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Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung

11. September 2012

Hochbegabtenförderung: Hochbegabte haben es schwer

Deutschland hat in der Förderung von Hochbegabten noch Nachholbedarf, findet Christian Fischer von der Uni Münster. Foto: picture-alliance/ dpa

Christian Fischer ist Experte für Begabungsforschung an der Uni Münster. Er findet, dass Deutschland sich am Mittelmaß orientiert und die Schulen bisher zu wenig auf Hochbegabte ausgelegt sind.

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Hochbegabte haben es einem Experten zufolge an deutschen Schulen schwerer als etwa in skandinavischen Ländern. „In Deutschland haben wir eine deutliche Mittelmaßorientierung. Unsere Schulen sind bisher zu wenig auf Hochbegabte ausgelegt“, sagte der Experte für Begabungsforschung der Uni Münster, Christian Fischer. „Die skandinavischen Länder oder die Niederlande machen das besser“, sagte er anlässlich eines internationalen Kongresses für Begabungsforscher in Münster.

Deutschland habe zwar sehr viele Förderangebote für Kinder mit Lernschwierigkeiten, aber keine entsprechenden für Hochbegabte. „Da hat Deutschland deutlichen Nachholbedarf“, sagte der 47-Jährige. Ein gutes Beispiel dafür sei das Thema Inklusion, „das regelrecht wie ein Tsunami über das deutsche Bildungssystem schwappt“. Die Unterstützung, die es für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gebe, werde Kindern mit besonderen Begabungen nicht gewährt.

Deutschland fördert mehr, aber fordert weniger

Die arabischen Länder hätten hingegen erkannt, dass die dauerhaften Ressourcen nicht ihre Erdölvorräte, sondern die Begabungen ihrer Kinder seien. Eine bessere Hochbegabtenförderung gibt es demnach auch in Südostasien. „Bei uns hat Begabungsförderung immer noch das Geschmäckle einer Elite-Förderung“, sagte Fischer. Auch internationale Vergleichsstudien belegten, dass Deutschland mehr fördert, aber zu wenig fordert.

Eine Möglichkeit, die Defizite zu kompensieren, sieht der Vorsitzende des Internationalen Centrums für Begabungsforschung an der Uni Münster in dem flächendeckenden Einsatz von Senioren als Mentoren in der Schule. Fischer forderte, Ältere als sogenannte „Senior-Experten“ einzusetzen. Diese könnten auch hochbegabte Migranten besser fördern, die wegen Sprachschwierigkeiten in Deutschland für wenig begabt gehalten würden.

„Begabungen brauchen entsprechende Lernumwelten“, erklärte Fischer. Selbst Nobelpreisträger hätten sich oft in einer Umwelt bewegt, in der es schon Nobelpreisträger gab. Auch der bislang von Fischer organisierte Kongress „Begabungsförderung von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter“ setzt sich für „Senior-Experten“ an Schulen ein.

An der internationalen Tagung in Münster tauschen sich von Mittwoch bis Freitag rund 1000 Wissenschaftler und Experten aus 43 Ländern über die neuesten Ergebnisse der Begabungsforschung aus. (dapd)

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