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Cannabis: Jahrtausende altes Medikament

Macht Cannabis abhängig? Was ist der Unterschied zu Morphium? Fragen und Antworten zu einem Heilmittel, das schon die alten Chinesen nutzten.

Ist Cannabis ein Medikament?

„Ja“, sagt nicht nur der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, Gerhard Müller-Schwefe. Seit 1998 dürfen THC-haltige Medikamente in Deutschland verschrieben werden. Es gibt drei große Indikationsbereiche: Neurologische Störungen, etwa spastische Krämpfe bei Multipler Sklerose (MS) oder Epilepsie, chronische Schmerzen sowie Appetitlosigkeit und Übelkeit, etwa bei Krebspatienten, fasst Franjo Grotenhermen von der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (IACM) zusammen. Hanf oder Cannabis wird seit Jahrtausenden, etwa in China und Indien, als Arznei verwendet. In Indien wurde Cannabis gegen Lepra, Durchfall, Fieber und als Beruhigungsmittel eingesetzt. Schon länger ist in den USA das Präparat Dronabinol zugelassen, und zwar als Arznei gegen Appetitlosigkeit, bestimmte Übelkeitserkrankungen und gegen die krankhafte Abmagerung Kachexie. Dronabinol ist gelöstes Tetrahydrocannabinol (THC), Hauptwirkstoff des Hanfs.

Wie wirkt Cannabis?

Das körpereigenen Endocannabinoidsystem, das durch das THC aktiviert wird, hat die Funktion, ein Übermaß an Erregung zu dämpfen, erläutert Grotenhermen. „Adrenalin macht uns kampfbereit, das Endocannabinoid-System holt uns wieder runter. Übelkeit, Schmerz und Muskelerregung werden gedämpft, weil es auf eine Vielzahl von Nervenüberträgerstoffen hemmend wirkt.“ Deshalb lindere Cannabis auch so viele Leiden.

Ist Cannabis ein besseres Schmerzmittel als Morphin?

„Der Vergleich ist Quatsch“, sagt Müller-Schwefe. „Das sind zwei völlig unterschiedliche Systeme.“ Cannabis sei keineswegs ein Superschmerzmittel, sondern bei bestimmten Patienten besonders gut geeignet: „Und zwar bei jenen, denen der Schmerz nicht mehr aus dem Sinn geht. Er hat sich festgefressen. Diesen Prozess der Übererregung, etwa bei Trauma-Patienten, deren Schmerzkontrolle beeinflusst wurde, schaltet das Cannabis-System ab.“ Im Gegensatz dazu lasse das Endorphinsystem, auf das Morphin wirke, „nicht alle Reize durch“.

Macht THC-Arznei abhängig?

Abhängig kann man von allem werden, betont Müller-Schwefe. „Die Frage ist, wie man das Medikament verwendet. Ich habe es noch nie erlebt, dass jemand abhängig wurde oder Toleranzen entwickelte, also immer mehr von dem Wirkstoff brauchte. Diese Gefahr ist bei Opiaten viel größer.“ Man müsse − wie immer − Nutzen und Risiken abwägen, betont Grotenhermen. Nicht jeder vertrage das Mittel gleich gut. So könne die Herzfrequenz je nach Dosis ansteigen. Man fange deshalb mit kleinen Dosen an. „Es kann sein, dass sich jemand schwummerig oder leicht im Kopf fühlt.“ Die Gefahr einer Überdosis sieht er nicht. „Es sei denn, der Patient hat eine Herzerkrankung. Schlimmstenfalls ist jemand zehn Stunden high.“

Ist die Wirksamkeit von Cannabis in Studien erwiesen?

Die Studienlage ist Grotenhermen zufolge „sehr uneinheitlich“. Die Wirkung bei MS-Spastik sei gut belegt, ebenso bei chronischen Schmerzen. Auch die appetitanregende Wirkung sei belegt.

Autor:  Frauke Haß
Datum:  17 | 8 | 2010
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