In ihrem Verlauf werden im Gehirn und Rückenmark die Motoneuronen zerstört - das sind Nervenzellen, die für Muskelbewegungen nötig sind. Die Patienten verlernen zu laufen und zu sprechen. Meist drei bis fünf Jahre nach Ausbruch des Leidens sterben sie an einer Lähmung der Atemmuskulatur.
"Wir betreten eine neue Ära der Zelltherapie gegen ALS und in meinen Augen ist es eine neue Ära der Hoffnung für diese Patienten", sagte die Neurologin Eva Feldman von der University of Michigan in Ann Arbor Ende Januar dem US-Fernsehsender CNN. Feldman leitet die Studie, in die noch mindestens elf weitere Patienten einbezogen werden sollen.
"Die Stammzellen werden vermutlich keine neuen Motoneuronen bilden", räumt Karl Johe von der Firma Neuralstem ein, die das Verfahren entwickelt hat und die Studie finanziert. "Wir hoffen aber, dass sie die noch funktionierenden Motoneuronen schützen und so das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen."
Hoffnungen in die Stammzelltherapie setzen auch Parkinsonpatienten - bislang allerdings weitgehend vergeblich. Schon Ende der 90er experimentierten schwedische Forscher um Olle Lindvall vom Universitätskrankenhaus im schwedischen Lund mit neuronalen Stammzellen, die sie in das Gehirn von Parkinsonpatienten spritzten. "Doch die Ergebnisse sind bis heute nicht überzeugend", sagt Anthony Ho vom Universitätsklinikum Heidelberg, ein Experte für Therapien mit adulten Stammzellen.
Arzneimittel aus Knochenmark sind noch nicht erforscht
Zwar bieten Firmen längst Stammzelltherapeutika gegen Parkinson an. Doch diese Arzneimittel, für die Zellen aus dem Knochenmark der Patienten verwendet werden, sind nicht erforscht. Bereits im vergangenen Sommer warnten daher die Deutsche Parkinson-Gesellschaft (DPG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer gemeinsamen Presserklärung vor erheblichen Gesundheitsrisiken durch die Angebote der privaten Klinik XCell-Center.
Es bestehe das Risiko, dass die Stammzellen im Gehirn gemäß ihrer vorherigen Funktion Knochenmark bildeten, heißt es da. Auch bei der Behandlung eines Diabetes gibt es bisher, anders als das XCell-Center verspricht, keine echten Erfolge. "Einige Forschergruppen haben zwar berichtet, dass sie Symptome ihrer Patienten mit Knochenmarkstammzellen gelindert hätten", sagt Ho. "Andere Teams konnten diese Ergebnisse aber nicht bestätigen."
Dass die Privatklinik ihre Therapien trotz fehlender Zulassung anbieten darf, liegt an einer Besonderheit des deutschen Arzneimittelgesetzes: "Es sieht eine derzeit noch gültige Ausnahme von der Zulassung für Zellen menschlicher Herkunft vor, wenn von den Zellen der Spender und der Empfänger bekannt sind", sagt Klaus Cichutek, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen. Das Institut entscheidet hierzulande über die Zulassung klinischer Studien mit Stammzellen und bewertet Zulassungsanträge entsprechender Therapien bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA .
Die Gesetzeslage wird sich bald ändern. "Spätestens ab 2012 benötigt die Klinik eine Zulassung von der Europäischen Kommission, die bei der EMA beantragt werden muss", sagt Cichutek. "Um diese zu erhalten, muss das Unternehmen durch Vorlage klinischer und nicht-klinischer Daten nachweisen, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis für eine bestimmte Indikation akzeptabel ist." Ob dem Unternehmen das gelingt, ist fraglich: Es müsste seine Therapieangebote zunächst einer regelgerechten klinischen Prüfung unterziehen.
Auch für die Stammzelltherapie nach einem Herzinfarkt wird dann eine Zulassung der EU-Kommission erforderlich sein. Doch die Chancen stehen gut, dass das Verfahren sie erhält.Circulation Heart Failure, Bd.3, S.89
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