Gesucht werden gepflegte Studentinnen, die solvente Herren am Abend begleiten. Oder auch "nette, gepflegte Mitarbeiterinnen, deren Leidenschaft darin liegt, unseren Gästen Sinnlichkeit und Genuss zu bieten". Geschaltet wurden diese beiden Anzeigen eines "Eskort-Services" und eines Gelsenkirchener Massagesalons in der "Pflichtlektüre", einem von Dortmunder Journalistik-Studenten produzierten Studierendenblatt für das gesamte Ruhrgebiet. Erst vier Ausgaben sind von dem Magazin erschienen, die zweifelhafte Werbung führte bereits zu lebhaften Reaktionen.
Fast jede Uni hat ihre Studierendenzeitung, aber normalerweise erscheinen in den dünnen, meist von Hochschulgruppen verfassten Heftchen nur kleine Inserate von Copyshops oder Anzeigen, die Partys ankündigen. Jene für zweifelhafte Jobs führten an den Unis nun zu öffentlicher Kritik. "Eine Zeitung muss Farbe bekennen, wo sie steht", sagt Annika Klüh, Bochumer Referentin für Hochschulpolitik. Erotische Massagen seien eine Form von Prostitution, für die eine Frau ihren Körper verkauft, so etwas dürfe nicht beworben werden. "Wir dachten zuerst, es sei ein übler Scherz, um auf die schwierige Finanzierung der Studiengebühren hinzuweisen", so Klüh. Die Bochumer Studierendenvertretung bläst nun in ihrer Schwarz-Weiß-Zeitung BSZ zum Boykott gegen das Konkurrenzprodukt.
Die Redaktion der Pflichtlektüre geht in die Offensive. In einem Beitrag "in eigener Sache" verteidigt Chefredakteurin Vanessa Giese die anrüchigen Inserate. Sie findet, die harsche Kritik der Bochumer Schreib-Kommilitonen sei ihrerseits "moralisch bedenklich". Giese betont, dass Anzeigen und redaktioneller Inhalt zwei verschiedene Dinge seien. Die Pflichtlektüre fordere weder zur Arbeit bei Escort-Services auf, noch verkaufe sie Sportartikel und PC.
Genauere Prüfung geplant
Giese kündigt aber an, die Anzeigenkunden zukünftig noch genauer zu prüfen. Tatsächlich sind die zweifelhaften Inserate fast die einzigen Annoncen. Nur die WAZ hat eine Seite belegt - der Essener Zeitungskonzern finanziert das bunte Magazin.
Weil Studierende nicht gerade zur solventen Käuferschicht gehören, sind Anzeigenkunden eben rar. Kein Zufall also, dass gerade Banken, die Kredite für Studiengebühren vermitteln, ihre Anzeigen in den Uni-Zeitungen platzieren wollen. Die Bochumer BSZ erteilte den Banken trotz des lukrativsten Angebotes, das sie je bekommen haben, eine Absage.
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