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27. Januar 2016

Hungerkatastrophe: Nachttemperatur: 40 Grad plus

 Von Susanne Götze
In zahlreichen Regionen herrscht bereits das zweite Jahre in Folge extreme Trockenheit.  Foto: picture alliance / dpa

Afrika leidet unter schwerer Dürre und steht vor einer Hungerkatastrophe. Zusätzlich verschärft werden die Extremwetter und ausfallenden Ernten in Ostafrika durch lokale Konflikte.

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Das World-Food-Programme warnt schon seit Monaten: Das Überleben von Millionen Menschen ist durch die Folgen des Wetterphänomens El-Niño bedroht. Bereits das zweite Jahr in Folge herrscht Wasserknappheit in afrikanischen und zentralamerikanischen Ländern. „In einigen Regionen Afrikas hat es schon das ganze vergangene Jahr nicht geregnet, die andauernde Trockenzeit durch den El-Niño verschärft die Situation nun noch“, sagt Fred Hattermann vom Potsdamer Institut für Klimaforschung. Bei einem El-Niño erwärmt sich das Oberflächenwasser im tropischen Pazifik, dadurch verändern sich Meeresströmungen, es kommt zu Wetteranomalien, darunter Dürren, Starkregen und global insgesamt höhere Temperaturen. Im Herbst hatten Meteorologen einen Super El-Niño vorausgesagt – dieser sei einer der stärksten der vergangenen 50 Jahre. „Durch die ohnehin knapp bemessene Versorgung, Bevölkerungswachstum und strukturelle Probleme ist Afrika besonders schlecht auf Wetterextreme vorbereitet“, sagt Hattermann. „Wenn es zu Klima- oder Wetterschwankungen kommt, geht es gleich Millionen von Menschen an die Existenz“. Aber alle Szenarien des Klimaforschers sprechen eine eindeutige Sprache: Auch ohne El-Niño werden diese Wetterextreme zukünftig zunehmen.

Besonders betroffen sind derzeit Südafrika, Teile Westafrikas und Äthiopien. Die Bundesregierung hat nun 70 Millionen Euro an Nahrungsmittelhilfe zugesagt, 40 Millionen fließen allein ins ostafrikanische Äthiopien. Dort wütete Anfang der 1980er Jahre eine der schlimmsten Hungersnöte, nun könnte sich die Tragödie wiederholen. „Die Regenzeiten im vergangenen Jahr sind ganz ausgefallen oder waren nur sehr schwach“, berichtet Hans Schoeneberger aus Äthiopien, wo er für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet. „Noch gibt es einige Vorräte aus dem Jahr 2014 aber die werden nicht mehr lange halten“, so der Entwicklungshelfer. Es sei nicht das erste Mal, dass der El-Niño in dieser Region zu Dürren führe. „Wenn die nächste Regenzeit Ende Februar in Äthiopien auch noch ausfällt, droht hier eine Katastrophe. Allein 18 Millionen Menschen könnten auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein.“ Acht Millionen seien ohnehin ständig von Lebensmittelhilfen abhängig, mit der Dürre kämen nochmals zehn Millionen hinzu. Der aktuelle El-Niño sei einer der stärksten überhaupt – ob der Klimawandel damit zu tun hat, kann der GIZ-Mitarbeiter nur mutmaßen.

Klimawandel mit System

Auch Klimaforscher sind vorsichtig. Eines sei jedoch klar: Das Wetterphänomen treffe die ohnehin angeschlagenen Regionen Afrikas besonders hart. Dürren und Extremwetter treten immer häufiger auf – auch ohne El-Niño. Trockene Regionen würden durch den Klimawandel stetig trockener und die eher feuchten Gebiete bekämen noch mehr Niederschläge: „Wenn es um Wetterextreme in Afrika geht, sprechen wir nicht nur über Dürren, mittlerweile gibt es auch vielerorts Hochwasser und Sturzfluten“, meint PIK-Forscher Hattermann. Das sei nicht weniger gefährlich, denn Starkregen vernichte ganze Ernten, und durch Hochwasser kämen regelmäßig Menschen zu Tode. Die Temperaturen würden sich in vielen Regionen Afrikas hingegen stetig nach oben bewegen – egal ob in Trocken- oder Feuchtgebieten.

Laut einer neuen Studie von Klimaforschern, darunter Stefan Rahmstorf vom PIK, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass der globale Temperaturanstieg ohne den menschlichen Eingriff zu erklären ist. Der Klimawandel hat demnach System und ist keine bloße Anreihung von „natürlichen Schwankungen“, so die Wissenschaftler. Lokal habe die Erwärmung vielerorts zu nie dagewesenen Hitzewellen geführt – die Menschenleben gekostet sowie Dürren und Waldbrände verschlimmert haben.

„Dürren entstehen in Afrika vor allem durch die Folgen des Klimawandels und Landnahme-Effekten“, meint auch Heiko Paeth von der Universität Würzburg. „Sie sind also oft hausgemacht“, erklärt der Klimaforscher. Durch intensive Landnutzung und Abholzung für Weideflächen oder Landwirtschaft verändere sich das lokale Klima. Schuld daran ist die Unterbrechung des „kleinen Wasserkreislaufs“ von Niederschlag, Abfluss und Verdunstung. Dieser funktioniere nur dort, wo es auch ausgeprägte Vegetation, etwa Buschlandschaft oder Wälder gebe. Wird der Wasserkreislauf teilweise unterbunden, erhöhen sich auch die Temperaturen. Angeheizt wird das Klima dann noch vom ohnehin vorhandenen globalen Treibhauseffekt. „So kommt es, dass wir in solchen Ländern schon über 40 Grad gemessen haben – allerdings mitten in der Nacht“, berichtet der Forscher. In vielen afrikanischen Ländern steigen die Temperaturen ungleich schneller als etwa in Europa. „Bis 2050 werden die Temperaturen herrschen, die im Rest der Welt erst um 2100 erreicht werden“, so Paeth. Einige Szenarien rechnen in den Regionen Westafrikas mit vier Grad durchschnittlicher Temperaturerhöhung.

Verschärft werden die Extremwetter und ausfallenden Ernten in Ostafrika durch lokale Konflikte – beispielsweise im unregierbaren Somalia. In den vergangenen 20 Jahren kam es zu drei großen Dürreperioden in der Region, die letzte davon 2011, damals hungerten über elf Millionen Menschen. Flüchtlinge aus Somalia wiederum ließen sich dann in Ländern wie Äthiopien nieder, deren Lage ebenfalls schwierig ist, erklärt GIZ-Mitarbeiter Schöneberger. Auch Hattermann vom PIK stimmt ein: Es müsse viel getan werden, um dem Wettlauf von wachsender Bevölkerung und der Zunahme von Extremwettern etwas entgegen zu setzen. Wenn Regierungen und Hilfsorganisationen nicht helfen, die afrikanische Landwirtschaft widerstandsfähiger zu machen, könnte es zu weiteren Massen-Fluchtbewegungen kommen. „Afrika kann zum Selbstversorger werden – aber dafür muss viel passieren“. Die äthiopische Regierung will nun zusammen mit Hilfsorganisationen eine Million Tonnen Getreide importieren. Doch auch die sind irgendwann alle. Bleibt dann nur noch das Hoffen auf Regen im Februar, damit im August die nächste Ernte eingefahren werden kann.

Susanne Götze ist Redakteurin beim Online-Magazin klimaretter.info, mit dem die Frankfurter Rundschau in einer Kooperation die Berichterstattung zu Klima und Umwelt intensiviert.

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