Sonntagabend. Ein Kino im Schatten der Skyline. Auf dem Programm steht "Zeiten ändern dich", Bushidos Leben auf Leinwand. Der Saal ist rappelvoll. Ich sehe mich um und sehe keinen Jugendlichen ohne kurz rasierte Haare und Hip-Hop-Kleidung. Meine Erwartung, einen eher inhaltslosen Film zu sehen, bestätigt sich. Eines aber ist mitreißend: An den Stellen mit Live-Ausschnitten aus Bushidos Konzerten rappt das ganze Kino mit. Die Gesichter der Leute sind ernst. Sitznachbar Mohamed verrät mir, dass er später mal wie Bushido sein will, den Style habe er heute schon.
Am nächsten Tag. Bushido kommt in das selbe Kino in Frankfurt am Main, um Autogramme zu verteilen. Hunderte Jugendliche warten auf den deutschen Eminem. Durch einen eigens aufgestellten Metallzaun werden die Teenies vom VIP-Bereich getrennt. Als der Berliner Rapper aus dem Notausgang kommt, kennt die Masse kein Halten mehr.
Die Gäste rasten aus. In den hinteren Reihen haben sie Angst, nicht dranzukommen. Aggressivität liegt in der Luft. Einige drehen durch und schlagen um sich. Die ersten kleineren Gegenstände fliegen auf Bushido und seine Manager. Sofort muss sich der Rapper schützen. Er flüchtet in den Pressebereich. Er ist "abgefuckt", wie er sagt. Der Mann, der sich ein "B" auf den Hals tätowiert hat, brodelt vor Wut. "Wieso organisieren die das nicht anständig?", ruft Bushido und fährt einen Reporter der Lokalpresse mit den Worten an "Hör auf mich zu filmen, du Respektloser!" Sein Manager beruhigt ihn. Es folgt ein Pressegespräch. Zwei Mädchen von einem Jugendradiosender bitten um einen Rat fürs Leben.
"Scheißegal, wie es aussieht, macht euer Ding." Als er weiter ausholen will, dröhnt ein Stockwerk tiefer aus der Masse heraus: "Komm runter, Hurensohn." Bushido stockt kurz, um dann zu drohen: "Wenn ich jetzt kein Star wäre, würde ich den schlagen. Meine Familie ist tabu." Respekt ist bei ihm ein Zauberwort. Er kommt immer wieder darauf zu sprechen. "Respekt ist vieles. Aber sicher nicht, wenn man meinen Film kritisiert. In Deutschland gibt es ein paar mächtige Politiker und Journalisten, die die Meinung in diesem Land vorgeben. Sie haben aber keine Ahnung."
Die Ignoranz schockiert mich. Fest steht: Selbstbewusstsein hat dieser Mann, dessen Name "Weg des Kriegers" bedeutet. Nicht alles ist Image - in ihm steckt tatsächlich Aggressivität. Am Ende stehen alle mit leeren Händen da. Kein einziger Fan hat ein Autogramm und Bushido keine Werbung in eigener Sache. Der Kommentar des Rappers: "Hätte ich das organisiert, hätte alles geklappt." Als ich ihn frage, ob er diesen Tumult bei seiner Prominenz nicht gewöhnt sei, antwortet er: "Nein, krass der Abfuck hier, so etwas habe ich nicht verdient."
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