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Integration: Migranten-Lehrer sollen's richten

Pädagogen mit Migrationshintergrund sollen die Integration voranbringen. Doch bislang sind sie eine Rarität an deutschen Schulen.

Vor drei Jahrzehnten kam Ali Ucar nach Berlin. Er zog in eine Stadt, in der die Kinder seiner zumeist als Gastarbeiter angeworbenen Landsleute die deutsche Sprache kaum sprachen. Ucar, ein in der Türkei ausgebildeter Lehrer, wandte sich an das Schulamt. Das stellte ihn prompt ein, ganz unbürokratisch. Im Jahre 1969 trat Ali Ucar als wohl erster türkischer Lehrer in den Kreuzberger Schuldienst ein.

Inzwischen ist viel passiert. Ucar hat promoviert und sich habilitiert. In diesem Jahr wird der Professor für Erziehungswissenschaft an der Technischen Universität Berlin emeritiert. Nur in einem Punkt, sagt er heute, habe sich nicht viel getan: "Die Probleme gleichen sich. Die Schüler sprechen immer noch häufig zu schlecht Deutsch - und türkische Lehrer gibt es auch noch nicht viel mehr."

Wie wenige Lehrer mit Migrationshintergrund bundesweit arbeiten, ist statistisch nicht erfasst. Experten im Bundesamt für Migration sowie die Türkische Gemeinde Deutschland gehen davon aus, dass nicht mehr als jeder hundertste Lehrer nicht deutscher Herkunft ist.

Radikal ändern wird sich das auf absehbare Zeit kaum: auch unter den angehenden Lehrern sind Migranten mit sechs Prozent in den Lehramts-Studiengängen deutlich unterrepräsentiert. Wie wichtig es wäre, dass es mehr werden, erklären nicht nur die einschlägigen Communities. Auch die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich im nationalen Integrationsplan 2007 verpflichtet, mehr dieser Pädagogen einzustellen. Der Hintergrund ist ebenso einfach wie unumstritten: Lehrer mit einem anderen Hintergrund können gerade an Schulen mit einem hohen Zuwandereranteil sprachlich wie kulturell übersetzen. Sie dienen Jugendlichen nichtdeutscher Herkunft als Rollenvorbilder. Und: Ihr verstärkter Einsatz würde ganz schlicht die deutsche Gesellschaft widerspiegeln. Dessen ungeachtet sind konkrete Bemühungen der Bundesländer noch eher vereinzelt zu beobachten. Jene, die es gibt, widmen sich vor allem dem verstärkten Anwerben von Nachwuchs: In Nordrhein-Westfalen hat die Landesregierung ein Netzwerk von Lehrern mit Migrationshintergrund installiert, das an Schulen für den Lehrerberuf wirbt und Studierenden zur Seite steht.

In Berlin startete der Integrationsbeauftragte im Januar unter dem Titel "Berlin braucht dich!" eine Kampagne, die Abiturienten für den Einsatz im Klassenzimmer gewinnen will. In Baden-Württemberg wirbt die Landeshauptstadt Stuttgart unter dem Titel "Migranten machen Schule!" unter anderem mit einer Broschüre, in der sich Lehrer mit einem anderen kulturellen Hintergrund vorstellen.

Jenseits der Landesregierungen sind zwei Stiftungen aktiv: Die Hertie-Stiftung fördert angehende Lehrer mit Migrationshintergrund in Frankfurt und Berlin mit Stipendien und Fortbildung. Die "Zeit"-Stiftung in Hamburg veranstaltete ein Schülercamp, bei dem Jugendliche nichtdeutscher Herkunft Einblicke in Theorie und Praxis des Lehramtsstudiums und des Lehrerberufs bekommen.

Kompliziert ist die Lage aber auch für Lehrer, die in ihrem Herkunftsland studiert haben. Häufig wird ihr Abschluss niedriger bewertet; eingesetzt werden sie meist nur im muttersprachlichen Unterricht. Sie können außerdem nicht verbeamtet werden, wenn sie nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben. In Berlin führte jahrelanger Protest im vergangenen Jahr allerdings zum Erfolg: An 17 bilingualen Europaschulen der Stadt machten Lehrer mit ausländischen Zeugnissen jahrelang den gleichen Job wie deutsche - für bis zu 500 Euro weniger im Monat. Inzwischen wurden sie ihren Kollegen gleichgestellt.

Autor:  JEANNETTE GODDAR
Datum:  8 | 4 | 2009
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