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Fossilien: Dinos im farbigen Federkleid

Aufregender Fund in einem alten Stück Bernstein

Für die Fiktion gibt es sogar ein Gegenstück aus der realen Welt der Wissenschaft, wenn auch mit unspektakulärem Ausgang. Mitte der 90er Jahre berichtete David Grimaldi, Paläontologe am Amerikanischen Museum für Naturgeschichte in New York, von einem aufregenden Fund: "Als wir ein Bernsteinstück mit einer 25 Millionen Jahre alten Termite vorsichtig öffneten, fanden wir Muskelgewebe und in den Zellen Mitochondrien: DNA-haltige Organellen für die Energiegewinnung, mit deren Erbmaterial man vielfach schon Stammbaumanalysen gemacht hat." Grimaldi und seinem Team gelang es, die molekulare Buchstabenfolgen zu bestimmen. "Diese Folgen verglichen wir mit Sequenzen von heutigen Termiten sowie von verwandten Schaben und Fangheuschrecken." Mit Hilfe der DNA-Analyse entwarfen die Forscher dann einen neu geordneten Stammbaum der Insektengruppe. Unwidersprochen blieb jedoch auch diese Entdeckung nicht.

Zusammen mit Kollegen unternahm Richard Fortey, Chefpaläontologe am Naturhistorischen Museum im London, den Versuch, die Ergebnisse zu wiederholen. Dafür benutzte er 15 Bernsteinstücke gleichen Alters mit entsprechenden Einschlüssen von Insekten. "Alles wurde sterilisiert. Die fossilen Gewebe aus dem Bernstein wurden in Lösung gegeben und dann kamen raffinierte Vervielfältigungsverfahren zur Anwendung. Wir fanden nur winzige Bruchstücke von DNA, von denen man nicht sagen kann, ob sie Verunreinigungen sind oder nicht. Sie könnten durchaus zu allgegenwärtigen Mikroben gehören", schreibt er in einem Untersuchungsbericht für die Proceedings der Royal Society.

Die Kontamination fossiler Proben mit moderner DNA sei nicht das einzige Problem, so Thomas von Rintelen, Leiter des Molekularbiologischen Labors am Berliner Museum für Naturkunde: "Selbst unter den außergewöhnlich gut konservierenden Bedingungen von Permafrost lässt sich der Zerfall des empfindlichen Erbmoleküls nicht aufhalten. Nach wenigen hunderttausend Jahren sind nur noch kleine Bruchstücke vorhanden."

Lassen sich ausgestorbene Geschöpfe mit Hilfe der Gentechnik wieder zum Leben erwecken? Davon scheint Stephen Schuster vom Zentrum für Vergleichende Genomik an der Pennsylvania State University überzeugt. "Vor drei Jahren hätte ich gesagt, das ist unmöglich. Derzeit findet ein revolutionärer Fortschritt in vielen Bereichen der Molekularbiologie statt, und deshalb denke ich heute, dass es nicht mehr unmöglich ist", bekannte der Forscher unlängst in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Unter Schusters Leitung gelang Ende 2008 die fast vollständige Rekonstruktion des Mammut-Erbguts und damit erstmals die Wiederherstellung des Genoms einer ausgestorbenen Tierart. So konnte eine alte Streitfrage endgültig geklärt werden: Nicht der Afrikanische Elefant ist der nächste noch lebende Verwandte des Mammuts, sondern der in Asien verbreitete Indische Elefant.

Wäre es mit Hilfe eines sehr nahen Verwandten des Mammuts möglich, den Urzeitelefanten gentechnisch wieder auferstehen zu lassen? "Das ist eine Frage von Zeit und Geld, nicht der Technik", meint Schuster.

Über solche Gedankenspiele kann sich Holger Römpler, Paläogenetiker am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig nur wundern: "Um eine Elefantenzelle genetisch zu "mammutifizieren" müssten rund 50 Millionen Positionen im Erbgut gezielt verändert werden. Bei der Maus sind für die genetisch stabile Ausprägung einer einzigen genetischen Veränderung 500 bis 1000 Tiere nötig. Das Mammut-Projekt wäre so wohl ein Jahrtausendvorhaben."

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Autor:  Silvia von der Weiden
Datum:  10 | 2 | 2010
Seiten:  1 2
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