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12. Dezember 2012

Ernährung: Mit Preisen die Gesundheit steuern

 Von Joachim Czichos
Obst oder Schokolade? Offenbar eine Frage des Preises. Foto: imago

Eine Studie zeigt: Mit Hilfe von Steuern und Subventionen auf ungesunde und gesunde Nahrungsmittel ließe sich die Ernährung der Bevölkerung verbessern. Wissenschaftler haben die Auswirkungen untersucht und verweisen darauf, dass insbesondere die ärmere Bevölkerung profitieren würde.

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Ungesunde Lebensmittel stärker zu besteuern und gesunde Lebensmittel zu subventionieren könnten wirksame Mittel sein, die Ernährung zu verbessern und verschiedenen Krankheiten vorzubeugen. Das bestätigen jetzt neuseeländische Forscher durch Analysen von Daten aus mehreren Computersimulationen. Die Ergebnisse zeigen, wie stark ein erhöhter Preis für Limonaden und fetthaltige Nahrungsmittel den Konsum dieser Produkte verringern würde.

Auch die umgekehrte Wirkung von reduzierten Preisen für Obst und Gemüse ließ sich berechnen. Eine entsprechende Preispolitik könnte langfristig von großem Nutzen für die Gesundheit der Bevölkerung sein, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt Plos Medicine.

„Der Einfluss einer Besteuerung oder Subvention von bestimmten Lebensmitteln wird von Land zu Land unterschiedlich sein und von mehreren landestypischen Faktoren abhängen“, schreiben Helen Eyles von der University of Auckland und ihre Kollegen. Aber in allen Industrieländern zählen Herz- und Gefäßkrankheiten, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen zu den häufigsten Todesursachen.

Datensimulation statt Langzeitstudien

Und diese Krankheiten werden begünstigt durch Tabak- und Alkoholkonsum, mangelnde körperliche Aktivität und ungesunde Ernährung. Höhere Steuern auf Tabakwaren haben bereits gezeigt, dass es möglich ist, über den Preis den Konsum eines gesundheitsschädlichen Produkts zu drosseln. Langzeitstudien über die Auswirkungen veränderter Preise für Lebensmittel sind in der realen Welt aus politischen und praktischen Gründen nur schwierig durchführbar. Daher werden solche Untersuchungen meist in Computermodellen simuliert.

Die Forscher fanden 32 bereits veröffentlichte Studien, die für ihre Analysen geeignet waren. Die Auswertungen beziehen sich auf die Lebensverhältnisse von Menschen in den OECD-Staaten. Die Berechnungen ergaben, dass ein Preisanstieg kohlensäurehaltiger Softdrinks um zehn Prozent den Konsum dieser Getränke im Schnitt um 9,3 Prozent verringert.

Dieselbe Preissteigerung für Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren würde die Kalorienzufuhr in Form dieser Nährstoffe um 0,2 Prozent senken. Wenn dagegen die Preise für Obst und Gemüse um zehn Prozent zurückgingen, würde das deren Konsum um durchschnittlich 3,5 Prozent erhöhen.

„Weitere Forschungen sind nötig, um kompensatorisches Kaufverhalten und Langzeitauswirkungen auf die Gesundheit bei unterschiedlichen sozio-ökonomischen Gruppen zu untersuchen“, schreiben die Autoren. So könnte beispielsweise ein durch erhöhte Preise verringerter Konsum von Limonaden auch bewirken, das so eingesparte Geld vermehrt zum Kauf von Fruchtsäften auszugeben. Diese enthalten aber oft ähnlich hohe, gesundheitsschädliche Mengen an Zucker und Kalorien.

Da ärmere Bevölkerungsschichten beim Kauf von Lebensmitteln stärker auf die Preise achten als wohlhabendere, dürfte bei ihnen eine Preis-Steuerung größere positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Das könnte dazu führen, dass Unterschiede im Gesundheitsstatus zwischen den Gesellschaftsschichten geringer werden.

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