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Gesundheitsrisiko: Schädlicher Fluglärm

Anwohner von Flughäfen sind besonders gefährdet, einen Schlaganfall oder Herz-Kreislauf-Krankheiten zu bekommen. Ein Bremer Forscher berechnet die Folgen hoher Dezibelzahlen. Von Anne Brüning

Die Studie sieht Menschen, die in der Nähe von Flughäfen leben, erheblich gefährdet.
Die Studie sieht Menschen, die in der Nähe von Flughäfen leben, erheblich gefährdet.
Foto: afp

Fluglärm erhöht das Risiko für Herz-Kreislaufleiden und Krebserkrankungen. Das haben Forscher um den Bremer Arzt und Epidemiologen Eberhard Greiser in einer für das Umweltbundesamt vorgenommenen Studie herausgefunden. Das Team hat Krankenkassendaten von mehr als einer Million Versicherten aus der Umgebung des Flughafens Köln/Bonn ausgewertet. Dabei berücksichtigten die Forscher nur Daten von Frauen und Männern, die älter als 40 Jahre waren.

Die Auswertung ergab, dass Frauen, die tagsüber einer Fluglärmbelastung von mehr als 40 Dezibel ausgesetzt sind, ein fast doppelt so hohes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen haben wie andere Frauen. Eine Lärmbelastung von 40 Dezibel entspricht etwa dem Schallpegel einer Kneipe. Bei Männern erhöhte die Lärmbelastung das Risiko um 69 Prozent. Bei Frauen stellten die Forscher überdies ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs und Leukämie fest.

Basierend auf seinen Daten aus Köln/Bonn hat Greiser berechnet, wie sich der Lärm des Frankfurter Flughafens auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkt. Greiser nutzte dazu Bevölkerungszahlen aus dem Jahr 2005.

Im Gebiet des Frankfurter Flughafens kommt es demnach in einem Zeitraum von zwei Jahren zu 13300 zusätzlichen Herz-Kreislauferkrankungen, darunter 6000 Schlaganfälle. Ohne Fluglärm wären in der Region 88500 Herz-Kreislauferkrankungen zu verzeichnen. Außerdem gehen dem Forscher zufolge 2600 Brustkrebserkrankungen bei Frauen auf das Konto des Fluglärms. Ohne Fluglärm würden in der Region knapp 8000 Frauen in einem Zweijahreszeitraum neu an Brustkrebs erkranken, der Fluglärm erhöht diese Zahl demnach auf mehr als 10000.

"Ein Zusammenhang von Fluglärm und Krebs wurde bisher erst in einer Studie entdeckt", berichtet Greiser. Er vermutet, dass das Immunsystem den Effekt vermittelt. "Lärm ist ein Stressfaktor, der auch auf das Immunsystem wirkt. Er lässt zum Beispiel die Zahl der natürlichen Killerzellen absinken, die auch für die Abwehr von Krebszellen zuständig sind", erläutert der Forscher. Dass sich Lärm auf das Herz-Kreislaufsystem auswirkt, wurde dagegen schon mehrfach in Studien gezeigt.

Autor:  Anne Brüning
Datum:  13 | 12 | 2009
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