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13. September 2012

Geschmackssinn: Abscheu vor Koriander erblich

Wenn Essen mit Koriander nach Seife schmeckt, sind womöglich die Vorfahren schuld.  Foto: Michael Schick

Ob man Koriander mag oder den Geschmack für widerlich seifig hält, hängt zum Teil von genetischen Faktoren ab. Dabei spielt ein Gen, das den Bauplan für einen Geruchsrezeptor trägt, eine entscheidende Rolle.

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Ob man den Geschmack von Koriander liebt oder hasst, liegt zumindest teilweise in den Genen. Das zeigt die Studie eines US-Forscherteams mit fast 30.000 Freiwilligen. Vor allem ein Erbgutabschnitt scheint dabei zu bestimmen, ob das Aroma grüner Korianderblätter einen Testesser an Seife erinnert oder nicht: Träger einer bestimmten Variante dieses Gens geben überdurchschnittlich häufig an, Koriander schmecke widerlich seifig. Die betroffene Erbanlage ist für den Bau eines Geruchsrezeptors zuständig, der wiederum auf bestimmte Anteile im Koriander-Aroma reagiert, berichten Nicholas Eriksson von der auf private Genom-Analysen spezialisierten Firma 23andMe und seine Kollegen in einer Online-Veröffentlichung in der Dokumentensammlung arXiv.org. Laut dem News-Dienst des Fachmagazins „Nature“, der ebenfalls über die Untersuchung berichtet, deuten zudem zwei weitere aktuelle Studien darauf hin, dass es Gene gibt, die das Schmecken von Koriander beeinflussen.

17 Prozent der Europäer lehnen Koriander ab

Viele Menschen mögen den intensiven, aromatischen Geschmack von Korianderkraut, während andere ihn kaum ertragen können. Die zweite Fraktion ist dabei allerdings in der Minderheit: Wie zwei kanadische Forscher im Mai dieses Jahre eruierten, verabscheuen 21 Prozent der Ostasiaten, 17 Prozent der Europäer und 14 Prozent der Afrikaner das Kraut. Bei den Südostasiaten, den Lateinamerikanern und den Menschen aus dem Mittleren Osten, in deren Küche das Kraut häufig verwendet wird, sind es sogar nur zwischen drei und sieben Prozent.

Ob dieser teilweise leidenschaftlichen Ablehnung jedoch kulturelle oder genetische Faktoren zugrunde liegen oder ob beide eine Rolle spielen, war bisher nicht ganz klar. Zwar deuteten Studien bei Zwillingen auf eine genetische Komponente hin, welche das sein könnte, war jedoch unbekannt.

Geruchsrezeptor spielt entscheidende Rolle

Einen der entscheidenden Erbgutabschnitte haben Eriksson und sein Team nun offenbar identifiziert: Es handelt sich um ein Gen, das den Bauplan für einen Geruchsrezeptor namens OR6A2 trägt. Dieses Sensorprotein ist vor allem auf Aldehyde spezialisiert, chemische Verbindungen, die im Aroma von Koriander zu Hauf vertreten sind. Das Gen und damit auch der Rezeptor kommen in mindestens zwei Varianten vor. Die eine scheint dabei die seifige Qualität des Koriandergeschmacks stärker hervortreten zu lassen als die andere, berichten die Forscher. Denn Probanden, die von ihren Eltern zwei Kopien dieser Variante geerbt hatten, lehnten Koriander häufiger ab als Testteilnehmer, die nur eine oder gar keine Kopien der seifigen Version in ihrem Erbgut trugen.

Fast gleichzeitig haben auch ein kanadisches und ein weiteres US-amerikanisches Forscherteam einen Zusammenhang zwischen weiteren Genen und der Vorliebe für Koriander gefunden, berichtet „Nature“. Die Kanadier identifizierten noch ein anderes Gen für einen Geruchsrezeptor und ein auf bitteren Geschmack spezialisiertes Sensorprotein als entscheidend für den Geschmackseindruck des Krauts. Die Amerikaner fanden sogar mehrere Gene, die sie mit der Ablehnung des Koriander-Aromas in Verbindung bringen, und sie vermuten, dass es noch mehr davon gibt. Aber auch den kulturellen Aspekt dürfe man nicht außer Acht lassen, betont Nicholas Eriksson gegenüber „Nature“: Wie er aus eigener Erfahrung wisse, sei es durchaus möglich, sich auch als Korianderverabscheuer mit der Zeit an den Geschmack des Krauts zu gewöhnen. (dapd)

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