Die Wissenschaftler stellten fest, dass vor allen in jenen Gegenden mehr Menschen sterben, in denen Eschen einem eingeschleppten Käfer zum Opfer fallen. Oft sind dann Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache.
„Verständlicherweise neigt man bei der Betrachtung unserer Resultate dazu, die erhöhte Mortalität irgendeinem anderen Einflussfaktor zuzuschreiben, dem Einkommen oder der Bildung etwa, und nicht dem Verlust an Bäumen“, sagt Hauptautor Geoffrey Donovan vom US Forest Service. Das Muster lasse sich allerdings in Regionen mit höchst unterschiedlichen Rahmenbedingungen nachweisen, so der Forscher.
Mehrfach haben Studien einen Zusammenhang zwischen einer grünen Umgebung und einer besseren Gesundheit der Anwohner aufzeigen können. Meist handelte es sich allerdings um Querschnittsstudien, bei denen verschiedene Gruppen von Menschen zu einem gegebenen Zeitpunkt betrachtet werden. Der Nachweis eines ursächlichen Zusammenhangs zwischen grüner und gesünder lässt sich mit solchen Untersuchungen nicht erbringen.
Donovan und Kollegen stützen ihre neue Analyse auf ein natürliches Langzeitexperiment mit derzeit kaum absehbaren Folgen: Im Jahr 2002 war der Asiatische Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis) in Michigan aufgetaucht und hat mittlerweile auch die benachbarten US-Bundesstaaten sowie den Südosten Kanadas erreicht. Die von ihm befallenen Eschen - nicht zuletzt beliebte Straßen- und Parkbäume - verlieren ihr Laub und sterben bei stärkerem Befall ab. Bis heute sind dem Käfer in der Region schätzungsweise 100 Millionen Bäume zum Opfer gefallen.
Die Forscher trugen Meldungen zum Eschenprachtkäferbefall in 1.296 Landkreisen in Michigan und 14 weiteren Bundesstaaten zusammen und verknüpften diese mit amtlichen Daten zur Bevölkerung, Bildung und Wirtschaft für die Jahre 1990 bis 2007. Die statistische Modellierung ergab, dass der Käferbefall selbst unter Berücksichtigung aller übrigen erfassten Faktoren einen Unterschied macht.
Mit dem Auftauchen des Käfers in einem Landkreis steigt die Mortalität durch Atemwegserkrankungen im Schnitt um knapp 7 und jene durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen um beinahe 17 Todesfälle pro 100.000 Erwachsene und Jahr, berichten Donovan und Kollegen im Fachmagazin American Journal of Preventive Medicine. Insgesamt schätzen die Forscher den Effekt auf rund 21.000 zusätzliche Todesfälle im Zeitraum 2002 bis 2007.
Im Vergleich mit früheren Studien lieferten die neuen Resultate deutliche Hinweise auf einen kausalen Zusammenhang zwischen Bäumen und Gesundheit, schreiben die Forscher. Ein Beleg stehe jedoch nach wie vor aus, ebenso wie konkrete Erkenntnisse zu den potenziellen Wirkmechanismen. Denkbare Erklärungen gebe es freilich viele, so Donovan und Kollegen. So könnten mehr Bäume eine bessere Luftqualität, ein günstigeres Mikroklima, mehr körperliche Aktivität und weniger Stress mit sich bringen.
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