Viel Fleisch, noch dazu möglichst preiswertes, wenig Gemüse, das Ganze verkocht und nicht selten auch noch unhygienisch. Das deutsche Schulessen erfüllt nach Erkenntnissen der Hochschule Niederrhein nicht die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DEG). Sie hat in den vergangenen Jahren Ergebnisse aus zahlreichen Studien zusammengetragen und festgestellt, dass das Angebot in 90 Prozent der getesteten Schulkantinen wenig appetitlich war.
Geprüft haben die Wissenschaftler der Uni in Mönchengladbach auch die Organisationsstrukturen, die Qualifikation des Personals sowie die Einhaltung der Qualitätsstandards und Hygienevorschriften. Und auch hier lautete das Fazit: 90 Prozent der Betriebe weisen Mängel auf.
Die Defizite hält der Ernährungswissenschaftler und Leiter der Arbeitsgemeinschaft „Schulverpflegung“ der Hochschule, Volker Peinelt, für „teilweise gravierend“. Dabei sind die Kriterien für ein gesundes Schulessen sattsam bekannt: Mindestens einmal in der Woche Fisch, fettarmes Fleisch, Vollkornprodukte, jeden Tag Gemüse, Obst und Salate, frisch zubereitete Mahlzeiten – und nach Möglichkeit ein vegetarisches Essen zur Auswahl.
Peinelts AG Schulverpflegung bietet deshalb seit dem Jahr 2007 den Kantinen und Zulieferern ein Zertifizierungsverfahren an, das die Vollwertigkeit, Abwechselungsbreite der Mahlzeiten, aber auch Hygiene, Arbeitsschutz und Ökologie prüft und begutachtet. Die erworbenen Zertifikate sind drei Jahre gültig.
Warum ein Land, in dem jeder Fernsehsender mit mindestens drei Kochsendungen aufwarten muss, so wenig Wert auf die schmackhafte und gesunde Verpflegung seiner Schulkinder legt, weiß der Himmel! Wer weder bereit ist, eine ausreichende Finanzierung bereitzustellen noch für eine einheitliche, praktikable und deshalb kostengünstige Organisation des Schulessens zu sorgen, sollte sich allerdings auch nicht über Kantinen und Zulieferer ereifern, die nicht in der Lage sind, den Anforderungen an eine gesunde Verpflegung der Kinder zu entsprechen. Die Wertschätzung von Lebensmitteln, das Wissen um Zubereitungsarten, über saisonale und regionale Besonderheiten von Gerichten könnte dagegen selbst zum Unterrichtsfach werden. Schließlich hat das Interesse am guten Essen in den vergangenen Jahrzehnten durchaus zugenommen. Kindern zu vermitteln, dass das gemeinsame Kochen und Essen ein Höhepunkt des Schultags sein kann, würde sich lohnen – denn nur solcherart Vorgebildete werden auch als Erwachsene nach guten Lebensmitteln verlangen.
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