich zu, sich mit Modafinil und einem anderen Psychostimulans für seine Turniere präpariert und mit dieser Hilfe mehr als 2,3 Millionen Dollar eingespielt zu haben. Die Sportverbände setzten den pharmazeutischen Muntermacher vor einigen Jahren auf die Liste der verbotenen Doping-Mittel.

Stress, Konzentrationsmangel, Erschöpfungszustände

In Deutschland wird neben Ritalin vor allem Piracetam zum Hirndoping eingesetzt, fand die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) in einer Umfrage bei 3000 Arbeitnehmern heraus. Eigentlich ist Piracetam ein verschreibungspflichtiges Mittel für Demenzkranke, doch nur auf 2,7 Prozent der Rezepte war Demenz auch als Diagnose aufgeführt. In mehr als vier Fünfteln der Fälle wurde es, so die DAK, bei "zulassungsüberschreitenden Diagnosen" eingesetzt, wie etwa Stress, Konzentrationsmangel oder Erschöpfungszustände.

Fünf Prozent der Arbeitnehmer greifen immer wieder zu Hirndoping, um schlechte Laune zu vertreiben, Lampenfieber und Versagensängste zu dämpfen sowie Konzentrationsschwächen zu beheben. Etwa ein Fünftel von ihnen glaubt, dass die Risiken vertretbar seien. Dabei sollten ihnen schon die Nebenwirkungen von Ritalin zu denken geben: Dies führt oft zu Herzrasen, Aggressivität, Schlaflosigkeit und depressiven Verstimmungen und darf daher Kindern nur vorsichtig und zeitlich begrenzt verabreicht werden.

Berger warnt außerdem, dass sich unter dem Einfluss der Neuro-Enhancer die Infoverarbeitung im Gehirn verändere. Und: "Die Auswirkungen auf die Persönlichkeit eines Menschen, der sich für seine Erfolge nicht mehr anstrengen muss, sind nicht absehbar."

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