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30. Dezember 2009

Kaiserschnitt ist in: Beim zweiten Mal wird es riskanter

 Von Birgitta vom Lehn
Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt?  Foto: dpa

Jedes dritte Baby kommt in Deutschland inzwischen mit chirurgischer Hilfe zur Welt. Doch der Folge-Kaiserschnitt führt meist zu Komplikationen und birgt hohe Risiken. Von Birgitta vom Lehn

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Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt? Mütter, deren erstes Baby im OP statt im Kreissaal das Licht der Welt erblickt hat, werden meist mit der Prognose oder gar dem Ratschlag aus der Klinik entlassen: Falls sich weitere Kinder einstellen sollten, werden diese am besten wieder per Kaiserschnitt entbunden.

Dass das oft wirklich so kommt, stimmt zwar; auch deshalb geht ja die Kaiserschnittrate seit Jahren in die Höhe. Jedes dritte Baby kommt in Deutschland inzwischen mit chirurgischer Hilfe zur Welt. Aber es müsste nicht so sein: Einer Frau, die bereits einen ersten Kaiserschnitt hinter sich hat, kann man bei der nächsten Schwangerschaft "guten Gewissens" den Versuch einer natürlichen Geburt vorschlagen, sofern keine weiteren Risiken vorliegen.

Zu diesem Schluss kommen Charité-Mediziner um Professor Joachim Dudenhausen aufgrund einer Studie, für die sie aus der Berliner Perinatalstatistik der Jahre 1993 bis 1999 Daten von gut 60000 Zweitgebärenden ausgewertet haben. Zwölf Prozent dieser Frauen hatten ihr erstes Baby per Kaiserschnitt entbunden: Sie waren im Schnitt ein Jahr älter, brachten anderthalb Kilo mehr Körpergewicht auf die Waage und litten häufiger an Diabetes und Bluthochdruck als natürlich gebärende Frauen. Auch hatten die Kaiserschnitt-Mütter etwa doppelt so häufig eine Gebärmutteroperation und eine Unfruchtbarkeitsbehandlung hinter sich.

Bei der zweiten Schwangerschaft dieser Frauen lagen deren Babys dann häufiger verkehrt herum: Schädellagen, die eine natürliche Geburt erleichtern, waren weniger wahrscheinlich. Zudem kamen Frühgeburten bei ihnen häufiger vor, und der Anteil perinataler Todesfälle war deutlich erhöht (65 von 10000 im Vergleich zu 47 von 10000); als Perinatalperiode bezeichnen die Ärzte den Zeitraum zwischen dem Ende der 28. Schwangerschaftswoche und dem siebten Lebenstag nach der Geburt.

Noch keine Erklärung

Das Risiko für eine Totgeburt "stieg leicht an und wurde statistisch signifikant", schreiben die Mediziner in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift "Die Hebamme". Nach einem vorangegangenen Kaiserschnitt "war das Risiko für einen perinatalen Todesfall um 40 Prozent erhöht und um 52 Prozent für eine Totgeburt, und zwar unabhängig von den potenziellen Störfaktoren und den Schwangerschafts- und Geburtsrisiken, einschließlich der Kindlage." Dudenhausen hat dafür allerdings "keine naturwissenschaftliche Erklärung": "Wir wissen nicht, warum das so ist."

In der Praxis sei das leicht erhöhte Risiko der perinatalen Sterblichkeit bei der zweiten Geburt zwar "kaum beachtenswert", wenn medizinische Gründe für einen Kaiserschnitt vorliegen. "Wenn es jedoch keinen klaren medizinischen Vorteil für einen Kaiserschnitt gibt, zum Beispiel bei einem Wunschkaiserschnitt, dann sollte das zusätzliche Risiko für weitere Geburten in dem Beratungsgespräch eindringlich erläutert werden", raten die Studienautoren. Geburtskliniken mit hoher Kaiserschnittrate sollten ihre Praxis im Rahmen der Qualitätssicherung "überdenken". Der Arzt müsse die Schwangere in jedem Fall hinreichend aufklären.

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