Helden, sagt Luise Maidowski, sind Menschen, die Gutes tun. Ihre Heldin ist Pippi Langstrumpf. "Ich finde sie ganz toll, weil sie so stark ist", sagt sie über die Fantasiefigur der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. "Helden im Himmel" heißt Luises Theaterstück, mit dem sie den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gewonnen hat. Es handelt von Soldaten, die im Krieg gefallen sind. Wenn Luise davon erzählt, spricht aus ihr eine junge Erwachsene. Dabei ist die Schülerin aus Münster erst 14.
"Wir sind doch keine Helden, nur weil wir die Feinde des Vaterlandes töten!" lässt Luise einen ihrer Protagonisten sagen. Sein Name ist Paul und sein Charakter stark angelehnt an jenen Soldaten, der in Erich Maria Remarques Anti-Kriegs-Roman "Im Westen nichts Neues" einem französischen Kameraden nach dem Grabenkampf vergeblich helfen will und ihm verzweifelt beim Sterben zusehen muss.
Auch Paul ist in Luises Stück des Todes und findet sich im Himmel wieder, wo er auf alte Kameraden trifft. Sie waren noch Schüler, als sie zu Kaisers Zeiten - angestachelt von ihren Lehrern - voller Enthusiasmus in die Schlacht zogen. "Das war wirklich so", sagt Luise. Sie hat es genau recherchiert, Bücher gewälzt, im Beisein ihres Vaters den Remarque-Stoff in zwei Verfilmungen gesehen und mit einem Weltkriegs-Veteranen aus ihrer Nachbarschaft gesprochen.
"Sie hat sich ein bisschen zur Forscherin entwickelt", sagt Marlies Baar und deutet damit an, mit welcher Ernsthaftigkeit sich Luise dem Thema gewidmet hat. Baar ist Lehrerin für Latein und Geschichte an Luises Schule. Sie und Vater Ulrich haben das Mädchen bei ihrem Vorhaben betreut. Viele Stunden am Wochenende und in den Ferien, insgesamt ein halbes Jahr lang, hat sich die Schülerin eines bischöflichen Mädchengymnasiums mit ihrem Theaterstück beschäftigt.
Aufräumen mit Peter Fox
Auch ihre drei älteren Brüder haben schon bei dem alle zwei Jahre organisierten Geschichtswettbewerb mitgemacht. Von der erfolgreichen Teilnahme Luises zeugt eine Urkunde mit der Unterschrift Horst Köhlers.
Luise wohnt, anders als ihre Heldin Pippi Langstrumpf, bei ihren Eltern. Ihr Zimmer ist tadellos aufgeräumt. Bücher stehen akkurat aneinander gereiht im Regal, im Fach darüber DVD, in dem darunter CD. "Wenn ich Langeweile habe, sortiere ich sie wieder um", sagt Luise. Dabei muss sie ein bisschen über sich selbst lachen. Aufräumen sei eine gute Gelegenheit, um Musik zu hören - am liebsten Justin Timberlake oder Peter Fox.
An der Wand über dem Schreibtisch hängt ihr Stundenplan. Er ist picke packe voll. Täglich fährt sie von ihrem behüteten Zuhause mit dem Bus ins Stadtzentrum Münsters, wo sie und fast 1000 Mitschülerinnen die Marienschule besuchen. Vor dem Kunstunterricht gruselt es ihr ein wenig. "Ich kann nicht so gut malen", sagt sie. Die 14-Jährige hat ein anderes Talent. Sie schauspielert für ihr Leben gern. Jetzt in der 8. Klasse konnte sie Darstellendes Spiel sogar als Fach wählen. Klar hat sie das gemacht. Schließlich will sie Schauspiel studieren.
Die Idee für ein Stück über gefallene Soldaten kam ihr bei einer öffentlichen Führung entlang der Kriegsdenkmäler in Münster. Die brachte sie zur entscheidenden Frage: "Sind Soldaten Helden?" Eine Antwort stand in Stein gemeißelt: "Er starb den Heldentod fürs Vaterland."
In Feldpost und Kondolenzschreiben, die Luises Großmutter aufbewahrt hat, begegnet ihr diese Rhetorik wieder. Das Mädchen findet diese Worte unpassend. Ein Soldat, der tötet und selbst getötet wird, sei kein Held. "Wenn man eine Pflicht erfüllt, sollte man sich überlegen, ob das wirklich gut und menschlich ist, was man tut."
Wilhelm, ein weiterer Protagonist ihres Stückes "Helden im Himmel" sieht das ganz anders. Er und Paul streiten darüber, während auf der Erde bereits der nächste Weltkrieg tobt. Beide versöhnen sich, ohne aber den anderen zu überzeugen. "Ich wollte, dass sich das Publikum selbst eine Meinung bildet, wer ein Held ist und wer nicht", begründet Luise das offene Ende. Frieden gibt es in ihrem Theaterstück nur im Himmel - und auf Erden erst in einer weit entfernten Zukunft.
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