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Gladiator Florian Gartner: "Wie die Trojaverfilmung mit Brad Pitt"

Eine Gruppe junger Studenten schlüpft für sechs Monate in die Rolle von Gladiatoren. "Nennen Sie mich ruhig Memnon", sagt Florian Gartner im FR-Interview. Sie wollen so mehr über das Leben der Profikämpfer lernen.

Mit Schild und Lendenschurz in den Kampf.
Mit Schild und Lendenschurz in den Kampf.
Foto: Natalie Glas

Salve, Herr Gartner.

Salve. Sie können mich auch Memnon, den Secutor nennen. Das ist mein offizieller Gladiatoren-Name. Nach der griechischen Mythologie war Memnon ein König der Äthiopier.

Zur Person

Florian Gartner (20) studiert Geschichte und Latein. Er gehört zu einer Gruppe von jungen Studenten, die an einem Gladiatoren-Projekt der Universität Regensburg teilnehmen. Sechs Monate lang trainieren und kämpfen die jungen Männer wie im alten Rom.

Die Fitness- und Ernährungspläne haben die Wissenschaftler antiken Quellen entnommen. Historiker, Psychologen, Sport- und Ernährungswissenschaftler erhoffen sich von der wiederbelebten Antike, mehr über das Leben der Profikämpfer in Erfahrung zu bringen. Im August ziehen die Regensburger Gladiatoren in die ehemalige Provinzstadt Carnuntum, 40 Kilometer östlich von Wien. Dann heißt es: vier Wochen Tunika und Lendenschurz. (ki)

Und was ist ein Secutor?

Das ist die Waffengattung, der ich zugeordnet wurde. Im Kampf habe ich am linken Bein bis unters Knie einen wattierten Stoffstiefel mit einer Bronzeschiene drüber. Der rechte Arm steckt ebenfalls in einer Schiene, einer Manica. Auf dem Kopf trage ich einen geschlossenen Visierhelm mit zwei Augenlöchern. Mein Oberkörper ist ungepanzert, aber ich habe einen großen Legionärsschild. Meine Waffe ist das Kurzschwert. Klingt sehr martialisch.

Was bringt einen dazu, Gladiator zu spielen?

Das ist kein Spiel, sondern ein wissenschaftliches Projekt mit Psychologen, Medizinern, Sport- und Ernährungswissenschaftlern. Ich selbst studiere Geschichte und Latein. Das ist für mich die einmalige Gelegenheit, die Antike mal hautnah zu erleben. Natürlich ist das nicht hundertprozentig authentisch, aber wir versuchen möglichst nah an die antike Realität heranzukommen.

War die Umstellung auf das antike Leben schwer?

Ich muss fünfmal pro Woche trainieren. Das war anfangs ziemlich anstrengend, weil ich vorher kaum Sport gemacht hatte. Bekannte, die mich länger nicht mehr gesehen haben, sagen jetzt, dass ich schlanker geworden bin. Ich habe zwar höchstens ein Kilo abgenommen, aber beim Training offenbar Fett in Muskeln verwandelt.

Was sagt Ihre Freundin dazu?

Ich habe jetzt gar keine Zeit für eine Freundin. Gladiatoren und Uniprüfungen nehmen mich zu sehr in Anspruch. Ich komme ja kaum noch dazu, mal auszugehen.

Das wäre zurzeit auch langweilig. Es heißt ja, Sie dürften keinen Alkohol trinken und müssten sich von Hülsenfrüchten ernähren.

Ja, das stimmt. Wir versuchen uns möglichst so zu ernähren wie die Gladiatoren damals. Deshalb sind etwa Schokolade, Kaffee, Cola und Schnaps tabu. Wein darf ich ab und zu trinken. Wir wissen aus antiken Quellen, dass die Gladiatoren streng Diät hielten. Sie ernährten sich vor allem von Hülsenfrüchten, meist zum Getreidebrei vermischt. Das ist sehr eiweißhaltig.

Wie bekommt Ihnen das?

Wenn man erst mal auf die vielen Linsen und Bohnen umgestellt hat, dann schafft die Verdauung das ganz gut. Seit der Gladiatoren-Diät habe ich auch keinen Muskelkater mehr. Das kann natürlich auch am täglichen Training liegen - vielleicht sind es aber auch die Linsen. Nach dem antiken Arzt Galen machen die Hülsenfrüchte die Muskeln besonders weich und elastisch.

Heißt es nicht immer: Fleisch macht Muskeln?

Das galt zumindest nicht für die Gladiatoren. Darüber waren wir auch sehr überrascht. Sie haben sich meistens vegetarisch ernährt und kaum Fleisch gegessen.

Ich habe gehört, dass es kurz vor Ihrem ersten Schaukampf in Pfaffenhofen Weißwürstchen gab. Ein Fauxpas des Veranstalters?

Darüber waren wir Gladiatoren gar nicht begeistert, denn Weißwürste gab es ja nun definitiv nicht im alten Rom. Aber wir haben sie dann doch gegessen, weil wir uns ja für den Zweikampf stärken mussten.

Waren Sie erfolgreich?

Beim ersten Mal wurde ich "verletzt". Aus dem zweiten Kampf ging ich als Sieger hervor. Ich habe den Gegner an der Brust erwischt, das wäre vermutlich damals eine tödliche Verletzung gewesen, aber wir kämpfen ja nur mit hölzernen Waffen.

Im Trainingsplan steht auch der "Achillessprung". Was ist das?

Der funktioniert tatsächlich wie in der Trojaverfilmung mit Brad Pitt: In einer Zweikampfszene läuft Achilles an, springt hoch und setzt den Gegner mit einem Stich zwischen Hals und Schulter schachmatt. Wir dachten alle: typisch Hollywood, das klappt doch nie. Aber es funktioniert - wenn man lange übt und hoch genug springen kann. Das schaut sehr athletisch aus und ist gut fürs Publikum.

Apropos Publikum: Damals waren Gladiatorenkämpfe eine blutige und menschenverachtende Angelegenheit. Warum fasziniert Sie das heute noch?

Um die römischen Gladiatoren ranken sich viele Klischees und es ist schwierig, die Kämpfe aus heutiger Sicht zu bewerten. Sicher war das eine Massen-Unterhaltung, die menschenverachtend war. Aber es gingen bei Weitem nicht alle Kämpfe um Leben und Tod. Gräberfunde haben gezeigt, dass vermutlich nur etwa ein Zehntel der Kämpfe für den Unterlegenen tödlich ausging.

Hat das Publikum bei Ihrer Niederlage den Daumen nach oben oder nach unten gehalten?

Soweit lassen wir es erst gar nicht kommen. Einer unserer Trainer ist der Schiedsrichter. Er beendet den Kampf und sagt, wer gewonnen hat.

Ab September ist Schluss mit dem Gladiatorenleben. Was tun Sie als erstes, wenn Sie keine Diät mehr halten müssen?

Da kann ich nur sagen, dass ich vermutlich auch in Zukunft viele Gladiatorengerichte essen werde, da sie erstaunlich gut schmecken und billig sind. Trotzdem freue ich mich schon auf die erste Tafel Schokolade und eine große Portion Pommes mit Ketchup.

Interview: Katja Irle

Datum:  21 | 6 | 2010
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