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Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung

18. Januar 2013

Judentum: Versammlung an der Seidenstraße

 Von Nicole Sagener
Eine Studie untersucht den Ursprung osteuropäischer Juden. (Symbolbild)  Foto: dpa

Eine Studie zum Ursprung der osteuropäischen Juden liefert Anhaltspunkte, wie das Judentum durch Bevölkerungswanderungen nach Europa kam. Die Untersuchung zeigt Anteile von kaukasischer, europäischer und semitischer Herkunft.

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Kaum eine andere Gruppe ist so eingehend auf ihre Herkunft hin untersucht worden, wie die europäischen Juden. Dennoch konkurrieren nach wie vor unterschiedliche Theorien miteinander, die den Weg der heute in Europa lebenden Juden bis zu ihren Ursprüngen nachzuzeichnen versuchen.

Eine im Wissenschaftsblatt Genome Biology and Evolution veröffentlichte Studie bekräftigt nun die bereits in der Chasaren-Hypothese formulierte Annahme, das Genom der jüdischen Bevölkerung Osteuropas setze sich aus kaukasischen, europäischen und semitischen Anteilen zusammen. Mithilfe von Genanalysen konnten die an der Studie beteiligten US-Forscher erstmals genauer angeben, in welchem Umfang diese unterschiedlichen Herkunftsgruppen Einfluss auf die heutige jüdische Bevölkerung Osteuropas genommen haben.

„Die Präsenz von jüdischen Bewohnern im Kaukasus und im späteren chasarischen Staat ist ab den späten Jahrhunderten vor Christi Geburt belegt, sagt der Genetiker Eran Elhaik von der John Hoskins School of Public Health in Baltimore. „Durch den wachsenden Handel entlang der Seidenstraße, den Niedergang von Juda zwischen dem ersten und dem siebten Jahrhundert sowie durch das Erstarken von Christentum und Islam ließen sich immer mehr Juden in dieser Region nieder.“

In den ersten Jahrhunderten hätten sich dort zudem viele mesopotamische und griechisch-römische Juden angesiedelt, intensiviert durch den Übertritt der Chasaren zum Judentum.

Bevölkerung konvertierte

Das chasarische Reich war eine im heutigen Südrussland gelegene Konföderation aus mongolischen, iranischen und Turkvölkern. Ursprünglich nomadisch lebend, ließen sich diese Völker im siebten Jahrhundert nieder und gründeten ein gemeinsames Reich; zwischen dem siebten und neunten Jahrhundert konvertierte ein Großteil der Bevölkerung zum Judentum. Einige Wissenschaftler vermuten eine politische Motivation. Da das Reich zwischen muslimischen Völkern im Osten und christlichen im Westen lag, sei das Judentum als respektierter Ursprung beider Religionen möglicherweise als bester Kompromiss betrachtet worden.

Die Chasaren-Hypothese geht davon aus, dass die jüdischen Gruppen mit dem Zusammenbruch des Chasarenreiches nach der Invasion der Mongolen ins östliche Europa geflohen seien, wo sie gemeinsam mit Juden anderer Herkunft das osteuropäische Judentum mitbegründet hätten. Umstritten war bisher jedoch, in welchem Ausmaß die chasarischen Juden an der Entstehung des osteuropäischen Judentums beteiligt waren.

„Mit dem Zusammenbruch des Reiches im 13. Jahrhundert flohen viele der chasarischen Juden nach Osteuropa und emigrierten später nach Zentraleuropa, wo sie sich mit benachbarten Bevölkerungsgruppen mischten“, sagt Elhaik. Seine Forschungsergebnisse widerlegen die Rheinland-Hypothese, die annimmt, dass die heutigen europäischen Juden von isaelitisch-kanaitischen Gruppen abstammen. Mit der Einnahme Palästinas durch die Muslime im siebten Jahrhundert, so der Kern dieser These, hätten die Juden das heilige Land in Richtung Europa verlassen und seien vom Rheinland aus nach Osten weitergezogen. (wsa)

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