kalaydo.de Anzeigen

Fehlinvestitionen: Gekürzt, verschoben oder verfallen

Immer wieder schlug Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) neue Bildungsprojekte vor. Ein Großteil hielt nicht, was sie versprach, zeigt ein neues "Schwarzbuch Schavan".

Der stillgelegte Wissenschaftszug wartet auf neue Aufgaben.
Der stillgelegte Wissenschaftszug wartet auf neue Aufgaben.
Foto: privat

Zum Geburtstag wird gern das gute Buch gereicht. Was aber in diesen Tagen der Bundestagsabgeordnete und Haushaltsexperte der SPD, Klaus Hagemann, Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) zum Einjährigen der schwarz-gelben Koalition auf den Gabentisch legte, wird die wohl so sehr freuen wie ein Rheumakissen.

Aus Anlass des Geburtstags und der aktuellen Haushaltsberatungen für 2011 sammelte der Sozialdemokrat in seinem „Schwarzbuch Schavan“ Beispiele für Bildungs- und Forschungsprojekte, die die Fachministerin anzugehen versprochen, aber nur ansatzweise umgesetzt hatte – wenn überhaupt.

Eines vorweg: Das Bildungsministerium kann als einziges Ressort überhaupt Zuwächse verbuchen: 2011 steigt sein Etat um 7,2 Prozent auf 11,65 Milliarden Euro. Fakt aber ist auch: Im Bildungsministerium, das macht die Hagemann’sche Auflistung etwa anhand von Auszügen aus Antworten des BMBF auf mehrere Anfragen deutlich, wimmelt es nur so von Baustellen. So sieht der Regierungsentwurf 2011 etwa für die Finanzierung verbindlicher und bundesweit vergleichbarer Sprachstandstests für alle Kinder von vier Jahren sowie für eine gezielte Sprachförderung bei Bedarf (beides hehre Ziele im Koalitionsvertrag) statt fünf, jetzt nur noch vier Millionen Euro vor.

Schavan hatte ferner drei Millionen Euro Bundesmittel versprochen, von denen vor allem ärmere und im Bildungssystem benachteiligte Kinder profitieren sollten. Lokale Bildungsbündnisse aber und damit ein weiteres Koalitionsvorhaben, in denen Verwaltung, Vereine und engagierte Bürger außerschulische Bildungsangebote mit Unterstützung des Bundes organisieren sollen, wurden auf Eis gelegt und sollen frühestens ab 2013 Thema sein.

Ebenfalls verschoben beziehungsweise komplett eingestellt wurden das „Zukunftskonto Bildung“ und das Freiwillige Technische Jahr (die FR berichtete). Ähnliches lässt sich auch in der Aus- und Weiterbildung entdecken, gerade in jenem Bereich, in dem der Bund Bildung tatsächlich autonom gestalten kann: Jene Bildungsprämie etwa, die Berufstätigen die Weiterqualifizierung finanziell erleichtern soll, bleibt weit hinter dem gesetzten Ziel zurück: 2009 und 2010 war dafür ein Finanzvolumen von 11,5 beziehungsweise 18 Millionen Euro veranschlagt; ausgezahlt aber wurde nur ein Bruchteil (0,2 und 0,9 Millionen Euro).

Und auch die Berufsorientierung von Schülern, die Schwarz-Gelb explizit ausbauen wollte, entpuppt sich eher als Spar- denn Investitionsobjekt: Laut Regierungsentwurf 2011 sollen die Bundesmittel hier von bislang 50 Millionen Euro um satte 31,5 Millionen schrumpfen.

Schwachpunkte zeigen sich auch in Hochschul- und Forschungsbereich: Vom Nationalen Stipendienprogramm, in dessen Genuss 2011 gerade einmal 6000 bis 10000 Studierende kommen sollen (anvisiert sind im Koalitionsvertrag insgesamt 160000 Stipendiaten) bis zur Begabtenförderung, deren Zuschüsse 2011 um ein gutes Drittel auf rund 137 Millionen Euro fallen sollen. Immerhin aber erklärte Schavan jetzt gegenüber den zwölf großen Förderwerken, sich für eine zusätzliche Erhöhung um 35 Millionen Euro stark machen zu wollen.
Ein Teilbetrag könnte dafür aus dem Erlös des „Science Train“ kommen – sofern die Ministerin für ihn eine kreative und lukrative Lösung findet: Nachdem ihn das Ministerium erst im „Wissenschaftsjahr 2009“ auf die Schienen und Interessierten bundesweit in zwölf Themenwaggons geballtes Wissen näherbrachte, steht er laut BMBF nun seit neun Monaten auf einem Abstellgleis des Güterbahnhofs Bergholz-Rehbrücke in Brandenburg. Kostenpunkt: sieben Millionen Euro. Eine klare Fehlinvestition.

Doch das ist noch nichts, verglichen mit jenem Kostenpart, der Schavans Ministerium bislang insgesamt an Haushaltsmitteln zur Verfügung stand und offenbar nie abgerufen wurde: Laut „Schwarzbuch“ ließ das Ressort über 473 Millionen Euro verfallen.

Autor:  Yvonne Globert
Datum:  24 | 9 | 2010
Kommentare:  1
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Quiz

Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.

Aurora Borealis

Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Anzeige

Videos
Ressort

Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung


Spezial
www.museocereanatomiche.it

Neue Forschungsergebnisse in der Medizin, der Blick in das Innere des Menschen - mehr zu lesen im FR-Spezial Medizin.

Rückblick auf 50 Jahre
Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin in seinem Raumanzug bei Übungen zum ersten bemannten Weltraumflug. Gagarin umkreiste am 12. April 1961 in der Raumkapsel Wostok als erster Mensch die Erde.

Zum fünfzigsten Jahrestag des ersten Starts der Menschheit ins Weltall hat die russische Raumfahrtagentur ein Video veröffentlicht.

Anzeige

Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.

Spezial
Blick in die Magellanwolke

Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.

Spezial

Vor vierzig Jahren brachen mutige Männer auf, um einen Menschheitstraum zu erfüllen - die Landung auf dem Mond.

Umfrage: Sind Feedback-Fahrten für Fahranfänger sinnvoll?

Die Koalition plant offenbar, nach österreichischem Vorbild sogenannte Feedback-Fahrten für Führerscheinneulinge einzuführen. Die müssen drei Monate nach ihrer Prüfung erneut Fahrstunden nehmen. Gute Idee - oder Unsinn?

Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Harry Nutt
Leitartikel zum Eurovision Song Contest 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande 
Spezial

Sie sollte das Studium vereinfachen, das Hochschulwesen europaweit vereinheitlichen. Die Kritik an der Bologna-Reform lässt nicht nach.

Ein Jahr Fukushima
Test auf Strahlenspuren.

Ein Jahr nach dem 11. März 2011 zeigen wir, wie das Unglück Japan und die Welt verändert hat.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!