Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr. Das besagt zumindest ein Sprichwort. Im Arbeitsalltag ist das aber nicht richtig, haben der Bonner Psychologe Gerhard Blickle und seine Mitarbeiter herausgefunden: Bescheidenere Berufsanfänger, die nicht so viel heiße Luft wie notorische Selbstdarsteller produzieren, sind erfolgreicher.
Denn sie finden leichter höherrangige Mentoren, die sie unterstützen. Auch einschlägige Untersuchungen aus den USA zeigen: Wer aktiv nach einem Mentor sucht, macht schneller Karriere.
Wer seinen Vorgesetzten gegenüber offen ist und auch über eigene Ängste redet, gewinnt laut der neuen Studie leichter Sympathien. Allerdings sollte das situationsgerecht geschehen, betont Professor Blickle. Andernfalls "kann dies leicht aus dem Ruder laufen".
Sein Team begleitete junge Nachwuchskräfte über einen Zeitraum von fünf Jahren, um zu sehen, wie weit Neueinsteiger kommen, wenn ihnen ein Mentor hilft und wie sie auftreten sollten, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Insgesamt befragten die Forscher 340 Hochschulabsolventen sowie deren Vorgesetzte und Kollegen.
Während es in Protegé-Mentor-Beziehungen unter Männern häufiger zu Konflikten als bei Frauen kommt, fällt es weiblichen Berufseinsteigern offenbar schwerer, Fehler einzugestehen. Ihre männlichen Kollegen dagegen können ihre Vorgesetzten leichter beschwichtigen, indem sie zugeben: "Jawohl, das war ein Fehler von mir." Hochinteressant ist auch, dass soziale Herkunft und Intelligenz in der Mentor-Beziehungen nicht ausschlaggebend sind.
Bei der Mentorensuche sind vor allem diejenigen im Vorteil, die gut im Kontakteknüpfen sind. Gewinnen sie die Sympathie höherstehender Kollegen, steigen sie im Durchschnitt schneller auf und erhalten höhere Einkommen als andere ohne Hilfe. Auch subjektiv seien die Protegierten zufriedener mit ihrer Karriere, sagt Blickle. Denn die Mentorbeziehung gebe ihnen Sicherheit, wohin sie beruflich wollen und warum das für sie persönlich wichtig ist.
Die Quelle der Sympathie, betont der Wissenschaftler, sei stets, ob der Mentor eine Ähnlichkeit mit seinem Protegé entdeckt. Hat der das Gefühl, "vor 25 Jahren genauso ehrgeizig gewesen zu sein", ist das Eis gebrochen.
Vor einem Fehler sollten sich ehrgeizige Neueinsteiger unbedingt hüten, mahnt der Professor: "Alle Eier in einen Korb zu legen." Denn mit dem Mentor erbt man nicht nur "seine Sichtweise, sondern auch seine Feinde". Wer versäumt, auch mit anderen Kollegen zu netzwerken, kann schnell ins Abseits geraten.
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