Die Dinosaurier beflügeln die Phantasie der Menschen nicht zuletzt, weil nur wenig über das wahre Aussehen der Urzeitriesen bekannt ist. Bei einem außergewöhnlich gut erhaltenen, 150 bis 160 Millionen Jahre alten Fossil eines federtragenden Dinosauriers ist nun einem chinesisch-amerikanischen Forscherteam die Rekonstruktion der Gefiederfärbung gelungen. Anchiornis huxleyi, so der Name des kürzlich in China entdeckten Fossils, war so groß wie ein Huhn. Seinen Körper bedeckte ein dunkelgraues oder schwarzes Federkleid. Die zu Flügeln umgebildeten Vordergliedmaßen trugen lange weiße Federn, die ein schwarzer Saum umgab. Auf dem Kopf trug der Saurier ein Büschel aus rotbraunen Federn. Seine Wangen zierte ein rotbraun getupftes Federkleid.
"Die Farbmuster ähneln dem von heute lebenden Vögeln und Wassergeflügel", berichtet das Team unter Leitung von Quanguo Li vom Museum für Naturkunde in Peking in der online-Ausgabe von Science. Anchiornis ist jedoch kein bunter Vogel, sondern erst ein Vorläufer des Urvogels Archaeopteryx.
Die lebensgetreue Rekonstruktion der Gefiederfärbung gelang, weil sich in dem versteinerten Skelett die Abdrücke von Zellorganellen für die Pigmentsynthese erhalten hatten. Die mikroskopisch kleinen, Melanosomen genannten Organellen bilden den Farbstoff Melanin, der bei allen Wirbeltieren für die Pigmentierung von Haut, Fell, Federn oder Schuppen verantwortlich ist.
Die Forscher hatten das Fossil mit dem Rasterelektronenmikroskop untersucht. Damit wurden Melanosomen von unterschiedlicher Größe und Gestalt sichtbar, die genauso aussehen wie bei heute lebenden Formen. Dabei bilden oval geformte Melanosomen graue und schwarze Pigmente, während die runden braune und rote Farbstoffe produzieren. An Hand der unterschiedlichen Verteilung der Formen von Melanosomen wurde schließlich die Federfärbung rekonstruiert.
Obwohl Anchiornis noch nicht fliegen konnte, vermuten die Forscher, dass sein buntes Aussehen, ähnlich wie bei modernen Vögeln, dazu diente, sich von ähnlichen Arten abzugrenzen und bei der Partnerwahl auf sich aufmerksam zu machen.
Noch viel mehr lässt sich uralten Knochen entlocken. So wie bei zahlreichen Funden des seit der letzten Eiszeit ausgestorbenen Mammuts, die sich im sibirischen Permafrostboden über viele tausend Jahre erhalten haben. Sogar aus 20.000 Jahre alten, getrockneten Kothaufen, mit denen eine längst ausgestorbene, südamerikanische Riesenfaultierart die von ihr aufgesuchten Höhlen markierte, konnten Wissenschaftler DNA gewinnen, die eindeutige Rückschlüsse auf den Höhlenbewohner und seine Nahrungsgewohnheiten ermöglichten.
Eine der größten Überraschungen präsentierte die US-Paläontologin Mary Higby Schweitzer von der North Carolina State University 2005. Aus den 68 Millionen Jahre Beinknochen eines sehr gut erhaltenen, fossilen Exemplars von Tyrannosaurus rex will sie Gewebefasern gewonnen haben, die nach einer Aufarbeitung im Labor wieder dehnbar wurden. Sogar Blutgefäße sollen sich darin erhalten haben. Nachuntersuchungen anderer Forscher sehen in den Gewebefasern jedoch verfilzte Mikroorganismenrasen.
Anklänge an den Film Jurassic park sind dennoch kaum zu übersehen. In dem von Hollywood Regisseur Steven Spielberg in Szene gesetzten Science-fiction-Streifen reanimieren Wissenschaftler den Schreckenszoo der Urzeitechsen mit Hilfe fossiler Saurier-DNA. Diese war mit der Blutmahlzeit in einer Mücke gelangt, die dann samt Inhalt von einem Baumharztropfen umfangen und als Bernstein konserviert wurde.
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