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Experte: Lepra ist noch immer viel zu wenig erforscht

Der Geschäftsführer der Deutschen Lepra- und Tuberkulose-Hilfe Burkard Kömm zeigt die Einsatzorte seiner Organisation. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Der Geschäftsführer der Deutschen Lepra- und Tuberkulose-Hilfe Burkard Kömm zeigt die Einsatzorte seiner Organisation. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Würzburg. Die Lepra ist noch nicht besiegt. In Indien und Brasilien werden die meisten der jährlich rund 200 000 Neuerkrankungen registriert. Die Infektionskrankheit betrifft Europa kaum. Hier gilt sie seit fast 100 Jahren als ausgerottet.

Trotzdem sieht die Deutsche Lepra- und Tuberkulose-Hilfe (DAHW) die Bundesregierung in der Pflicht und fordert massive Investitionen in die Forschung. «Es gibt noch immer keinen Labortest für Lepra, wir kennen die Übertragungswege nicht und es gibt keinen Impfstoff - wir wissen über die Lepra so gut wie nichts», sagte DAHW-Geschäftsführer Burkard Kömm im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Deutschland sei bei der Erforschung der Lepra stets führend gewesen. Die erste große Weltlepra-Konferenz hatten laut Kömm die Mediziner Robert Koch und Rudolf Virchow 1897 in Berlin organisiert. Außerdem sei vor mehr als 30 Jahren in Deutschland die bis heute gültige Standardtherapie zur Behandlung von Lepra entwickelt worden. Kömm: «Wir sollten diese Vorreiterrolle auch weiterhin haben.»

Die DAHW mit Sitz in Würzburg werde künftig einige 100 000 Euro pro Jahr investieren, um Gelder für die Erforschung der Lepra einzuwerben. Zudem plane das Hilfswerk für 2014 ein internationales Forschungssymposium in der Residenzstadt. Dabei sollen neueste Technologien verschiedenster Fachrichtungen daraufhin abgeklopft werden, ob sie die Lepra-Forschung unterstützen könnten.

Als Beispiele nennt Kömm neue Entwicklungen bei Navigationssatellitensystemen und der Nanotechnologie. «Neue GPS-Systeme könnten helfen, die "Verkehrswege" der Krankheit klarer darzustellen. Und auf Nano-Kohlenstoffen, also Diamanten, könnte der Erreger vielleicht endlich erfolgreich gezüchtet werden», sagte der Gesundheitsökonom. Bislang sei das Wachstum des Lepra-Erregers im Labor nicht möglich. Deshalb ist die Erforschung von Resistenzen, Antikörpern und Impfstoffen schwierig.

Lepra ist eine chronische Infektion der Haut, der Schleimhäute und der Nervenzellen. Die Krankheit wird von Bakterien ausgelöst. Experten gehen davon aus, dass sie vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Sie führt zu Geschwüren und Wunden sowie zu Verkrüppelungen und Behinderungen. Heutzutage gilt Lepra als heilbar. Dafür muss der Patient über einen längeren Zeitraum einen Mix von drei Antibiotika nehmen.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ist die Infektionskrankheit in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland bei 22 Menschen festgestellt worden, vor allem nach Reisen in Indien und Brasilien. Sie gilt weltweit als «unter Kontrolle», die Weltgesundheitsorganisation will sie gänzlich ausrotten. (dpa)