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Ex-Kultusminister Olbertz: "Hickhack in der Bildung nervt"

Ab Oktober sollen Sie die Berliner Humboldt-Uni leiten...

Ja - und ich freue mich sehr darauf.

Und Sie sind angesichts der aktuellen Debatte auch noch sicher, dass Sie Präsident werden?

Ja. Das Konzil der Universität hat mich gewählt - und sie bekennt sich auch jetzt dazu.

Konkret stehen Sie wegen Ihrer Habilitation aus 1989, in der Sie sehr nah an der DDR-Staatsdoktrin argumentiert haben, in der Kritik. Die Vorwürfe, die Ihnen gemacht werden, reichen vom "Missionar der marxistisch-leninistischen Ideologie" bis zum "wissenschaftlichen Dünnbrettbohrer".

Das sind sehr unüberlegte Vorwürfe. Ich lasse mich nicht in eine Linie mit denjenigen stellen, die mich in der DDR in ärgste Bedrängnis gebracht haben - weil ich nicht in die SED eintreten wollte und auch nicht in die "Kampfgruppen der Arbeiterklasse". Meine Arbeiten waren immer bekannt. Nicht zuletzt sind sie im Berufungsverfahren auf meine Professur in Halle 1992 noch einmal begutachtet worden. Und selbstverständlich hat man sie schon damals in ihren zeitgeschichtlichen Kontext gestellt.

Wie finden Sie denn Ihre Arbeit aus heutiger Sicht?

Ich stehe diesen Arbeiten sehr kritisch gegenüber. Als ich sie schrieb, war ich allerdings sicher, diese verbalen Zugeständnisse machen zu müssen, wenn ich Freiräume wollte. Jeder, der die DDR kennt, weiß: Eine wissenschaftliche Arbeit zu einem pädagogischen Thema ließ sich anders nicht erfolgreich verteidigen.

Wenn man Erziehungswissenschaftler werden wollte - hier geht es doch um eines der ideologieüberfrachtetsten Fächer überhaupt...

Soll ich mich dafür rechtfertigen, dass mich ein bestimmtes Fach interessierte? Ich habe Pädagogik studiert, weil ich Lehrer werden wollte. Die Berufswahl war für mich auch richtig: Bis heute bin ich dem Thema Bildung treu geblieben. Ich war der erste frei gewählte Direktor des Instituts für Pädagogik in Halle, jahrelang Dekan des Fachbereiches Erziehungswissenschaften, arbeitete im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft mit und war acht Jahre Kultusminister. Die ganze Zeit über ist niemand auf die Idee gekommen, in mir einen ideologischen Einpeitscher des Marxismus-Leninismus zu sehen.

Sie hätten sich so "durchgemogelt", sagt die Stasi-Unterlagen-Beauftragte Marianne Birthler.

Mit Frau Birthler habe ich als einer der ersten Kultusminister einen Vertrag über die Zusammenarbeit von Schulen mit der Stasi-Unterlagen-Behörde zur Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte geschlossen. Wie sie mich nun öffentlich angeht, finde ich schäbig. Natürlich weiß ich, dass es Menschen gab, die in der DDR mutiger waren als ich und mehr riskierten. Vor ihnen habe ich großen Respekt. Dennoch: Ich habe zu DDR-Zeiten meinen Stolz nicht zu Grabe getragen. Und ich werde es auch jetzt nicht tun.

Interview: Jeannette Goddar

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Datum:  4 | 6 | 2010
Seiten:  1 2
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