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Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung

23. August 2012

Elite-Unis: Der teure Verlust der Elite

 Von Andreas Maisch
Die Universität Tübingen bekommt etwa 60 Millionen Euro allein für das Zukunftskonzept - wie der Elite-Status offiziell heißt. Foto: dpa

Die Exzellenzunis, die ihren Status einbüßten, wollen ihre ambitionierten Projekte weiterführen. Aber wie?

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Exzellenz

Elf Hochschulen sind in der jüngsten Runde des deutschen Elite-Wettbewerbs zu Exzellenzuniversitäten gekürt worden.

Dazu gehören die HU und FU Berlin, die TU Dresden , die beiden Münchner Universitäten, sowie die Unis Aachen, Bremen, Heidelberg, Köln, Konstanz und Tübingen. Ihren Status verloren Freiburg, Göttingen und Karlsruhe.

4,6 Milliarden Euro insgesamt geben Bund und Länder in den Jahren 2006/07 bis 2017 für den Wettbewerb aus.

Die Berliner Universitäten hatten Glück. Als sie im Juni dieses Jahres zu deutschen Exzellenzuniversitäten gekürt wurden, konnten sie sich nicht nur als Sieger fühlen. Ihnen blieb zugleich eine peinliche inner-universitäre Kürzungsdebatte erspart. Immerhin hatte die Humboldt-Universität 53 Millionen Euro beantragt, um ihr neues Zukunftskonzept „Wissen durch Bildung“ umzusetzen – einen Plan, den sie auf alle Fälle verfolgen wollte, auch bei einem Nichterfolg im Elite-Wettbewerb. Und die Freie Universität (FU) Berlin kam um die Debatte herum, wo sie künftig die Millionen auftreiben sollte, die sie bisher aus dem Wettbewerb erhielt.

Wie die Stimmung hätte werden können, zeigt sich bei den Verlierern der jüngsten Runde. Während elf Bewerber zu Elite-Unis gekürt wurden, mussten drei ihren Status ablegen: die Universitäten Freiburg und Göttingen sowie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Das Elite-Siegel hatte ihnen seit 2006/07 neben Renommee durchschnittlich 13 Millionen Euro pro Jahr gebracht. Und es half bei der Einwerbung von Drittmitteln.

Kleine Fächer bedroht

Zwar soll eine zweijährige Auslauffinanzierung und Hilfe durch die betroffenen Bundesländer die Universitäten vor drastischen Folgen schützen. Doch Studenten und Professoren warnen vor größeren Einschnitten, vor allem für kleine Fächer. Sie lehnen eine Fortsetzung der bisherigen Elite-Projekte ab.

Die Studentenvertretung der Universität Freiburg fürchtet, „dass der Rest der Uni den Preis dafür zahlt, dass die Uni Ihre Bewerbung vor die Wand gefahren hat“. Das Rektorat habe angedeutet, notfalls bei kleinen Fächern einzusparen, um die Elite-Projekte fortsetzen zu können. „Informell wurde gesagt, dass es Fächer gibt, die seit Jahrzehnten viel Geld erhalten, die inzwischen jedoch nur von wenigen Studenten studiert werden“, erklärt Studentenvertreter Lennart Lein. Dort sehe die Uni Einsparpotenziale. Für Lein dagegen ist das Freiburg Institute for Advanced Studies (Frias), in dem Spitzenwissenschaftler ohne Lehrverpflichtung forschen, ein „überdimensionierter Forschungsgenerator“, auf den man gut verzichten könne. Frias gilt als Herzstück des Zukunftskonzeptes „Windows for Research“. Viele gute Professoren seien dafür von der Lehre freigestellt worden.

Ein Freiburger Professor, der anonym bleiben möchte, bestätigt die Befürchtungen der Studenten. Er ist auch nicht der Meinung, dass sich die Exzellenz-Initiative für Freiburg wirklich gelohnt habe. Einzelne Fächer wie die Informatik hätten zwar stark profitiert, doch dazu haben die ganze Universität beitragen müssen. Für die neuen Forschungsstellen „mussten Verwaltungseinheiten abgestellt werden“, sagt der Lehrstuhlinhaber. Anders gesagt: Die Stellen der Forscher werden aus Mitteln der Exzellenzinitiative bezahlt, für Sekretärinnen und andere Verwaltungsangestellte muss die Uni jedoch selbst aufkommen.

Freiburg sei in vielerlei Hinsicht eine gute Universität, doch unter Frias habe vieles gelitten. So habe die Universität keine moderne Doktorandenschule eingerichtet und sei nach wie vor im alten Promotionstrott. Der Professor selbst ist über Frias frustriert und kennt viele Kollegen, die ähnlich denken. Falls das Institut für Spitzenforscher ohne Lehrverpflichtung weiter gefördert werde, dann sicher mit Einschnitten in anderen Bereichen.

Woher seine Hochschule das Geld zur Fortsetzung der Elite-Projekte nehmen will, fragt sich auch Philipp Rudo, Vorsitzender der Studentenvertretung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Mit den Exzellenzmitteln sei in Karlsruhe ein neues Forschungsgebäude gebaut worden. Auch nach dem Bau verursache dieses hohe Betriebskosten. „Es ist unverantwortlich, dass eine Initiative, die allein zur Förderung der Forschung gedacht war, nun der Lehre schadet“, sagt der Physikstudent. Die Hochschulleitung sei zu selbstsicher gewesen. Sie hätte sich auch auf den schlimmsten Fall einstellen müssen. Sogar die Verwaltung habe Schwierigkeiten, den Überblick über alle Exzellenz- und andere Drittmittel zu behalten. Ohne den Elite-Titel werde es nun schwieriger, bei Unternehmen, Stiftungen oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) neue Drittmittel einzuwerben. Vor allem sorgen sich die Studenten um die kleinen, nicht-technischen Fächer. „Bei diesen Fächern geht es auch ums Überleben, weil sie sich nicht durch Drittmittel finanzieren können“, sagt Rudo.

Dramatischer Einschnitt

Auch Klaus Bös, Dekan der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften am KIT, hält den Exzellenzverlust „für einen dramatischen Einschnitt und einen enormen Imageverlust“. An der einen oder anderen Stelle würden die Einbußen schmerzlich werden, doch im Vergleich zu anderen Hochschulen komme das KIT von einem hohen Niveau. Sein Fach lehre ihn, dass Niederlagen dazugehören und oft zu neuer Stärke führen, sagt der Sportwissenschaftler.

Nach Aussagen des KIT machen die Fördermittel aus der Exzellenzinitiative nur etwa 1,5 Prozent des Uni-Haushalts aus. Dank seiner technischen Ausrichtung sei das KIT in der glücklichen Lage, besonders viele Drittmittel anzuwerben. „Das KIT geht weiter“, hieß es nach dem Entzug des Elite-Titels. Viele Vorhaben würde man umsetzen, auch wenn dies nun mehr Zeit benötige.

Als übrigens die Freiburger Studenten in der Prüfungszeit eine Verlängerung der Bibliotheksöffnungszeiten wünschten, scheiterte dies an rund 8 000 Euro. Bei der Fortsetzung der Elite-Projekte jedoch geht es um viele Millionen.

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