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Hochschulen: Pakt mit Mängeln

Alles hofft auf eine Neuauflage des umstrittenen Uniprogramms, das mehr Abiturienten das Studium ermöglichen soll. Von Yvonne Globert

Kommt das komplette 18-Milliarden-Euro-Paket für Bildung und Forschung? Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zwar angekündigt, am heutigen Donnerstag ihr Ja zur Fortsetzung von Hochschulpakt, Exzellenzinitiative und Pakt für Forschung und Innovation zu geben.

Was aber, wenn durch die Finanzkrise für Bildung und Wissenschaft weniger als versprochen übrig bleibt? Was würde es bedeuten, wenn die drei Bildungsprogramme auf Eis gelegt werden? Und was haben sie bislang überhaupt gebracht?

Stichwort Hochschulpakt: Um die Hochschulen für einen Ansturm der geburtenstarken Jahrgänge zu rüsten, einigten sich Bund und Länder 2006 auf den Hochschulpakt 2020 und verabredeten darin, bis 2010 rund 90000 zusätzliche Studienplätze für Erstsemester zu schaffen. Bislang sieht es so aus, als ob das Vorhaben tatsächlich gelingt.

Westdeutsche Länder stagnieren

Doch es gibt auch reichlich Grund zu maulen. Dass die Quote bislang stimmt, verdankt die Bildungsnation vor allem den neuen Bundesländern und den Stadtstaaten, die zusätzliche Studienanfänger aufgenommen haben, obwohl sie laut Hochschulpakt lediglich ihr Niveau von 2005 halten mussten.

Nach Definition des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), das gerade eine "Halbzeitbilanz" zum Pakt vorgelegt hat, hat sich dieser vor allem als "Prämienmodell" für eine bessere "Auslastung vorhandener Kapazitäten" bewährt.

Will sagen: Beim Hochschulpakt geht es darum, möglichst viele Studentenköpfe mit dem Personal und der Ausstattung aufzunehmen, die bereits zur Verfügung stehen.

Bis 2010 stehen pro neuem Studenten 22000 Euro zur Verfügung. Genutzt haben die einzelnen Länder die Paktmittel bislang recht unterschiedlich: Die ostdeutschen Länder, denen die junge Generation immer stärker wegbricht, erhalten nun Stellen an den Hochschulen, die sie eigentlich abbauen wollten.

Geld fließt auch in Werbekampagnen, die West-Abiturienten das Studium in "Fernost" schmackhaft machen sollen. Käme der Pakt II nicht in vollem Umfang, würden die Abholzpläne wohl wieder aus den Schubladen geholt.

Die Stadtstaaten wiederum hat der Pakt dazu bewegt, Ausbaupläne zu entwickeln. Aber auch deren Umsetzung hängt nun an einer Neuauflage des Hochschulpaktes.

Was Experten insgesamt an den Hochschulen vermissen und bislang auch nicht von einer Fortsetzung des Programms erwarten, sind innovative Konzepte: Gerade weil der Pakt jeweils nur auf vier Jahre angelegt ist, heuern die meisten Unis Lehrbeauftragte an oder erhöhen die Lehrverpflichtung ihrer Mitarbeiter. Zuweilen ziehen sie auch neu zu besetzende Professuren vor. Von zusätzlichen Professuren lassen sie aus Kostengründen lieber die Finger.

Die Hauptkritik am Hochschulprogramm richtet sich somit nicht allein gegen seine finanzielle Ausgestaltung, die Bildungsexperten schon jetzt für zu knapp halten. Der Pakt sollte vor allem die Qualität des Studiums verbessern. Konkrete Bedingungen daran haben Bund und Länder aber nicht geknüpft.

Kommen auf einen Professor 160 BWL-Studenten, wie etwa an der Uni Köln, ist das nicht das Problem der Politik. Auch dann nicht, wenn Akademiker in spe das Studium abbrechen. Dabei wäre es auch möglich gewesen, vor allem jene Hochschulen zu belohnen, die ihre Studenten erfolgreich durchs Studium bringen.

Autor:  YVONNE GLOBERT
Datum:  3 | 6 | 2009
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