Leben mit Erdmännchen – wer das schon immer mal gerne wollte, der wird vielleicht neidisch auf Markus Zöttl blicken. Der Wiener Verhaltensforscher hat im Rahmen seiner Feldforschung mehrere Wochen gemeinsam mit Erdmännchen in der Kalahari-Wüste im südlichen Afrika verbracht. Dabei erforschte er die erfolgreiche Taktik der Tiere, ihre Feinde am Geruch zu erkennen und Gefahr regelrecht zu erschnuppern. Er fand interessante Verhaltensmuster heraus, über die er im Fachjournal Behaviorial Ecology berichtet.
Erdmännchen leben in Gruppen von bis zu dreißig Tieren, an deren Spitze ein dominantes Pärchen mit seinen Nachkommen steht. In den sozialen Gemeinschaften gilt die Arbeitsteilung. Während ein Teil der Großfamilie nach Nahrung gräbt – unter anderen stehen Insekten, Eidechsen und Eier auf dem Speiseplan –, halten Wächter nach möglichen Feinden Ausschau. Andere Mitglieder sind mit dem „Babysitting“ beschäftigt. Auch hier wechseln sich die Erdmännchen ab.
Wie der Verhaltensbiologe Zöttl entdeckte, spielt der Geruch bei der Entdeckung und Abwehr von Gefahr eine wesentliche Rolle. Zu den Feinden der Erdmännchen gehören Greifvögel, Schlangen, Schakale und Wildkatzen. Zöttl präsentierte dem Wächter-Erdmännchen mit einer präparierten Angelleine einen typischen Räubergeruch, in diesem Fall Katzenurin. Die Reaktion ist folgendermaßen: Der Wächter ruft alle anderen Erdmännchen aus der Gruppe zu sich. Die Tiere reagieren, indem sie Fell und Schwanz aufstellen und sich zusammenschließen. Alle blicken gemeinsam ganz besonders wachsam um sich, um den Feind zu entdecken – in diesem Fall zum Glück nur ein von Verhaltensforschern ausgestopftes Tier.
„In unserer Studie konnten wir nun zeigen, dass Erdmännchen anhand des Alters der Gerüche die Gefahr beurteilen“, erklärt Zöttl. „Obwohl alte Gerüche auch dazu führen, dass andere Erdmännchen gerufen werden, reagierten die Erdmännchen mit erhöhter Wachsamkeit nur auf frische Gerüche, nicht aber auf die Menge des Katzenurins.“
Zöttl maß auch die Zeit, in der sich die Erdmännchen versammelten, um den Räuber zu entdecken und darauf zu reagieren. Die Studie belege erstmals experimentell, dass Tiere die Verursacher der Gerüche mit dieser Taktik tatsächlich schneller entdecken können, so Zöttl. „Dies wird immer wieder in Modellen als selbstverständlich angenommen, wurde bisher aber noch nie untersucht.“
Die Erdmännchen im südlichen Afrika stehen seit Beginn der 90er-Jahre unter ständiger Beobachtung im Rahmen des „Kalahari Meerkat Projects“ von Tim Clutton-Brock , angesiedelt an der University of Cambridge. Markus Zöttl ist zur Zeit als Nachwuchsforscher an diesem Projekt beteiligt. Diese wurde unter anderem durch eine US-Dokusoap über eine Erdmännchengruppe bekannt – ausgezeichnt mit drei Emmy-Awards.
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