Aktuell: Eintracht Frankfurt | Fußball-News | Blockupy | Ukraine | Polizeimeldungen Frankfurt/Rhein-Main

Wissen
Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung

05. September 2012

Handelsblatt-Ranking: 300 Professoren boykottieren Ranking

 Von 
Zu viele Zahlen, zu wenig echte Werte: Die Kritik an Hochschulrankings nimmt zu. Foto: imago stock&people

Nächsten Montag veröffentlicht das Handelsblatt sein neues BWL-Ranking. Doch die Aussagekraft dürfte deutlich eingeschränkt werden: Gut 300 BWL-Professoren wehren sich gegen die Bewertung - und sprechen in einem offenen Brief von Manipulation.

Drucken per Mail

Die Hochschullehrer fordern vom Handelsblatt, aus sämtlichen Rankings gestrichen zu werden. In einem offenen Brief kritisieren sie die "Eindimensionalität der Leistungsmessung", die ausschließlich auf Publikationen in Zeitschriften basiert. "Rankings des Forschungsoutputs, besonders solche, die eine Öffentlichkeitswirkung entfalten, führen indirekt zu einer Abwertung von Tätigkeiten außerhalb der Forschung", heißt es in dem dem Aufruf zum Boykott, den am Dienstagabend bereits 305 Professoren aus ganz Deutschland unterzeichnet hatten.

Aus Sicht der Unterzeichner sind "Personenrankings" nicht nur "kein geeignetes Instrument, die Qualität von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu messen", sie "schaden" sogar "der Wissenschaft", weil sie die Forscher dazu veranlassten, bei ihrer Arbeit weniger nach Interesse und Relevanz zu gehen, als vielmehr danach, was die meisten Rankingpunkte bringt: "Die Innovativität nimmt ab", konstatieren die Initiatoren, der Mannheimer Professor Alfred Kieser und seine Kollegin Margit Osterloh von der Uni Zürich..

Handelsblatt verteidigt seine Methoden

Trotz der Kritik hält das Handelsblatt an der eigenen Bestenliste fest. In seinem eigenen Blog verkündet das Blatt jedoch, man nehme die "Kritik sehr ernst" und biete "den Forschern, die nicht mitmachen wollen, eine Opt-Out-Möglichkeit aus den Personenrankings". In die Bewertung des Hochschulrankings flössen sie jedoch mit ein. Die Zeitung hatte bereits 2009 eine Liste der "200 forschungsstärksten Betriebswirte" für die 2100 Forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bewertet wurden. Bereits damals habe es einen Aufschrei der Empörung unter der Professorenschaft gegeben, berichtet das Blatt.

Es verteidigt sich auch gegen die Vorwürfe der Wissenschaftler, das Ranking weise "gravierende methodische Mängel auf". Festzuhalten sei, "dass die Methode, die wir anwenden, eine in den Wirtschaftswissenschaften international gängige Vorgehensweise zur Evaluierung von Forschungsleistung ist", rechtfertigt sich die Zeitung. Das Ranking konzentriere sich bewusst nur auf die Messung der Forschungsleistung, da diese "eine der Kernaufgaben schlechthin" sei.

Die Forscher bemängeln auch, dass die falschen Anreize, die durch solche Rankings gesetzt würden, die Forscher zu Manipulationen verleiten könnten. Pikant ist in diesem Zusammenhang, dass einem der Shootingstars des Rankings von 2009, dem Mannheimer Professor Ulrich Lichtenthaler, inzwischen vorgeworfen wird, seine Publikationsliste aufgebläht zu haben. Das Handelsblatt selbst berichtete im Juli, mehrere Zeitschriften hätten Aufsätze von Lichtenthaler wegen Qualitätsmängeln zurückgezogen, eine Untersuchungskommission der Uni Mannheim prüfe seine Arbeiten. Sie geht auch dem Vorwurf nach, Lichtenthaler habe inhaltliche identische Studien mehrfach veröffentlicht.

Anreiz zum Eigenplagiat

Solche Fälle dürften die Boykott-Unterzeichner in ihrer Kritik bestätigen. In ihrem Schreiben warnen sie unter anderem: Angeheizt durch Rankings wie das des Handelsblatts versuchten Wissenschaftler, "aus ihren Forschungsprojekten so viele Aufsätze wie möglich zu pressen, indem sie beispielsweise identische oder fast identische Textpassagen in mehreren Aufsätzen verwenden".

Erst vor wenigen Wochen hatten Deutschlands Soziologen zum Ranking-Boykott aufgerufen. Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) kritisierte im Juli in einem Aufruf die „simplifizierende Ampellogik“ des bekanntesten deutschen Hochschulrankings, welches das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh alljährlich durchführt und das von der Wochenzeitung Die Zeit veröffentlicht wird.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Ressort

Nachrichten aus Wissenschaft und Forschung.

Anzeigenmarkt
Videonachrichten Wissen
Interaktive Grafik

Von der Bohne bis ins Regal: So entsteht Kakao für Schokolade und Getränke.

Interaktive Grafik

Über Nacht sterben europaweit in manchen Bienenstöcken 90 Prozent der Bienen-Bevölkerung.

Schutz der Ozonschicht
Das Nasa-Satellitenfoto dokumentiert die Größe des Ozonlochs über der Arktis im Winter 1999/2000. Je dunkler das Blau, desto dünner die Ozonschicht.

Was ist Ozon? Wofür ist Ozon wichtig? Und wie groß ist derzeit das Ozonloch? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es hier.

Interaktive Grafik

Was läuft schief bei Diabetes, was sind die Symptome - eine Animation erläutert die Hintergründe.

Quiz

Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Aurora Borealis

Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.

Interaktive Grafik

Indonesiens Wälder verschwinden für neue Plantagen - doch Palmöl ist auch für die Gesundheit relevant.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Anzeige
Sonnensturm
Hier ist ein Sonnensturm in weiß in der Mitte unten zu sehen.

Derzeit finden heftige Eruptionen auf der Sonne statt. Das verursacht magnetische Stürme auf der Erde.

Rückblick auf 50 Jahre
Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin in seinem Raumanzug bei Übungen zum ersten bemannten Weltraumflug. Gagarin umkreiste am 12. April 1961 in der Raumkapsel Wostok als erster Mensch die Erde.

Zum fünfzigsten Jahrestag des ersten Starts der Menschheit ins Weltall hat die russische Raumfahrtagentur ein Video veröffentlicht.

Spezial
Blick in die Magellanwolke

Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.

Spezial

Vor vierzig Jahren brachen mutige Männer auf, um einen Menschheitstraum zu erfüllen - die Landung auf dem Mond.